24.07.2016
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US-Republikaner: Romneys peinliche PR-Patzer

Immer gut für einen Patzer: Mitt Romney.

Immer gut für einen Patzer: Mitt Romney.

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dapd

Washington -

Die Auslandstournee des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney ist vollends zum PR-Desaster geworden. Ein Berater des Republikaners beschimpfte am Dienstag auf üble Weise einige US-Reporter in der polnischen Hauptstadt Warschau, die Fragen an den vorbeilaufenden Romney stellten. Wie der TV-Sender CNN und das Internetportal Politico meldeten, seien dabei Ausdrücke wie „Leck mich am Arsch“ und „Verpiss dich“ gefallen. Romneys Pressesprecher Rick Gorka habe die Journalisten aber kurz danach telefonisch um Entschuldigung gebeten und erklärt, er sei ausgeflippt und habe sich unangemessen geäußert.

Der Zwischenfall in Warschau reihte sich in eine Serie von Ausrutschern ein, die den Herausforderer von US-Präsident Barack Obama begleiten, seit er vor einigen Tagen im Ausland eingetroffen ist. Schon auf seiner ersten Station in England hatte Romney mit dem öffentlich vorgetragenen Zweifel an der Fähigkeit Londons überrascht, die Olympischen Spiele erfolgreich zu gestalten. Damit zog er heftige Kritik der britischen Boulevardpresse, aber auch von Premierminister David Cameron auf sich.

Zu Wochenbeginn bezeichnete Romney während seines Aufenthalts in Israel Jerusalem als die Hauptstadt des Landes. Zudem verglich der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts Israels verhältnismäßig starke Wirtschaft mit der schwachen in den Palästinensergebieten und führte das unter anderem auf „kulturelle Unterschiede“ zurück. Vertreter der palästinensischen Autonomieregierung reagierten entsetzt.

Sajeb Erekat, Berater des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, nannte Romneys Äußerungen rassistisch. Dieser Präsidentschaftskandidat habe noch viel zu lernen. Romney kenne offenbar weder die Region noch ihre Kultur und Geschichte. Erekat sagte, Romney wisse auch nicht, dass die palästinensische Wirtschaft sich wegen der israelischen Besatzung nicht wie gewünscht entwickeln könne. Die Berater des US-Präsidentschaftsbewerbers erklärten, Romneys Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. „Das war in keiner Weise als Beleidigung der Palästinenser gedacht. Und jeder weiß das“, sagte Romneys Chefstratege Stuart Stevens. Aber auch das Weiße Haus in Washington kritisierte die Äußerungen Romneys.

Obamas Sprecher Josh Earnest äußerte Verständnis für die Verärgerung der Palästinenser. Romney solle sich „ausführlicher dazu äußern, was er habe sagen wollen“. Auch entspreche Romneys Standpunkt, wonach Jerusalem die Hauptstadt Israels sei, nicht der Position der US-Regierung. Die Hauptstadtfrage müsse in Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden, sagte Earnest weiter. Das sei auch die Haltung früherer US-Regierungen gewesen – unabhängig davon, ob diese von den Demokraten oder den Republikanern gestellt worden seien. Die USA erkennen Jerusalem offiziell nicht als Hauptstadt Israels an. So befindet sich auch die US-Botschaft in Tel Aviv.

Auf der letzten Station der Reise des Kandidaten in Polen kam es – abgesehen von den Verbalattacken seines Sprechers auf die Journalisten – zu keinen weiteren Ausrutschern. Der Friedensnobelpreisträger und frühere Kopf des anti-sowjetischen Widerstands, Lech Walesa, erklärte, er wünsche sich einen Sieg Romneys bei der Präsidentenwahl. Diesen Wunsch wiederum wollte die Gewerkschaft Solidarnosc, deren Chef Walesa gewesen ist, nicht teilen. Solidarnosc distanzierte sich in einer Erklärung von Romney und nannte ihn einen Gegner von Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechten.