26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Pädophilie-Debatte: Volker Beck gerät unter Druck
20. September 2013
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Pädophilie-Debatte: Volker Beck gerät unter Druck

Volker Beck

Volker Beck.

Foto:

Hennes

Berlin -

Im Zuge der Aufarbeitung von Pädophilie-Verstrickungen der Grünen sieht sich jetzt auch deren Parlamentarischer Geschäftsführer im Bundestag, Volker Beck, mit einem Dokument aus der Frühphase seiner politischen Karriere konfrontiert.

Die Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter und Stephan Klecha, die das Thema im Auftrag der Partei untersuchen, stießen bei ihren Recherchen auf die Urfassung eines 25 Jahre alten Aufsatzes von Beck, in dem er eine Entkriminalisierung von einvernehmlichen und gewaltfreien Sexualkontakten zwischen Erwachsenen und Kindern forderte. Zum Zeitpunkt seiner Erstellung war Beck Schwulenreferent der Grünen-Fraktion in Bonn. Nach einem Hinweis Klechas überließ nun Beck dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ eine Kopie des Fundstücks.

In gedruckter Form erschien der Text 1988 in dem Sammelband „Der pädosexuelle Komplex“. Herausgeber war der Soziologe Joachim S. Hohmann (1953-1999) unter dem Pseudonym Angelo Leopardi. Beck muss sich bis heute regelmäßig für diesen Aufsatz rechtfertigen, obwohl er spätestens Anfang der 90er Jahre von seinen damaligen Thesen abgerückt war. Zur Verteidigungslinie des Politikers gehörte die Aussage, dass der Text gegen seinen Willen vom Herausgeber des Bandes redigiert und verfälscht worden sei. So äußerte er sich auch im Bundestag.

Nach dem Fund des Manuskripts lässt sich das nun erstmals überprüfen: Ein Vergleich des Ur-Textes und der gedruckten Fassung zeigt, dass der Herausgeber lediglich an zwei Stellen größere Veränderungen vornahm.

Beck hatte 1988 seinem Text folgenden Titel gegeben: „Reformistischer Aufbruch und Abschied von einer «radikalen» Forderung – Plädoyer für eine realistische Neuorientierung der Sexual- (Strafrechts-) Politik im Hinblick auf eine Entkriminalisierung der Pädosexualität.“ Daraus machte der Herausgeber: „Das Strafrecht ändern? Plädoyer für eine realistische Neuorientierung der Sexualpolitik.“ Eine Zwischenüberschrift Becks lautete: „Möglichkeiten und Strategien einer neuen Sexual- (Strafrechts-) Politik – auch für den Bereich der Pädosexualität.“ Daraus wurde: „Wie kann man das Sexualstrafrecht verändern?“ Beck sagte jetzt dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Ich bin froh, dass das Typoskript gefunden wurde. Es bestätigt meine mehrfach geäußerte Annahme, dass der Text in der Buchveröffentlichung verändert wurde.“

Der Herausgeber habe ehedem seine zentrale Aussage, nämlich den „Abschied von einer radikalen Forderung“ (gemeint war die Abschaffung des Sexualstrafrechts) wegredigiert. Diese Überschrift habe nicht ins Konzept des Herausgebers gepasst – „war sie doch eine klare Absage an eine damals gängige Forderung in der Schwulenbewegung“. Nach Auffassung des Politikers bestätigt das Dokument „ebenfalls auf beschämende Weise“, wovon er sich im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte mehrfach distanziert habe: Es sei eine vollkommen falsche Annahme gewesen, „dass man theoretisch zwischen gewaltlosen, angeblich harmlosen Sexualkontakten mit Zustimmung und gewaltförmigen, schädlichen Sexualkontakten zwischen Erwachsenen und Kindern unterscheiden könne“.

Von dieser falschen Grundannahme sei der Text geprägt. „Dafür entschuldige ich mich jetzt nach Vorliegen des Originalskripts nochmals aufrichtig und distanziere mich erneut.“