Porz
Poll, Westhoven, Ensen, Gremberghoven, Eil, Porz, Urbach, Elsdorf, Grengel, Wahnheide, Wahn, Lind, Libur, Zündorf, Langel, Finkenberg

Vorlesen
4 Kommentare

Heizen mit Kohle: Hauptsache, es qualmt

Erstellt
... und beim „Nachladen“ in seinem Klüttenkeller Foto: Grönert
Peter Krebs heizt nach wie vor mit Kohle, und das will er auch nicht aufgeben, so lange er lebt. Der regelmäßige Gang in seinen Kohlenkeller halte ihn fit, sagt der 76-Jährige. Der Kanonenofen gibt eine ganz besondere Wärme ab.  Von
Drucken per Mail
Porz

Peter Krebs lässt sich nicht gern vorschreiben, wie er zu leben hat. „Ich lasse mir das nicht verbieten“, sagt er und zündet sich die nächste Zigarette an. „Das genauso wenig wie das mit den Kohlen ...“ Er heizt mit Kohle, während andere Nachbarn längst eine Heizung haben einbauen lassen.

Hauptsache, es qualmt. So könnte sein Lebensmotto lauten. Und mit beidem lebe er seit langer Zeit ganz gut, sagt er ein bisschen trotzig. „Ich werd' im Februar 77 – und keins von beidem hat mir bis jetzt geschadet.“ Das Gegenteil sei der Fall, behauptet er.

Peter Krebs beim Anfeuern seines Allesbrenners...
Peter Krebs beim Anfeuern seines Allesbrenners...
Foto: Grönert

Der gelernte Autoschlosser, ehemalige Sachbearbeiter bei der Dresdner Bank und leidenschaftliche Karnevalist hat sich noch nie beklagt, wenn er mit seiner Kohlenschütte wieder zwei Stockwerke hinunter durch den Altbau in Poll, in dem er wohnt, bis in den Keller laufen muss, um sich wieder fünf Kilo Nachschub von dem Brennstoff zu holen. „Das hält mich jung.“

Als Kind ging er – wie viele Kölner nach dem Zweiten Weltkrieg – „Klütten klauen“ am Bahndamm Moselstraße, wo er mit seiner Familie ohne jede Isolierung direkt unter dem Dach lebte, durch das es auch noch hineinregnete. „Da war es eisig kalt.“ Der Kanonenofen war ihre Rettung.

Heute ist es in seiner Wohnung so mollig, dass sich jeder Besuch sofort seiner Strickjacke entledigt. „Jeder, der eine Heizung hat, schwärmt, was das für eine tolle Wärme sei“, sagt Krebs und fordert zum Berühren der dicken, lauwarmen, tapezierten Wände auf. „Fühl'n Se mal hier. Und das ist bereits das Sparprogramm. Bis eben hatte ich noch die Fenster auf.“

„Damit habe ich bis Januar Ruhe.“

Mit Briketts kommt er nicht zurecht. „Da ist die Verschlackung viel zu groß.“ Die Extrazit-Eierkohlen, die ihm sein Brennstoffhändler liefert, verbrennen nahezu rückstandslos in seinem sechs Zentner schweren Kachelofen, den er „nach der Ölkrise“ für 6500 Deutsche Mark kaufte. „Der frisst alles.“ Was bleibt, ist Asche. „Und die benutze ich als Streumittel.“ 40 Zentner Kohle braucht Krebs pro Jahr, wenn der Winter sehr lang und sehr kalt ist. 15 liegen schon im Keller. „Damit habe ich bis Januar Ruhe.“

Ein Zentner kostet 24 Euro. Als die Ware noch aus dem Ruhrgebiet kam, war es noch günstiger. „Aber die Zechen sind ja jetzt alle Museen“, sagt er. „Und jetzt müssen wir unsere Kohlen teuer in England kaufen“, schimpft Krebs über aus seiner Sicht kurzsichtige politische Entscheidungen. Und doch bleibt er bei seinen Klütten. „Ich werde das nicht aufgeben, so lange ich lebe.“

Auch interessant
KVB Fahrplan
Start
Ziel
Datum
Zeit
 
Videos
FACEBOOK
Blog
Digitale Themen
Das Logo von Rheinklick

Mini-Coding-Schulungen, Analysen oder Veranstaltungen, hier geht es um Themen rund um die digitale (Kölner) Szene.

Weitere Serien
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!