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Asylbewerber: Flüchtlinge sollen ins Hotel ziehen

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Ins Hotel Dürscheidt an der Kaiserstraße sollen noch vor Weihnachten 45 Asylbewerber einziehen. Foto: Roland Schriefer
In den nächsten zwei Jahren sollen in Urbach zwei neue Wohnheime für Asylbewerber gebaut werden. Bis dahin werden die 45 bis 66 Flüchtlinge im Hotel Dürscheidt untergebracht. Einige Porzer Bürger sind von beiden Plänen nicht begeistert.  Von
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Urbach

Noch vor Weihnachten sollen 45 Asylbewerber, die von der Stadt im Hotel Dürscheidt an der Kaiserstraße untergebracht werden, dort ankommen. Im Hotel wird zurzeit noch kräftig gewerkelt. "Wir wollen ja, dass sich die Asylbewerber bei uns wohlfühlen", sagt Jürgen Odenthal junior, der Geschäftsführer des Hotels. Jede Familie solle ausreichend Platz, eine eigene Küche und ein Bad bekommen. Im Keller ist eine Waschküche geplant, in der für jede Familie eine eigene Waschmaschine steht. "Wir bauen auch eine Spielecke für die Kinder", verspricht Odenthal.

Weniger euphorisch wird die Unterbringung der Asylbewerber von der Urbacher Bürgerschaft gesehen. Weil ihre Proteste über Stadtrat Henk van Benthem (CDU) auch ans Ohr von Stefan Ferber, Leiter des Amtes für Wohnungswesens, gedrungen waren, hatte er die Bürgerschaft kurzfristig zu einer Informationsveranstaltung ins Pfarrheim der Gemeinde St. Bartholomäus eingeladen. Dort standen er, Regina Plenz vom städtischen Wohnungsversorgungsbetrieb, Claus-Ulrich Prölß vom Förderverein Kölner Flüchtlingsrat und Moderator Andreas Sellner vom Diözesan Caritas-Verband rund etwa 75 aufgebrachten Bürgern Rede und Antwort.

Ein Stadtteil „auf der Kippe“

Urbach sei ein Stadtteil, der "auf der Kippe steht" wurde gesagt. Deshalb sei es unverantwortlich, dass ausgerechnet mitten im Zentrum Asylbewerber untergebracht werden sollten. "Wir haben jetzt schon Angst, abends noch auf die Straße zu gehen, klagte eine Anwohnerin. Es gebe regelrechte Einbruchserien und der Drogenhandel habe auch zugenommen. Dem widersprach ein Polizeibeamter. Urbach sei im Gegenteil aus polizeilicher Sicht sogar ein relativ ruhiger Stadtteil. Die Gemüter der anwesenden Urbacher ließen sich auch nicht von der Aussage Ferbers beruhigen, die Unterbringung der Asylbewerber im Hotel Dürscheidt sei schon alleine deshalb nur vorübergehend, weil es die teuerste aller Möglichkeiten sei. Wenn Hotelier Odenthal die Räume für viel Geld renoviere, dann doch wohl nur, weil er einen langfristigen Vertrag mit der Stadt habe, mutmaßte dagegen Thomas Diekmann, Präsident der Karnevalgesellschaft Urbacher Räuber. Sein Misstrauen konnte auch Ferber nicht zerstreuen, der entschieden von sich wies, dass die Stadt mit dem Hotelbetreiber irgendeinen Vertrag gemacht habe. Ein Datum, wie lange die Asylbewerber in Urbach bleiben würden, wollte er aber nicht nennen. "Das kann niemand seriös behaupten, denn wie viele Asylbewerber kommen, lässt sich nur erraten."

Auch über die Anzahl der im Hotel Dürscheidt untergebrachten Asylbewerber herrschte keine Klarheit. "Es kommen vor Weihnachten 45 Personen", sagte Plenz. Allerdings sei es möglich, auch 66 Personen dort unterzubringen.

„Gebt uns doch eine Chance“

Die Wogen glätten wollte Bürgeramtsleiter Norbert Becker. "Gebt uns doch eine Chance", bat er. Wenn es zu Übergriffen seitens der Asylbewerber komme, werde auch gehandelt, versprach er. Auf Beckers Bitte ließ sich zumindest van Benthem ein. "Wir schauen uns das vier Wochen lang an", sagte. Dann würde er wieder zu einer Bürgerversammlung einladen.

Hartnäckig hielt sich auch die Vermutung, die Hotelbetrieber hätten der Unterbringung aus rein finanziellen Gründen zugestimmt. "Die waren doch pleite", sagte van Benthem. Odenthal bestritt aber einen wirtschaftlichen Grund für die Umwandlung des Hotels in ein Asylbewerberheim. "Wir waren immer gut ausgelastet und gehörten zu den am besten bewerteten Hotels in Köln." Die Entscheidung sei vielmehr aus gesundheitlichen Gründen gefallen. Jürgen Odenthal senior hatte bislang die zum Hotel gehörende Gaststätte und den Biergarten bewirtschaftet. "Ich kann das nicht mehr", sagt er. Als dann die Anfrage der Stadt kam, habe sich sein Sohn entschieden, das Hotel aufzugeben und die Asylbewerber aufzunehmen.

Zwei neue Wohnheime

An der Unterbringung der Asylbewerber führe kein Weg vorbei, sagte Ferber. "Wir sind dazu gesetzlich verpflichtet und kommen ohne Hotelkapazitäten nicht mehr aus", sagt er. Er versicherte aber, dass die Stadt alles möglich unternehme, damit die Asylbewerber so kurz wie möglich in Hotels untergebracht werden. "Wir bauen zwei neue Wohnheime und wollen eine weitere Etage in der Herkulesstraße übernehmen." Er hofft, dass sich die Lage in ein bis zwei Jahren wieder entspannt hat. "Vorausgesetzt, es kommen nicht noch mehr Asylbewerber."

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