27.09.2016
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Steuersünder: Hoeneß ohne Sockel

Der Präsident des FC Bayern München: Uli Hoeneß.

Der Präsident des FC Bayern München: Uli Hoeneß.

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dpa

Es ist nicht so einfach, sich die Dimension des Steuerdelikts von Uli Hoeneß klar zu machen. Der Präsident des FC Bayern München hat sich selbst dafür angezeigt, auf einem Schweizer Bankkonto Geld vor den deutschen Steuerbehörden versteckt zu haben. Das Erstaunen darüber wird verstärkt durch die Summen, über die spekuliert wird. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob der Schwabe zehn Millionen, 100 Millionen oder eine halbe Milliarde auf die Seite geschafft hat, und erst auch einmal nicht, woher diese Reichtümer kommen, solange sie nichts mit dem FC Bayern München zu tun haben. Eine Rolle spielt viel mehr, dass es Uli Hoeneß war, der diese kriminelle Energie entwickelt über viele Jahre und wahrscheinlich Jahrzehnte hinweg durchgehalten hat.

Uli Hoeneß hat sich mit viel Energie und zahlreichen guten Taten das Image einer moralischen Instanz geschaffen, die in Deutschland weit über den Sport hinaus wirkt. Er hat Fußball-Vereine im Schatten seines übermächtigen FC Bayern vor dem Ruin gerettet, er hat nach der tödlichen S-Bahn-Attacke in München die Dominik-Brunner-Stiftung für Zivilcourage gegründet. Er hat einst verhindert, dass Christoph Daum Fußball-Bundestrainer wurde, weil er dessen Drogenkonsum thematisierte. Er wurde mit dem bayrischen Verdienstorden ausgezeichnet, der bayrischen Staatsmedaille für soziales Engagement, den Querdenker-Preis für besonderes soziales Engagement und vieles mehr.

Uli Hoeneß hat sich nie gescheut, seine Stimme in jeder gesellschaftlichen Debatte zu erheben. Er ist ein strammer CSU-Mann und erklärter Fan der Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber im Zweifel, so schien es, immer auf der Seite der Schwachen und Bedürftigen.

Dieses Bild des konservativen Gutmenschen mit einer vermeintlich unzerstörbaren Lebensleistung ist nicht mehr aufrecht zu erhalten. Über die rechtlichen Konsequenzen des massiven Steuerbetrugs, den Hoeneß vermutlich erst selbst aufdeckte, als er keinen anderen Ausweg mehr sah, müssen Gerichte entscheiden. Das moralische Urteil kann jeder für sich  selbst fällen. Uli Hoeneß ist nicht der Mann, für den wir ihn alle gehalten haben. Und das ist tatsächlich schade, zumindest für Menschen, die immer bereit sind, daran zu glauben, dass das Gute in seiner reinen Form in dieser harten Welt wirklich existiert.