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Piratin veröffentlicht Buch: Weisbands Manifest der Naivität

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Marina Weisband, ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Foto: dpa
Marina Weisband hat ein Buch veröffentlicht. „Wir nennen es Politik“ heißt das Werk der Ex-Bundesgeschäftsführerin der Piraten. Es ist eine Hymne auf die Kraft der Naivität. Die Schwierigkeiten ihrer Partei blendet Weisband völlig aus.  Von 
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„Gebt den Kindern das Kommando, sie berechnen nicht, was sie tun“, singt Herbert Grönemeyer in „Kinder an die Macht“, einer Hymne auf die Kraft der Naivität. Marina Weisband hat nun ein Manifest mit derselben Stoßrichtung veröffentlicht: „Wir nennen es Politik“ heißt das Buch der Ex-Bundesgeschäftsführerin der Piraten.

Weisband ist nicht nur das hübscheste Gesicht dieser Partei, die schnell emporschoss und jetzt schon wieder um ihre Existenz ringt. Die Psychologie-Studentin kann kluge Gedanken verständlich äußern: eine Fähigkeit, die längst nicht jeder Profipolitiker hat. Und die 25-Jährige hat eine spannende Lebensgeschichte, geboren 1987 in Kiew: „ein Tschernobyl-Kind“.

Eine Einwanderer-Geschichte

Nüchtern beschreibt sie, wie sie als Kind oft krank im Bett lag – und wie sie ihren Wissensdurst schon deshalb entwickelte, weil Lesen dann der einzige wirkliche Zeitvertreib war. Weisband erzählt, wie schwer es für sie als Kind war, sich in Deutschland einzufinden, als ihre Familie in den 1990ern immigrierte. Sie begann, die Bedeutung von Politik zu verstehen, dachte aber noch, da kümmerten sich doch andere drum.

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Und wie kam sie nun zu den Piraten? Eher zufällig, beim Anschauen von Wahlwerbespots mit Freunden. „Die sind mir ähnlich“, fand sie. Und das mit dem Internet hat ihr gefallen. Tiefgründig? Nein. Aber erfrischend ehrlich. Endlich mal jemand, der sich seinen Werdegang nicht im Nachhinein zurechtkonstruiert. Es zeigt zudem: Um mehr junge Mitglieder zu gewinnen, brauchen Parteien nicht nur Inhalte, sondern auch ein Mindestmaß an Coolness.

Kein Wort über Schwierigkeiten

Weil bei den Piraten Parteitage noch chaotisch und ungeplant verlaufen, wurde Weisband 2011 urplötzlich Bundesgeschäftsführerin. Von null auf hundert, ist das ein Problem? Expertentum könne Betriebsblindheit bedeuten, befindet Weisband. „Wir sind auf Laien angewiesen, weil sie Fehler in vorhandenen Systemen schneller erkennen und naiv Fragen stellen.“ In der Tat: Dem eingefahrenen politischen Betrieb kann es gut tun, wenn eine neue Kraft Staub aufwirbelt. Weisband berichtet anschaulich über Ideen einer Internet-basierten Demokratie, in der jeder entscheiden kann, ob er in einem Fachgebiet über Anträge abstimmen will oder seine Stimme an eine Vertrauensperson abgibt.

So weit, so gut. Schade ist aber, dass Weisband kaum über die Schwierigkeiten schreibt. Was läuft falsch bei den innerparteilichen Demokratieversuchen der Piraten? Wo sind die Grenzen der Basisbeteiligung? Gerade Weisband, die ihr Amt schon nach einem Jahr freiwillig wieder abgab, dürfte da einiges zu erzählen haben. Sagte sie doch kürzlich über ihre Partei: „Wir sind im Arsch.“ Wie bitte? „Aber keiner, aus dem man nicht wieder rauskommt.“

„Wir werden in Grund und Boden gelacht“, singt Herbert Grönemeyer. Wer zuletzt lacht, ist in Sachen Piraten noch ungeklärt. Weisbands Buch über den Ausflug in die Politik könnte auch heißen: „Wir nennen es schwierig“.

Marina Weisband: Wir nennen es Politik. Tropen-Verlag, 174 Seiten, 16,95 Euro.

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