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Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: In Porz für die Zukunft forschen

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Abendstimmung über der neuen Forschungseinrichtung ":envihab", die im Sommer fertiggestellt werden soll. Foto: DLR
Mit Spannung erwartet der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Porz, Johann-Dietrich Wörner, die Fertigstellung zweier Großprojekte. Auch in Zukunft will das Unternehmen am Kölner Standort wachsen und forschen.
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Herr Wörner, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) plant zahlreiche neue Projekte in diesem Jahr. Welche konkreten Vorhaben sind am Standort Porz vorgesehen?

Johann-Dietrich Wörner: In diesem Jahr haben wir zwei große Themen, die wir am Standort Porz weiter vorantreiben möchten. Da wäre zunächst das Projekt "CeraStorE", das sich vor allem mit der Energiespeicherung auf Basis keramischer Werkstoffe beschäftigt. Gerade in Zeiten der Energiewende ist es wichtig zu erforschen, wie Wärme möglichst langfristig gespeichert werden kann, wie man den Wirkungsgrad solcher Anlagen erhöht. In diesem DLR-Kompetenzzentrum werden in den nächsten Jahren mehr als 40 Arbeitsplätze entstehen.

Und das zweite?

Wörner: Das zweite Projekt nennt sich ":envihab". Bereits seit September 2009 laufen die Bauarbeiten, in diesem Jahr folgt die Fertigstellung. Es handelt sich dabei um eine medizinische Forschungsanlage auf international höchstem Niveau, in der die Wirkung von Umweltbedingungen auf den Menschen und mögliche Gegenmaßnahmen erforscht werden. Dies kann sowohl das Leben im Weltall betreffen, aber auch die Wirkung von Fluglärm auf den Menschen - ein Thema was hier in Porz ja immer wieder für Wirbel sorgt. Beide Projekte sollen in diesem Jahr eingeweiht werden.

DLR wächst von Jahr zu Jahr

Aufbau der Anlagen für das CeraStorE-Projekt
Aufbau der Anlagen für das "CeraStorE"-Projekt
Foto: Privat

Das DLR wächst von Jahr zu Jahr - mittlerweile gibt es mehr als 15 Standorte in ganz Deutschland. Welche Bedeutung hat da der Standort in Porz?

Wörner: Porz ist die Zentrale des DLR, quasi das Gehirn unseres Unternehmens. Ich vergleiche das DLR gerne mit einer Kette, in der jeder Standort ein wichtiger Baustein ist. Die Kompetenzen der einzelnen Standorte werden gebündelt, so dass wir am Ende ein DLR repräsentieren. Mit den Themengebieten Energie, Medizin, Werkstoffforschung und Triebwerksentwicklung leistet der Standort Porz dazu einen wichtigen Beitrag. Das DLR ohne Porz würde nicht funktionieren.

Besteht für Porz dennoch ein Risiko, dass es immer schwieriger wird, sich gegen die anderen Standorte durchzusetzen?

Wörner: Nein, diese Gefahr besteht absolut nicht. Wir versuchen, so wenig internen Wettbewerb wie möglich zu schaffen. Schließlich ist die Konkurrenz durch andere Unternehmen und Forschungseinrichtungen auch so schon groß genug. Da hilft es uns nicht, wenn wir uns gegenseitig auch noch unter Druck setzen. Jeder Standort weiß um seine Bedeutung.

Entwicklung der Luft- und Raumfahrt

Johann-Dietrich Wörner
Johann-Dietrich Wörner
Foto: Privat

Die Themen Luft- und Raumfahrt haben im DLR einen Schwerpunkt von ungefähr 80 Prozent. Welche Faktoren werden in den kommenden Jahren wichtig sein?

Wörner: Bei der Luftfahrt werden insbesondere die Faktoren Sicherheit, Emissionen und Effizienz weiterhin eine große Rolle spielen. Vor allem das Thema Fluglärm wird sowohl für die Luftfahrtunternehmen, als auch für die Bevölkerung immer wichtiger. Wir vom DLR wollen dazu beitragen, diesen Konflikt zu minimieren, in dem wir nicht nur an leiseren Triebwerken arbeiten, sondern auch das Flugzeugdesign weiter optimieren.

Wie wird sich die Raumfahrt entwickeln?

Wörner: Früher drehte sich bei der Raumfahrt alles nur um das Prestige, heute geht es vielmehr um die Infrastruktur. Man stelle sich mal vor, unsere hochmoderne Welt müsste einen Tag ohne Kommunikations- oder Navigationssatelliten auskommen. Das Chaos wäre nicht auszumalen. Schließlich zählen Satelliten ebenfalls zur Raumfahrt. Daran lässt sich erkennen, dass die Raumfahrt schon lange kein Nebenschauplatz mehr ist, sondern einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft liefert.

Also sind Projekte wie eine Mondbasis oder die Marslandung mehr Wunsch als Realität?

Wörner: Natürlich werden die Menschen versuchen, den Mars zu besuchen. Alles andere würde auch gegen unsere Abenteuerlust und Neugier sprechen. Aber wir stellen andere Projekte in den Vordergrund, die deutlich wichtiger sind. Eine gute Idee ist mit keinem Geld der Welt zu ersetzen.

Das Gespräch führte Michael Heeg

Zur Person: Dr. Johann-Dietrich Wörner
Johann-Dietrich Wörner
Foto: Privat

Professor Dr. Johann-Dietrich Wörner ist am 18. Juli 1954 in Kassel geboren. Seit März 2007 ist er Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR).

Von 1995 bis 2007 leitete Wörner die Technische Universität (TU) in Darmstadt. Er erreichte für die TU eine einzigartige Unabhängigkeit. Seit 2005 ist die TU die erste autonome Universität in Deutschland.

Außerdem ist er seit Februar 2011 Schlichter für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21.

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