26.07.2016
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Schnellboot „Hermelin“: Marinesoldaten fesseln Vorgesetzten

Das Bundeswehr-Schnellboot "Hermelin".

Das Bundeswehr-Schnellboot "Hermelin".

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Archiv

Potsdam/Beirut -

Mindestens vier Marine-Soldaten der Bundeswehr haben auf einem Schnellboot im Libanon-Einsatz einen Vorgesetzten gefesselt und mit Farbe beschmiert. „Hier wohnen die Mongos“, sollen sie dem Bootsmann auf ein Bein geschrieben haben. Die Bundeswehr hat den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Die Beschuldigten wurden aus dem Einsatz abgezogen.

Spekulationen über einen möglichen rassistischen Hintergrund trat das Bundesverteidigungsministerium am Mittwoch entgegen. Der unter anderem mit einem Spanngurt an einen Tisch gefesselte Bootsmann soll thailändischer Herkunft sein. Aus dem Verteidigungsausschuss des Bundestags hieß es, es habe sich um einen Racheakt gehandelt, nachdem der Bootsmann seine Untergebenen schlecht behandelt habe.

Marine-Inspekteur Axel Schimpf verurteilte den Angriff von Bundeswehrsoldaten auf einen Vorgesetzten im Libanon-Einsatz scharf und kündigte harte Ermittlungen an. „Derartige Fälle dulde ich nicht in unserer Marine“, sagte er der Zeitung „Die Welt“ (Donnerstag). „Deswegen wird nun mit der gegebenen Härte ermittelt. Intern sind sofort die nötigen Konsequenzen gezogen worden.“
Der Angriff ereignete sich am 15. Februar auf dem Schnellboot „Hermelin“ im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut. Der Bootsmann soll aus seinem Bett gezerrt und dann gefesselt und beschmiert worden sein. Der Verteidigungsausschuss wurde am Mittwoch über den Fall informiert.

Dem Angriff soll nach Angaben von Abgeordneten eine Provokation des Vorgesetzten vorausgegangen sein. Er soll seinen Untergebenen mit den Worten „Da schlafen die Mongos“ ihre Kojen zugewiesen haben. Wegen Platzmangels habe er schließlich im selben Raum mit den Obermaaten schlafen müssen und sei dann von ihnen aus der Koje gezerrt worden.

Am 22. Februar wurde der Fall nach Angaben des Einsatzführungskommandos wegen des „Verdachts eines tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten“ an die Staatsanwaltschaft übergeben. Der stellvertretende Ministeriumssprecher Christian Dienst sprach von einem „höchst bedauernswerten Einzelfall“. CDU-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck betonte, der Fall sei „kein Politikum“. (dpa)