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Zuwanderung: Die Wahrheit über Roma-Auswanderer

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Die Armutswanderung von Roma führt in Deutschland und vielen europäischen Ländern zu Diskussionen.  Foto: dpa
Sie wollen angeblich nicht arbeiten, sich nicht integrieren und spezialisieren sich auf Trick- und Einschleichdiebstähle: Über Roma-Auswanderer gibt es viele Vorurteile. Doch was stimmt an den Behauptungen? Eine Analyse.  Von
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Köln/Berlin

Behauptung: Roma werden von Schleppern zum Betteln und Stehlen nach Deutschland und Westeuropa gebracht."

Ganze zwei Fälle hatten bisher vor Gerichten Bestand: Einer in London, wo tatsächlich Kinder zum Betteln geschleppt wurden, und einer in Wien, bei dem es um Behinderte ging. Anzeigen gibt es viel mehr. Bei den meisten Rechtshilfeersuchen aber, die aus westeuropäischen Ländern an die rumänischen und bulgarischen Behörden ergingen, hat sich der vermutete Hintergrund nicht bestätigt.

„Wir haben es mit einer hohen Dunkelziffer zu tun.“

Betteln mit Kindern ist überall verboten, und wenn es trotzdem stattfindet, spielt es sich seiner Natur nach in der Öffentlichkeit ab. Was als "Dunkelziffer" wahrgenommen wird, ist oft Fantasie. In Dortmund wurde die Polizei auf einen Fall aufmerksam gemacht: Erwachsene gingen mit je einem Kind in eine verdächtige Wohnung und kamen ohne Kind wieder heraus. Es handelte sich um einen Kindergeburtstag.

„Bettelei, Diebstähle und Prostitution sind meist organisiert, Hintermänner kassieren ab.“

Roma leben und arbeiten fast immer in Familienstrukturen. Diese Strukturen herrschen auch dann vor, wenn sie kriminell werden. Große "Clan-Chefs" jedenfalls, die Roma-Viertel "wie einen Staat regieren" würden, gibt es nicht.

„In Rumänien und Bulgarien leeren sich die Elendsviertel, bald sind alle hier.“

Wie viele der Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien Roma sind, kann niemand sagen, denn die ethnische Zugehörigkeit wird nicht erhoben. Zahlen aus westeuropäischen Städten lassen aber den Schluss zu, dass Roma etwa entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil migrieren. Besonders viele Roma finden sich unter Pendelmigranten, die im Sommer nach Westen gehen, mit Schrott handeln oder Gelegenheitsjobs suchen und den Winter wieder in Südosteuropa verbringen.

„Roma wollen nicht arbeiten.“

Die älteren unter den Roma hatten bis vor zwanzig Jahren meistens einen festen Job und verfügen oft über eine ordentliche Schulbildung. Die Arbeitslosigkeit unter ihnen hat sich erst verfestigt, als überall in der Region die Industrie zusammengebrochen ist. Die meisten Armutswanderer suchen Jobs auf dem Schwarzmarkt.

„Wenn Anfang 2014 Freizügigkeit für Arbeitnehmer herrscht, droht eine große Wanderungswelle.“

Auf dem ersten Arbeitsmarkt haben Roma wegen mangelnder Sprachkenntnisse und Ausbildung meist keine Chance. Fachkräfte wie Ärzte aus Rumänien dagegen bekommen schon heute problemlos eine Arbeitserlaubnis. Rumänien hat inzwischen die niedrigste Ärztedichte in Europa.

„Die Roma wollen sich nicht integrieren.“

In den 60er und 70er Jahren sind wohl Zehntausende Roma, vor allem aus Mazedonien und Serbien, als jugoslawische Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Sie teilen mit den anderen Zuwanderern aus Jugoslawien eine sehr hohe Integrationsbereitschaft.

„Roma wollen mit den "Gadsche", wie sie alle anderen nennen, nichts zu tun haben.“

Tatsächlich setzen sich manche Traditionalisten in Kleidung und Gebräuchen von der Mehrheit bewusst ab. Sie sind unter den Roma aber nur eine Minderheit. Unter den Armutswanderern, die sich in Abbruchhäusern niederlassen, sind gerade die traditionellen Familien so gut wie nicht vertreten.

„Roma spezialisieren sich auf Trick- und Einschleichdiebstähle.“

Es gibt tatsächlich einige Roma-Familien, die solche Delikte kultiviert haben und ihre Kniffe von Generation zu Generation weiterreichen. Sie sind nicht zahlreich, werden aber stark wahrgenommen, weil sie oft von Stadt zu Stadt ziehen. Vor allem die Trickdiebstähle erfordern gute Kenntnisse der Sprache und örtlichen Verhältnisse, Voraussetzungen, über die gerade die Armutswanderer in den seltensten Fällen verfügen.

„Wenn wir ihnen Sozialleistungen gewähren, nimmt die Armutswanderung noch zu.“

Das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber wenn wir ihnen keine Sozialleistungen gewähren, schaffen wir Slums. Mit Betteln kann man unter günstigen Bedingungen etwa 30 Euro pro Tag einnehmen, das ist immer noch das Doppelte des durchschnittlichen Tageslohns in Bulgarien. So schlecht, dass die Armen lieber im Lande bleiben, können wir die Bedingungen gar nicht gestalten.

„Wir müssen Druck auf Bulgarien und Rumänien ausüben.“

Mit Druck lässt die Armut sich nicht bekämpfen. Es fehlt an einem Konzept, in diesen Regionen Arbeitsplätze zu schaffen, und es fehlt das Geld, um die Infrastruktur aufrechtzuerhalten.

„Es kann kein Zufall sein, dass überall in Europa die Roma am untersten Ende der Gesellschaft leben.“

Ein Zufall ist es in der Tat nicht, aber es liegt auch nicht an der "Mentalität" oder kulturellen Prägungen. Das Problem ist vielmehr eine ererbte, verstetigte Armut, die nirgendwo leicht zu bekämpfen ist - zum Beispiel auch nicht bei den Schwarzen in den USA. Und eine jüngste Studie aus Manchester macht bei britischen Langzeitarbeitslosen exakt die „Lebensweisen“ und Verhaltensmuster aus, die wir für „typisch Roma“ halten.

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