24.07.2016
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Studenten in Deutschland: Warum diese Studienbedingungen?

Lehramt-Studenten verfolgen eine Vorlesung "Einführung in die Schulpädagogik" im Audimax der Universität Hildesheim.

Lehramt-Studenten verfolgen eine Vorlesung "Einführung in die Schulpädagogik" im Audimax der Universität Hildesheim.

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dpa

Jeder fünfte Student in Deutschland lebt in Armut. Trotz Bafög und der Abschaffung der Studiengebühren in vielen Bundesländern. Läuft hier nicht etwas schief? In Deutschland, dem Land, in dem man so stolz darauf ist, dass Bildung für jeden zugänglich ist. Hier, wo eine fundierte Ausbildung an einer staatlichen Hochschule zumindest theoretisch nichts mit der Herkunft zu tun hat?

Auf dem Campus sieht es anders aus. Viele der Studenten haben zwar Glück und werden von ihren Eltern finanziell unterstützt. Zwei Drittel der Studenten müssen aber aus dem Hörsaal zum Nebenjob hetzen, um ihr Mensaessen bezahlen zu können. Das hoch gepriesene Bafög unterstützt nur 29 Prozent der deutschen Studenten. Nicht besonders viel.

Und gerade bei diesen Studis kommt oft alles zusammen. Der finanzielle Druck ist riesig. Der Gedanke an die Zukunft, an das Zurückzahlen der Schulden überschattet alles. Die Angst vorm Versagen ist das Schlimmste. Denn läuft das Studium nicht gut, schafft man es nicht in der Regelzeit oder fällt zu oft durch eine Prüfung, ist man raus. Kein Bafög mehr, kein fertiges Studium.

Zumutbare Perspektive?

Ist das etwa eine zumutbare Perspektive? Wie soll man Jugendlichen aus finanziell schwächeren Familien ein Studium schmackhaft machen, wenn offensichtlich ist, dass Jahre des Leistungsdrucks und der Existenzangst vor ihnen liegen? Wirkt da eine Lehre nicht viel attraktiver? Geld verdienen statt Schulden zu machen?

Keine Frage: Akademiker sind wichtig für Deutschland. Warum machen wir es ihnen so schwer? Kann aus den kleinen Erleichterungen wie Bafög für die 29 Prozent der Studierenden kein echtes Entgegenkommen werden? Eine Erweiterung der Bafög-Voraussetzungen etwa? Oder: Dafür zu sorgen, dass ein zusätzliches Semester nicht gleich das Ende des Studiums bedeuten muss? Der Aufkleber „Chuck Norris schafft den Bachelor in der Regelstudienzeit“ klebt ja schon in jeder Toilette in den Universitäten.

Deutschland besitzt keine Bodenschätze, es tummeln sich auch keine Touristen im Harz. Die Studierenden in Deutschland besser zu unterstützen wäre keine Verteilung von Almosen, sondern eine Investition in die eigene Wirtschaft.
Die Autorin (19) gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Leverkusen. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.