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Kinderbetreuung: Zu wenig Plätze für unter Dreijährige

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Peter Lemke möchte sein Elternhaus für eine Großtagespflegestelle zur Verfügung stellen, findet aber keine Betreiber.  Foto: Roland Schriefer
Um Familie mit dem Beruf vereinen zu können, fehlen vielen Eltern Betreuungsmöglichkeiten für ihren Nachwuchs. Zwar gibt es verschiedene Modelle, aber die Plätze reichen trotz Förderung der Stadt noch immer nicht für alle.  Von
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Urbach

Wo kann ich mein Kind betreuen lassen, fragen sich immer mehr Eltern, die weder die Familie noch ihren Beruf vernachlässigen wollen. Zwar hat der Gesetzgeber die Kommunen verpflichtet, ab August für alle Kinder nach Vollendung des ersten Lebensjahres einen Platz in einer Tageseinrichtung bereitzustellen. Es werden auch Anstrengungen unternommen, diesen Rechtsanspruch zumindest zum Teil zu erfüllen. Zum Stichtag möchte die Stadt für 38 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen können.

In Porz wird an dieser Zielsetzung kräftig gearbeitet. An der Glashüttenstraße entsteht zum Beispiel eine neue Einrichtung für sechs Kindergartengruppen. Mehr noch als auf neue Kindergärten setzt die Stadt aber auf Tagesmütter. In Kindertagesstätten sollen im gesamten Stadtgebiet nur 441 neue Plätze geschaffen werden, bei Tagesmüttern dagegen 1349.

Träger gesucht

Von diesem Bedarfsplan hat auch Peter Lemke aus Urbach gehört. Im vergangenen Jahr hat er daher alle Auflagen der Stadt erfüllt, um im Erdgeschoss seines Elternhauses am Zedernweg eine Großtagespflegestelle mit zwei bis drei Tageseltern für bis zu neun Kinder einzurichten. Doch bislang ist niemand bereit, dort auch Kinder zu betreuen. "Ich finde keinen Träger für eine Großtagespflege", sagt er. Er müsste es also selber machen. Dafür hat er den Verein "Porzer Pänz" gegründet, der aber noch auf seine Eintragung ins Vereinsregister wartet. "Erst muss klar sein, dass ich den Verein als Träger auch brauche." Lieber wäre es ihm allerdings, wenn er sein Haus an Pflegeeltern oder einen Träger wie Köln Kitas oder das Deutsche Rote Kreuz vermieten könnte.

Vom 1. August an sollen mehr als einhundert Kinder in der neuen Kindertagesstätte an der Glashüttenstraße betreut werden.
Vom 1. August an sollen mehr als einhundert Kinder in der neuen Kindertagesstätte an der Glashüttenstraße betreut werden.
Foto: Roland Schriefer

Es sieht so aus, als würde Lemke auf den bunten Bällen, die er schon für die Kinder angeschafft hat, sitzen bleiben. Denn bislang hat sich noch niemand auf seine Inserate gemeldet, in denen er sein Elternhaus für eine Großtagespflegestelle angeboten hat. "Drei Wochen gebe ich mir noch", sagt er, "dann lege ich das Projekt zu den Akten und vermiete mein Haus an ein Unternehmen als Büro."

Die Chancen für eine Großtagespflegestelle in Urbach seien nicht rosig, weil es nur ganz wenige Anfragen aus diesem Stadtteil gebe, bedauert Claudia Sommerberg von der Kontaktstelle Kindertagespflege Köln. "Möglicherweise liegt das daran, dass die Tagespflege im Vergleich zur Unterbringung in Kindergärten für die Eltern deutlich teurer ist. Die Stadt zahlt pro Kind und Stunde 3,50 Euro", rechnet sie vor. Tageseltern würden in der Regel aber fünf bis sieben Euro pro Stunde verlangen. "Die Differenz muss von den Eltern aufgebracht werden, und da kommt schon eine ordentliche Summe zusammen."

Alternative Großtagespflege

Die Stadt bewirbt die Kindertagespflege als besonders geeignet für sehr junge Kinder, weil diese eine familienähnliche, individuelle Betreuung erhalten würden. Das sei auch interessant für kleinere und mittlere Unternehmen, die keine Chance haben, einen Betriebskindergarten einzurichten. "In solchen Fällen kann die eigene Großtagespflege ein Mittel sein, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen."

Auch für Tagespflegeeltern sieht die Stadt Vorteile bei dem Modell der Großtagespflege. "Die angemieteten Räume dienen nur der Kindertagespflege und können daher besonders kindgerecht eingerichtet und gestaltet werden." Außerdem sei eine Großtagespflegestelle für Tageseltern finanziell interessant, da ein Zuschuss für Investitionen beantragt werden kann. Außerdem gewährt die Stadt für die Dauer von fünf Jahren einen Mietkostenzuschuss in Höhe von bis zu 13 Euro pro Quadratmeter.

Das gelte aber nur für neu eingerichtete Pflegestellen, sei ihm mitgeteilt worden, sagt Lemke. Deshalb sei eine Tagesmutter, die bislang Kinder bei sich zu Hause betreut, auch wieder abgesprungen. "Wenn sie nämlich keinen Mietzuschuss erhält, rechnet sich ein Umzug für sie nicht."

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