25.08.2016
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Umfrage: Es hagelt Sechsen für Pirat Ponader

Ponader

Der Politische Geschäftsführer der Piratenpartei, Johannes Ponader

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dpa

Köln -

Das Ergebnis ist niederschmetternd. 5056 Piraten haben an der Online-Umfrage ihres Vorstandes teilgenommen. 2111 davon haben den Politischen Geschäftsführer der Partei, Johannes Ponader, benotet. Fast 1200 verpassten ihm eine Sechs.

„Muss noch ein Jahr weitermachen – bin durchgefallen“, kommentierte Ponader selbst auf Twitter. Und er ergänzte: „Zum Glück bin ich schon 18 und darf mein Zeugnis selbst unterschreiben.“ Realitätsverlust, Trotz, blanke Verzweiflung? Oder am Ende sogar eine Mischung aus allem?

Der Mann, der äußerlich eher sanft und weich wirkt, muss hart im Nehmen sein. Hier nur einige der Kommentare, die in der E-Mail-Umfrage über ihn abgegeben wurden:

„Verstrahlter Spinner – Sorry aber Johannes ist völlig selbstverliebt und dabei unfähig zur Kommunikation“, heißt es da.

Oder auch: „Untragbar. Kein Pirat, sondern ein Schmarotzer.“

Und selbst bei positiver Wertung werden teils Einschränkungen gemacht: „Hält die Piratenwerte hoch, vergisst aber, dass das ein Zugehen aufs Gegenüber erfordert. Dazu gehört, NICHT während eines Gesprächs aufs Handy zu schauen.“

Gutes Ergebnis auf Parteitag

Dabei sah es eigentlich erst aus, als würde es bestens laufen mit Ponader und den Piraten. Mit knapp 75 Prozent wurde er Ende April 2012 auf einem Parteitag zum Politischen Geschäftsführer gewählt. Sein erster großer TV-Auftritt bei Günther Jauch galt noch als relativ gelungen – obwohl es unterschiedliche Reaktionen hervorrief, dass Ponader nicht nur in Sandalen auftrat, sondern sich auch während der Diskussion via Smartphone im Internet mit anderen Piraten austauschte.

Doch dann gingen die öffentlichen Auftritte vielen in der Partei zunehmend auf die Nerven – nicht zuletzt, als Ponader bei Markus Lanz über sein Leben als Polyamor philosophierte, also als jemand, der mehr als einen Menschen liebt. Und dabei, wie der 36-Jährige selbst sagte, das Gegenteil von eifersüchtig sei: „frubbelig“.

Dazu kam noch die Aufregung darüber, dass der Theaterpädagoge – der während seines Studiums durch ein Begabtenstipendium des Freistaates Bayern und die Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert wurde – hier und da von Sozialleistungen lebte. Eine Spendenaktion von Parteimitgliedern, die Geld für ihn sammeln wollten, stieß auf massive Kritik.

Zweikampf Schlömer - Ponader

Pikant ist dabei auch, dass Ponader, der sich selbst „Gesellschaftskünstler“ nennt, einer der überzeugtesten Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens ist. Parteichef Bernd Schlömer ließ sich darauf zu der Bemerkung hinreißen, Ponader solle mal arbeiten, „anstatt Modelle vorzustellen, die die Berufstätigkeit umgehen.“ Und überhaupt: Das Verhältnis von Schlömer und Ponader gilt als zerrüttet, die beiden können nicht miteinander.

So setzte Schlömer die Online-Befragung erst gegen den Willen Ponaders durch. Sicherlich in der Hoffnung, der Politische Geschäftsführer werde einen kräftigen Denkzettel erhalten. Der offizielle Grund: Die Mitglieder sollten befragt werden, ob sie auf ihrem Bundesparteitag im Mai den Vorstand neu wählen wollen oder sich lieber mit dem Programm beschäftigen sollen. Die Partei, der vielen Personaldiskussionen überdrüssig, hat sich nun für letzteres entschieden.

Ponader, der für eine komplette Neuwahl des Vorstandes geworben hatte, will nun trotz seiner verheerenden Noten im Amt bleiben.

Eins kann er sich dabei übrigens zugute halten: Es war ihm selbst freigestellt, ob er das negative Votum über seine Person der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Dieser Mann lebt wirklich den Piratengrundsatz der Transparenz.