26.07.2016
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Vergewaltigungsopfer: Abweisung ist "erbarmungslos"

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach.

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dpa

Berlin -

Die Abweisung einer offenbar vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln sorgt weiter für Diskussionen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach von einem „hartherzigen und erbarmungslosen“ Verhalten. Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband geht indes nicht davon aus, dass der Vorfall dem Image christlicher Kliniken schaden wird.

Ärzte der beiden Kölner Kliniken, die von der katholischen Stiftung der Cellitinnen getragen werden, hatten das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer abgewiesen, weil sie über die „Pille danach“ nicht informieren wollten. Der Krankenhausträger sprach anschließend aber von einem „Missverständnis“. Lediglich die Verschreibung oder Abgabe der „Pille danach“ sei in den katholischen Krankenhäusern untersagt.

Lauterbach sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe), die katholische Kirche habe sich mit der Zurückweisung der Frau keinen Gefallen getan. „Wenn sich das wiederholen sollte, müssen wir überlegen, ob die gynäkologische Notfallbetreuung überhaupt noch für katholische Krankenhäuser akzeptabel ist“, warnte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion die Kirche. „Es kann nicht sein, dass man sich auf die Ärzte dort nicht verlassen kann.“ Bislang sei jedoch von einem Einzelfall auszugehen.
Auch der Direktor des Evangelischen Krankenhausverbandes, Norbert Groß, glaubt an einen Ausnahmefall. Zwar sei in Köln offenbar etwas schiefgelaufen und nicht angemessen reagiert worden, doch habe er noch nie zuvor von einer solchen Abweisung gehört, sagte er dem epd. Das zeige, dass die Verantwortlichen in den kirchlichen Einrichtungen im Umgang mit Frauen in vergleichbaren Notlagen die erforderliche Hilfe leisteten.

Groß sagte, man müsse ernstnehmen, dass die christlichen Kliniken in Fragen des Lebensschutzes und der daraus abzuleitenden Konsequenzen keine einheitliche Position einnehmen. Offenbar sei es in der Öffentlichkeit nicht hinreichend bekannt, dass katholische Kliniken „eine durch das kirchliche Lehramt vorgegebene Position“ vertreten, die mit der „Pille danach“ oder Abtreibungen nicht vereinbar sei. „Man muss diese Haltung nicht teilen“, sagte der Pastor, doch wenn die katholische Kirche dazu stehe, müsse sie das „noch transparenter machen“.

Groß sieht im Kölner Fall eine klare kriminologische Indikation gegeben. Der Abbruch oder die Verhinderung einer Schwangerschaft als Folge einer Vergewaltigung sei rechtlich zulässig und aus protestantischer Sicht „ethisch gut zu begründen“. Für evangelische Kliniken sei es entscheidend, „niemanden ohne Hilfe zu lassen und stets im Einzelfall zu klären, welche Versorgung und Begleitung angemessen ist“.