26.07.2016
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Reaktion auf Ereignisse in Silvesternacht: Misstrauen gegenüber Migranten steigt nach Übergriffen in Köln

Die Haltung der Bürger könnte sich nach der Silvesternacht in Köln womöglich verändern.

Die Haltung der Bürger könnte sich nach der Silvesternacht in Köln womöglich verändern.

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dpa

Berlin -

Nach den sexuellen Angriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht spüren Flüchtlingsorganisationen und Islamverbände, wie sich die Stimmung der Bevölkerung gegenüber Migranten und Muslimen in Deutschland verschlechtert.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte dieser Zeitung, seit Jahresbeginn habe die Zahl der Anfeindungen und Drohungen gegen seinen Verband zugenommen. „Wir erleben eine neue Dimension des Hasses.“

Helfern wird gedroht

Allein am Donnerstag, als bekannt wurde, dass es sich bei den mutmaßlichen Tätern um Asylbewerber aus muslimischen Ländern handelt, seien in der Geschäftsstelle des Islamverbands 50 Drohanrufe sowie Hunderte Hassmails und -briefe eingegangen – so viele wie sonst in zwei Wochen. Dazu gebe es Hetze im Web. Inzwischen habe man die Telefonanlage abstellen müssen.

„Der braune Mob tobt in den sozialen Medien, sieht seine Vorurteile bestätigt und endlich die Chance, seinen Hass auf Muslime, Ausländer, Andersaussehende und Andersdenkende freien Lauf zu lassen“, sagte Mazyek.

Rassistische und antimuslimische Haltungen nähmen bereits seit einer ganzen Weile zu. „Solche Ereignisse wie in Köln fachen dann die Islamfeindlichkeit nochmals weiter an, weil Muslime dann unter Generalverdacht gestellt werden“, sagte Mazyek. Sein Verband wolle den zunehmenden Ressentiments mit „Aufklärung und Besonnenheit“ entgegentreten. So sei es im Islam eine große Sünde, Frauen zu belästigen oder gar zu vergewaltigen.

Die gesellschaftliche Haltung könnte sich verändern

Hilfsorganisationen rechnen auch mit negativen Auswirkungen auf die Haltung der Bevölkerung speziell gegenüber Flüchtlingen. „Köln hat unsere Arbeit nicht leichter gemacht“, sagte Karl Kopp von „Pro Asyl“ dieser Zeitung. Er fürchtet, dass die Stimmung kippen könnte – und verweist ebenfalls auf Hass-Kommentare im Internet. Der umstrittene Schriftsteller und Pegida-Sympathisant Akif Pirincci schrieb am Mittwoch in einem hundertfach geteilten Tweet: „Pro Asyl und die Bundesregierung haben in Köln mitvergewaltigt“.

Kopp forderte, dass man nicht alle Flüchtlinge unter Verdacht stellen dürfe. Asylbewerber, mit denen er über die Ereignisse gesprochen habe, seien ebenfalls über die Gewalttaten schockiert gewesen.

Susanne Rabe-Rahmann von der Kölner Caritas sagte dem Evangelischen Pressedienst, Flüchtlinge gehörten in ihrem Heimatland zu einer ausgegrenzten Minderheit. „Nun erleben sie hier eine neue Form der Ausgrenzung.“ Junge Araber berichteten ihr immer wieder, dass Fahrgäste ihre Taschen auf die andere Seite stellten, wenn sie die Bahn betreten. „Das hat sich seit einer Woche deutlich verschärft.“

Misstrauen gegenüber Ayslsuchenenden

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz warnte davor, Flüchtlinge und Asylsuchende unter Generalverdacht zu stellen. „Die Allermeisten verhalten sich nicht kriminell“, sagte die SPD-Politikerin dieser Zeitung. „Sie sind jetzt in einer sehr schwierigen Lage, denn sie werden misstrauisch beäugt.“ Gerade in dieser schwierigen Situation dürfe man „den Raum nicht den Rechtsextremen überlassen“.

Pro-Asyl-Sprecher Kopp ist überzeugt: „Die Willkommenskultur ist stark genug“. Nach den Anschlägen von Paris im November habe er befürchtet, dass die Wut über die Anschläge sich in Ablehnung gegenüber Flüchtlingen äußern könnte. Doch der Zulauf an freiwilligen Helfern und Unterstützern habe nicht abgenommen. Er hofft, dass auch nach den Ereignissen in Köln die Hilfsbereitschaft nicht sinkt.