29.08.2016
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Rüstungsexporte: China rückt auf Rang 5 vor

China Rüstung

Chinas Waffenindustrie boomt.

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dpa

Stockholm -

Auch auf dem Waffenmarkt spiegeln sich die internationalen Konjunkturen wider: Asien boomt, Europa steckt in der Krise. Während die aufstrebenden Wirtschaftsmächte Asiens in den letzten Jahren die größten Waffenkäufer waren, strichen die Europäer ihre Rüstungsprogramme zusammen und versuchten, überflüssiges Material abzustoßen. Um das Geschäft anzuheizen, steht auch der Export in bisher verpönte Abnehmerländer zunehmend in der Debatte.

Dies geht aus den Zahlen über den globalen Waffenhandel hervor, die das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri an diesem Montag veröffentlicht.

Sie zeigen, dass die USA (30 Prozent) und Russland (26 Prozent) weiterhin den Rüstungsexport beherrschen. Doch als neue Waffengroßmacht ist China im Kommen und war 2012 bereits der drittgrößte Lieferant von Kriegsmaterial. Für die Periode 2008-2012 liegt China hinter Deutschland und Frankreich noch auf Rang fünf. Sipri arbeitet mit Fünf-Jahres-Perioden, um Verzerrungen durch einzelne Großaufträge zu vermeiden. Trends schlagen sich dadurch erst verzögert in der Statistik nieder.

Der deutsche Anteil am Waffengeschäft war zuletzt stark rückläufig; er lag zu Beginn der Periode bei rund 10 Prozent, 2011 und 2012 nur mehr bei circa vier Prozent. Im Vorjahr war Deutschland nur noch der fünftgrößte Exporteur und wurde außer von China auch von der Ukraine überflügelt.

Der weltweite Waffenhandel nahm gegenüber dem Zeitrahmen 2003-07 um insgesamt 17 Prozent zu. Die USA und Russland steigerten das Volumen ihrer Verkäufe um 16 respektive 28 Prozent. Weltmarktführer USA belieferte 85 Länder mit Südkorea als wichtigstem Kunden. Auch Irak und Afghanistan steigen parallel mit dem Abzug der US-Truppen zu bedeutenden Abnehmern von amerikanischem Kriegsgut auf.

Russland ist der größte Lieferant von Rüstungsmaterial an Indien und China und steht für mehr als 70 Prozent der Waffenlieferungen an Syrien. China steigerte seine Verkäufe um 162 Prozent, angekurbelt durch Großaufträge aus Pakistan, doch Peking etabliert sich mehr und mehr als "signifikanter Versorger einer wachsenden Zahl wichtiger Abnehmerstaaten", sagt Paul Holtom, Direktor von Sipris Programm für Waffenhandelskontrolle.

Deutschland lieferte 35 Prozent seines Rüstungsexports an andere europäische Staaten, neben Griechenland, Spanien und der Türkei ist Südkorea wichtigster Kunde.

Die Suche nach neuen Märkten wie Saudi-Arabien, Katar und Algerien habe im Vorjahr heftige politische Debatten ausgelöst, wie restriktiv die Exportkontrolle gehandhabt werden solle, notiert Sipri. In Frankreich gelte der Waffenverkauf in den Nahen Osten und nach Nordafrika als wesentlich weniger kontrovers. Die Waffenimporte sanken in Europa in den letzten fünf Jahren um insgesamt 20 Prozent, ein Trend, der sich weiter verstärken dürfte, wenn die Krisenjahre in der Statistik voll durchschlagen.