25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Wikileaks-Gründer: Keine Sehnsucht nach Assange
17. June 2013
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Wikileaks-Gründer: Keine Sehnsucht nach Assange

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dpa

Kopenhagen -

Es gibt zum Fall Assange in Schweden die offizielle Version. Die wird von der Staatsanwaltschaft in Göteborg verbreitet und besagt, dass man die Auslieferung des Wikileaks-Gründers begehre und dass sich daran nichts geändert habe. Inoffiziell aber machen schwedische Vertreter kein Hehl daraus, dass sie ihn lieber im ekuadorianischen Dschungel sähen als in einem heimischen Gerichtssaal. Zwar hält man in Schweden daran fest, dass die Assange zur Last gelegten Sexualvergehen zumindest juristisch geprüft werden müssten. Doch man weiß auch, dass man nach einer Auslieferung des mutmaßlichen Delinquenten in der Kritik stehen würde, ungeachtet, wie das Verfahren ausgeht.

Kritik im eigenen Land

Gegen Assange liegt ein internationaler Haftbefehl wegen des Verdachts auf Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und gesetzwidrigen Zwang vor. In dem Auslieferungsbegehren geht es jedoch nur um die Möglichkeit, den Verdächtigen zu verhören. Dann erst muss Staatsanwältin Marianne Ny entscheiden, ob sie Anklage erhebt oder den Fall zu den Akten legt. Dass sie Assanges Angebot ausschlug, ihn in London zu verhören, hat ihr auch im eigenen Land viel Kritik eingebracht. Nicht alle Juristen teilen ihren Standpunkt, dass dies nach schwedischem Recht nicht möglich sei. Selbst wenn es zu einer Verurteilung käme, wäre die Strafe vermutlich so mild, dass sie durch die Zeit, die Assange in britischer Untersuchungshaft saß, ausgestanden wäre. Assange könnte Schweden also bald wieder als freier Mann verlassen – wenn es da nicht seine Furcht gäbe, dass er an die USA ausgeliefert würde, worüber die schwedischen Behörden keine Aussage machen können, da es, bisher zumindest, keinen derartigen Antrag der US-Justiz gibt.

Lässt man Assange laufen, steht Schweden am Pranger: Warum dann das jahrelange Getue? Wird er verurteilt, steht Schweden am Pranger: Dann sähen sich die Kritiker der schwedischen Justiz bestätigt, dass dort Männer in Sexualdelikten einer „feministischen Hetzjagd“ ausgesetzt seien – obwohl auch in Schweden die Beweislast in Vergewaltigungsfällen sehr hoch ist. Und wird Assange gar an die USA ausgeliefert, dann steht Schweden erst recht am Pranger, denn das wäre Wasser auf die Mühlen derer, die glauben, der ganze Fall sei ein CIA-Komplott, das nur ausgeheckt wurde, um des unbequemen Enthüllers habhaft zu werden.

Was wirklich geschah zwischen Assange und den beiden Frauen, die ihn anzeigten, wissen nur diese drei – obwohl in der Blogsphäre unzählige Beschreibungen kursieren, die klingen, als seien die Verfasser dabei gewesen. Dass es sich um zunächst freiwilligen Sex handelte und die Verwendung von Kondomen zum Streitpunkt wurde, dürfte immerhin feststehen. Anna A., die eine der beiden Klägerinnen, schilderte kürzlich in ihrem Blog, wie sie nach ihrer Anzeige bedroht und beschimpft wurde.

„Der Täter war unschuldig, ich war die Lügnerin.“ Die zweite Klägerin Sofia W. heuerte mit Elisabeth Massi Fritz eine der profiliertesten Verteidigerinnen in Frauenrechtsfragen an. Diese forderte die schwedische Regierung auf, Druck auf Ekuador zu machen, um die Auslieferung zu bewerkstelligen. Die Vergewaltigung habe bei ihrer Klientin „tiefe Spuren hinterlassen“. Die Voruntersuchung müsse den normalen Rechtsregeln folgen, „auch wenn der Verdächtige Assange heißt“.