27.09.2016
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NSU-Ausschuss: Behrens weist Vorwürfe zurück

Die Keupstraße nach dem Nagelbomben-Attentat.

Die Keupstraße nach dem Nagelbomben-Attentat.

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dpa

Berlin -

Der ehemalige nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens (SPD) weist den Vorwurf zurück, nach dem NSU-Anschlag in der Kölner Keupstraße im Jahr 2004 frühzeitig einen rassistischen Hintergrund der Tat ausgeschlossen zu haben. Er habe „keinerlei Weisung in diese Richtung gegeben“, sagte Behrens am Donnerstag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag.

Die Ermittlungen nach dem Nagelbombenanschlag, bei dem 22 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden, fokussierten sich sehr schnell auf einen Hintergrund im Bereich Organisierte Kriminalität. Der Begriff „Terroristischer Anschlag“ wurde noch am Tattag aus einem Rundschreiben der Polizei wieder rausgestrichen. Nach heutiger Kenntnis war die rechtsextreme Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) für das Attentat verantwortlich. Dem NSU werden zudem zehn Morde und ein weiterer Bombenanschlag in Köln 2001 zur Last gelegt. Nach Ansicht des Unions-Obmanns im Ausschuss, Clemens Binninger, wurde bei den Ermittlungen in Köln die möglicherweise größte Chance vertan, dem Terrortrio früher auf die Spur zu kommen.

Behrens räumte auch Fehler ein. Er habe bis zum Auffliegen des NSU einen Zusammenhang zu den anderen Taten der Terrorgruppe nicht für möglich gehalten und sprach von einer „fatalen Fehlentscheidung mit verheerenden Folgen“. Der Ex-Minister sagte aus, unmittelbar nach dem 9. Juni 2004 in den Urlaub gegangen zu sein und in den ersten Tagen nach dem Anschlag im wesentlichen telefonisch mit den Ermittlern Kontakt gehalten zu haben.

Darüber hinaus wollte der Ausschuss am Donnerstag Bundesanwalt Hans-Jürgen Förster vernehmen. Der frühere Unterabteilungsleiter im Bundesinnenministerium hatte im September für Aufregung gesorgt, als er meinte, sich erinnern zu können, den mutmaßlichen NSU-Unterstützter Ralf Wohlleben auf einer Liste mit V-Leuten gesehen zu haben. Für diesen Verdacht konnte jedoch kein Beleg gefunden werden. (dpa, dapd)


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