28.08.2016
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NRW-SPD feiert Geburtstag: Sozialdemokratische Leistungsschau

Ein bisschen Kirmes gab es auch: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf dem Jubiläumsfest der NRW-SPD.

Ein bisschen Kirmes gab es auch: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf dem Jubiläumsfest der NRW-SPD.

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dpa

Essen -

Eine gute Portion Eigenlob hilft manchmal. Sie hilft, das Selbstbewusstsein nicht zu verlieren, wenn andere gerade weniger nett zu einem sind. Die SPD in NRW nutzte das 150-jährige Bestehen der Sozialdemokratie zur großen Therapiestunde in eigener Sache. Motto: Egal, was die Umfragen für die Bundestagswahl sagen, wir werden uns wohl noch feiern dürfen.

So trafen sich die Sozialdemokraten auf der Zeche Zollverein in Essen zur kleinen Feierstunde mit angeschlossenem Bratwurststand, Glücksrad und Kinderschminken, Nostalgie-Karussell und „Hau den Lukas“. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zog in ihrer Rede lange Linien von der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863 bis heute.

Sie erinnerte an die vielen Kämpfe der Partei – für ein Frauenwahlrecht, für die Krankenversicherung und „eine freie Gesellschaft“. Die SPD sei die einzige Partei, die immer die Demokratie verteidigt habe. „Mit viel persönlichem Einsatz sind unsere Vorfahren für Grundwerte eingetreten, manche haben das mit ihrem Leben bezahlt“, sagte Kraft, die auch Landesvorsitzende der Partei ist.

Sozialdemokratische Leistungsschau

Auch heute gehe es darum, für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen. So stehe die SPD im Jahr 2013 für Chancengleichheit im Bildungsbereich. „Deshalb haben wir die Studiengebühren abgeschafft und eine freies Kitajahr eingeführt“.

Beim offiziellen Jubiläums-Festakt der Bundes-SPD in Leipzig hatte man noch mit Bundespräsident und großem Orchester gefeiert, in NRW wünschte man sich lieber ein Volksfest als eine „Feier im dunklen Anzug“, wie der Essener SPD-Chef Dieter Hilser sagte: „Die SPD war ja nie eine Partei der Salons.“ So sah es ein wenig danach aus, als hätte man sämtliche Wahlkampf-Pavillons des Landes auf das Zechengelände geschleppt. Eine sozialdemokratische Leistungsschau quasi, die bei der Basis gut ankam.

Bei Hauptschullehrer und SPD-Mitglied Henner Höcker etwa, der „stolz auf die lange Tradition“ der SPD ist und deshalb auf Zollverein mitfeiern wollte. „Ich bin in den Siebzigern wegen Willy Brandt eingetreten“, erzählte der 57-Jährige aus Essen. Doch auch bei ihm sitzt eine Sache noch immer tief, die in den offiziellen Rückblicken der Partei recht kurz gerät. „Es ist der historische Fehler der SPD“, wie Höcker sagt. Er meint die Hartz-IV-Reform unter Gerhard Schröder: „Das hat das Rückgrat der Partei extrem getroffen“, sagt Höcker.