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„Klimaschutzsiedlung“: Gigantischer Eiswürfel spendet Wärme

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Der Eisspeicher. 
In der Porzer „Klimaschutzsiedlung“ wird eine Anlage gebaut, welche die gesamte Siedlung mit Wärme versorgen soll. Doch damit nicht genug: Die Wärme wird ein gigantischer Eiswürfel produzieren.  Von
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Es hört sich paradox an: Wenn es draußen stürmt und schneit, sorgt ein gigantischer Eiswürfel dafür, dass es in der Wohnung mollig warm ist. Doch genau das geschieht in der „Klimaschutzsiedlung“ am Urbacher Weg in Porz, die im März bezugsfertig ist. In den 112 Wohnungen, die dort in vier Gebäuden entstehen, sorgt teils gefrorenes, teils flüssiges Wasser in einem 1,2 Millionen Liter fassenden unterirdischen Gemeinschaftstank dafür, dass in den Räumen niemand friert. Solar-Eis-Speicher-Heizung nennt sich diese neuartige Heizmethode, die sich die Energie zunutze macht, die entsteht, wenn Wasser den Aggregatzustand ändert. In Porz wird die größte Anlage dieser Art gebaut, die jemals eine Wohnsiedlung mit Wärme versorgt hat.

Das Ludwigsburger Unternehmen Isocal, das die noch junge Technik entwickelte, hat bislang etwa 25 ihrer Anlagen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz installiert. Obwohl die Wohnungen in Porz noch nicht ganz fertig sind, wurde die Heizung nun bereits in Betrieb genommen. Dazu wurde zunächst der 19 Meter lange, 14 Meter breite und 4,5 Meter hohe Erdtank – einmalig – mit herkömmlichem Leitungswasser gefüllt und das Wasser mit einem Kältemittel gefroren. Sobald das Wasser seinen Zustand von flüssig nach fest ändert, wird Energie frei, die eine Wärmepumpe in die Fußbodenheizung der Wohnungen leitet, die damit beheizt werden.

Ein Teil des Eises wird – durch die Wärme der Erde um den Tank herum, die aus den Wohnungen rückgeführte warme Abluft oder durch eine Solaranlage auf dem Dach der Häuser – angetaut. Wird dem Tank dann durchs Heizen Wärme entzogen, gefriert das Wasser wieder. So geht es immer weiter, der Energiekreislauf bleibt geschlossen. „Im Sommer kann das kalte Wasser im Tank außerdem zur Kühlung der Wohnungen benutzt werden“, sagt Rainer Schmalenberg von Isocal. Auch die Warmwasserbereitung wird über die Heizung erledigt, nur die Wärmepumpe brauche etwas Strom von außerhalb. Die Heizkosten ließen sich mit der Anlage gegenüber herkömmlichen Methoden um die Hälfte senken, erklärt Schmalenberg.

Als „Klimaschutzsiedlung“ anerkannt

Ein Fachmann robbt über das Eis im Erdtank.
Ein Fachmann robbt über das Eis im Erdtank.
Foto: Isocal

Damit aus dem Porzer Neubaugebiet die vom Land NRW anerkannte „Klimaschutzsiedlung“ wurde, hat Architekt Werner Wittkowski die Häuser besonders gut isolieren und mit Dreifachverglasung ausstatten lassen. „Außerdem sind die Ausrichtung der Gebäude und der Schattenwurf genau berechnet“, sagt er: Sie sind so auf dem Areal angeordnet, dass sie sich möglichst wenig die Sonne nehmen, um die Solaranlage optimal zu nutzen.

Der Bauherr, die Gelsenkirchener Firma Vivawest, investiert rund 20 Millionen Euro in den gesamten Gebäudekomplex. Das Unternehmen rechnet damit, dass sich die in der Anschaffung vergleichsweise teure Eisheizung in weniger als zehn Jahren amortisiert habe, sagt Ulrich Farwick, Projektentwickler bei Vivawest. In Zeiten steigender Energiepreise mache eine moderne Heizung wie diese die Wohnungen für potenzielle Mieter attraktiv, weiß Farwick. In Porz zahlen die künftigen Bewohner monatlich pauschal 53 Cent pro Quadratmeter für Heizen und Warmwasser – unabhängig davon, wie viel verbraucht wurde. „Eine Heizkostenabrechnung ist also nicht mehr nötig“, erklärt Farwick. Das Konzept findet offenbar Anklang. Seit zwei Monaten werden die Wohnungen am Urbacher Weg vermarktet, die Hälfte davon sind bereits vermietet.

Auch die Firma Isocal kann sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. In Köln zum Beispiel bekommt das Bauprojekt „Alter Nippeser Bahnhof“ ebenfalls die coole Heizung, außerdem habe das Erzbistum Köln angefragt, sagt Schmalenberg: Geplant sei, den Altenberger Dom per Solar-Eis-Speicher zu beheizen.

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