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Asylbewerberheim: Bürger-Einsatz gegen Extremisten

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Polizeilicher Körpereinsatz war kaum gefragt. Nur einmal mussten die Beamten linke Demonstranten auf den Bürgersteig zurückdrängen. Foto: Roland Schriefer
Eine Protestkundgebung von „Pro Köln“ gegen das Asylbewerberheim im Hotel Dürscheidt ist von linken Protestierern übertönt worden. Während dessen herrschte beim Willkommensfest in im Hotel großer Andrang.  Von
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Urbach

„Früh war es, kalt war es, am Arsch der Welt war es“, notierte Andreas Schmitt auf Facebook. Der Bonner Politikstudent war mit Genossen der Partei „Die Linke“ als Gegendemonstrant zur Kundgebung von „Pro Köln“ gekommen. Die rechtsextreme Gruppierung hatte zum Protest gegen das Asylbewerberheim aufgerufen, das jüngst im Hotel Dürscheidt eingerichtet worden war. Die Polizei war mit einer Hundertschaft angerückt, um Ausschreitungen zu verhindern. Ihr Fazit sowie das der Organisatoren des Willkommensfestes im Hotel selber, war am Ende ähnlich positiv, wenn auch nicht ganz so euphorisch wie das des Studenten. Denn der schrieb: „Es war saugut.“

Als erstes trafen morgens um 10 Uhr die linken Protestierer ein, darunter auch einige mit Halstuch oder Sturmhaube Maskierte. Eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei hielt sie beieinander und versorgte die Sprecher mit genauen Instruktionen.

Flüchtlinge sind willkommen

Demonstration gegen Pro Köln und Willkommensfest im Hotel Dürscheidt Urbach.
Demonstration gegen Pro Köln und Willkommensfest im Hotel Dürscheidt Urbach.
Foto: Roland Schriefer

Fast zeitgleich trudelten die ersten Gäste im Hotel Dürscheidt ein, um sich am Begrüßungsfest des Bündnisses „Willkommen in Porz“ zu beteiligen. Parteien, Kirchen und soziale Institutionen hatten sich darin zusammengetan, um einen Kontrapunkt zu setzen. Ziel war einerseits, eine Gegendemonstration zu verhindern. Die damit verbundene Polizeipräsenz hätte den Ortskern nahezu lahm gelegt. Gleichzeitig sollte ein machtvolles Zeichen dafür gesetzt werden, dass die Flüchtlinge willkommen sind.

Immerhin war bei einer Pressekonferenz im Vorfeld darauf verwiesen worden, dass es um keines der zehn Kölner Flüchtlingshotels so viel Wirbel gibt, wie um das Urbacher. Auch das Asylbewerberheim, das die Familie Dürscheidt in Wahn betreibt, hat nie Aufsehen erregt. „Die Nachbarn haben davon noch gar keine Notiz genommen“, sagte Jürgen Dürscheidt. Protestaktionen gebe es lediglich, wenn Heime neu gebaut werden, hieß es. Würden bestehende Gebäude umgewandelt, rege sich dagegen kein Widerstand.

Menschen in Not muss geholfen werden

Demonstration gegen Pro Köln und Willkommensfest im Hotel Dürscheidt Urbach.
Demonstration gegen Pro Köln und Willkommensfest im Hotel Dürscheidt Urbach.
Foto: Roland Schriefer

Gleichzeitig hatte Sylvia Laufenberg, Ratsmitglied der FDP, darauf hingewiesen, dass die im Hotel untergebrachten Flüchtlinge als solche anerkannt sind und sich im Verfahren um das Bleiberecht befinden. „Den Menschen in Not muss erst einmal geholfen werden“, ergänzte Christian Joisten, Sprecher des Bündnisses und Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksvertretung. „Ob sie bleiben dürfen oder nicht, entscheidet sich im Verlauf eines rechtsstaatlichen Verfahrens.“ Roma und Sinti seien immer noch eine Minderheit, die um ihr Leben fürchten müsse, berichtete er weiter und erzählte von Erlebnissen nach Ende des Kosovo-Krieges, als er für die Johanniter dort arbeitete. „Wir haben täglich Körper getöteter Roma und Sinti am Straßenrand liegen sehen.“

Für Irritationen hatte unterdessen die CDU gesorgt. Henk van Benthem, Ratsherr und Vorsitzender des Porzer CDU-Ortsverbands, hatte sich bei einer Bürgerinformations-Veranstaltung vehement gegen die Unterbringung der Asylbewerber im Hotel Dürscheidt ausgesprochen. Daraufhin wurde er von „Pro Köln“ als Redner bei der Kundgebung umworben. Van Benthem trat den Rückzug an und ist seither um Schadensbegrenzung bemüht. Ausdrücklich distanziert er sich von der rechtsextremen Gruppierung, besteht aber auf seinem Recht, seine Meinung äußern zu dürfen. Aber auch die Beteiligung der Christdemokraten am Begrüßungsfest hatte einen holprigen Start. Am Abend der Pressekonferenz war die CDU dem Bündnis noch nicht beigetreten. Da die Christdemokraten zeitgleich mit dem Begrüßungsfest ihren Neujahrsempfang im nahe gelegenen Stadtgymnasium abhielten, sollte eigentlich auch kein Vertreter entsandt werden. Hartmut Achten, stellvertretender Bürgermeister, nahm allerdings dann doch teil.

Nur 21 Rechtsextreme

Bis vor die Türe standen die Gäste des Begrüßungsfestes im Hotel Dürscheidt.
Bis vor die Türe standen die Gäste des Begrüßungsfestes im Hotel Dürscheidt.
Foto: Roland Schriefer

Während im Hotel die Gäste schon dicht an dicht standen, versammelten sich auch die Teilnehmer der Kundgebung von „Pro Köln“. Obwohl landesweit eingeladen worden war, fanden sich gerade mal 21 Rechtsextreme ein. Sie wollten eigentlich drei Stunden ausharren, zogen aber bereits nach der Hälfte der Zeit ab. Die Beamten der Einsatzhundertschaft schirmten sie ebenso ab, wie sie die linken Protestierer auf ihrer Straßenseite hielten. Nur einmal musste die Woge der Gegendemonstranten zurückgeschoben werden, weil sie auf die Straße drängten. Ansonsten bekamen die Polizisten wenig zu tun. Steffen Mielke, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Südost, zeigte sich zufrieden. „Unsere Strategie ist aufgegangen.“ Abgesehen von ein paar Rempeleien habe es lediglich einen „demokratischen Meinungsaustausch“ gegeben. Der allerdings war lautstark, bemühten sich doch die linken Protestierer, die Parolen der Rechtsextremen zu übertönen, was ihnen weitgehend gelang.

Am Ende des Tages zogen auch die Organisatoren der Willkommensfeier eine positive Bilanz. Sie zeigten sich nicht nur erfreut darüber, dass nun auch die CDU im Boot war. Zudem waren zahlreiche Spielsachen- und Kleiderspenden für die Flüchtlinge eingegangen, die sich nach und nach auch unter die Feiernden gemischt hatten.

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