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Statistik zu Aachen: Fast 22.000 Einwohner verschwunden

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Nur gut 80 statt knapp 82 Millionen Einwohner - nach mehr als zwei Jahrzehnten liegen wieder genaue Angaben zur deutschen Bevölkerung vor.  Foto: dpa
Überraschung für Aachen: Laut Volkszählung hat die Stadt knapp 22.000 Einwohner weniger als vermutet. Der statistische Bevölkerungsschwund könnte für die Stadt Folgen haben. Der Zensus 2011 hält noch mehr Überraschungen bereit.  Von
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Düsseldorf

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp musste am Freitag erst mal durchatmen. Laut Volkszählung hat seine Stadt in der offiziellen Einwohner-Statistik des Landes knapp 22.000 Einwohner weniger als bisher angenommen. Das ist ein Minus von 8,4 Prozent. Eine schlüssige Erklärung für diese Diskrepanz konnte selbst die städtische Statistikstelle nicht liefern. „Die Zahlen werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben“, sagte Philipp. „Wir müssen sie in Ruhe auswerten.“

Wie viele Einwohner Aachen tatsächlich hat, darüber werden die Experten wohl noch lange streiten. Die Stadt beruft sich auf ihr Melderegister und kommt auf 241.722. Das Land ging bei seiner letzten Schätzung vor der Befragung am 30. April 2011 noch von 258.246 Aachenern aus und korrigierte diese Zahl nun deutlich nach unten: auf 236.420 Einwohner.

Das Beispiel Aachen mache deutlich, „dass die Melderegister den Bevölkerungsstand nicht zuverlässig abbilden“, sagt Hans-Josef Fischer, Präsident des Statistischen Landesamts in NRW. Was unter anderem daran liegt, dass die Melderegister der Städte und Gemeinden keinen Datenabgleich mit dem Zensus vornehmen dürfen. Das hatte das Bundesverfassungsgericht nach den Protesten rund um die Volkszählung des Jahres 1987 entschieden. Weitere Fehlerquellen im Melderegister sind durch Zu- und Fortzüge bedingt. Wer in ein anderes Bundesland zieht und sich bei seiner Gemeinde nicht abmeldet, wird dort häufig als Karteileiche weitergeführt.

Der Bevölkerungsschwund in der Statistik könnte für die Stadt Aachen Folgen haben. Die Schlüsselzuweisung, also das Geld, das der Stadt vom Land nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz überwiesen wird, ist auch von der Einwohnerzahl abhängig. Nicht immer haben sich die Statistiker bei der Fortschreibung ihrer Daten so verschätzt wie in Aachen. Dass im Land insgesamt knapp 300.000 Menschen weniger leben als bisher angenommen, „entspricht ziemlich genau unseren Erwartungen“, so Hans-Josef Fischer.

DIE BEFRAGUNG

In NRW interviewten rund 20.000 Beauftragte 1,5 Millionen Bürger. Diese Stichprobe entspricht etwa zehn Prozent aller Haushalte. Außerdem überprüften sie 300.000 Gebäude und Wohnungen, weil die Eigentümer nicht ermittelt werden konnten. Anders als 1987 war die Akzeptanz in der Bevölkerung hoch: Bei der Haushaltsbefragung sei ein Rücklauf von 99 Prozent erreicht worden.

DAS LAND

In NRW hatten am 9. Mai 2011 exakt 17.538.251 Menschen ihren Hauptwohnsitz, das sind 297 018 weniger als bisher angenommen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung stieg um 0,1 auf 21,9 Prozent. In NRW leben mehr Frauen als Männer. Das Verhältnis beträgt 9,0 zu 8,5 Millionen. Die kleinste Gemeinde ist Dahlem im Kreis Euskirchen mit 4196 Einwohnern. Im Ruhrgebiet wohnten zum Stichtag 5.062.307 Menschen. Auf einem Quadratkilometer lebten 514 Menschen, in Köln sind es 2482, in Düsseldorf 2697.

DIE ABWEICHUNGEN

In 298 von 396 Städten und Gemeinden liegt die beim Zensus 2011 ermittelte unter der bislang veröffentlichten Einwohnerzahl. Die höchsten Abweichungen wurden für Blankenheim im Kreis Euskirchen (plus 4,9 Prozent) und Schöppingen im Kreis Borken (minus 17 Prozent) festgestellt. Bergisch Gladbach hat in der NRW-Statistik künftig drei Prozent mehr Einwohner, insgesamt 108.878.

DER WOHNRAUM

Rund 8,88 Millionen Wohnungen im Land verteilen sich auf 3,9 Millionen Gebäude. Die Zahl der Wohnungen stieg im Vergleich zur letzten Volkszählung 1987 um 1,7 Millionen, das ist ein Plus von 23,8 Prozent, die Zahl der Wohngebäude um 850.000 (plus 27,8 Prozent). 40,1 Prozent der Wohnungen werden vom Eigentümer genutzt. In Marienmünster im Kreis Höxter leben drei von vier Bürgern in den eigenen vier Wänden, in Gelsenkirchen sind es nur 22,1 Prozent. Im Mai 2011 standen rund 3,7 Prozent der Wohnungen leer. Die höchste Leerstandsquote hatte Altena (10,5 Prozent), die niedrigste Schöppingen (1,5 Prozent). Die durchschnittliche Wohnungsgröße beträgt 89,4 Quadratmeter.

DIE RELIGIONSZUGEHÖRIGKEIT

Von 17,53 Millionen NRW-Bürgern sind 7,4 Millionen römisch-katholisch, 4,9 Millionen evangelisch, 5,1 Millionen gehören einer anderen Religionsgemeinschaft an. „Wie viele Muslime im Land leben, lässt sich nicht exakt ermitteln“, sagt Fischer. Bei der Befragung wurde nur zwischen katholisch, evangelisch und sonstigen öffentlich rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften unterschieden.

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