Porz
Poll, Westhoven, Ensen, Gremberghoven, Eil, Porz, Urbach, Elsdorf, Grengel, Wahnheide, Wahn, Lind, Libur, Zündorf, Langel, Finkenberg

Vorlesen
0 Kommentare

Lessing-Gymnasium: Sorge um Partnerschule in Mali

Erstellt
Rund 240 Schüler besuchen derzeit die Schule in Lougourougoumbou, die Mitte der 1990er Jahre gebaut wurde. Foto: KStS/Privat
Die Schüler und Lehrer des Lessing-Gymnasiums in Zündorf machen sich Sorgen um ihre Partnerschule in Mali. Seit Beginn des Konflikts mit islamistischen Rebellen leben die Menschen dort in Angst vor Krieg und Hunger.  Von
Drucken per Mail
Zündorf

Mali gehört zur Zeit zu den Krisenherden dieser Welt. Seit Deutschland im Kampf gegen die islamistischen Rebellen Unterstützung zugesagt hat, ist der westafrikanische Staat auch in der Bundesrepublik vermehrt ins Blickfeld geraten. Große Sorgen machen sich auch die Lehrer und Schüler des Lessing-Gymnasiums. Sie haben einen besonderen Bezug zu dem Land, denn im Dorf Lougourougoumbou, ganz in der Nähe der Stadt Bandiagara, befindet sich die Partnerschule des Lessing-Gymnasiums. Somit liegt das Dorf, das im Osten von Mali zum Dogonland gehört, in unmittelbarer Nähe zu dem Gebiet, das islamistische Rebellen bereits eingenommen haben.

Hier befindet sich die Partnerschule in Mali.
Hier befindet sich die Partnerschule in Mali.
Foto: KStA-Grafik

„Noch gehört das Dogonland zum freien Teil Malis, aber die Bedrohung ist akut: Die Islamisten sind wirklich sehr nah an die Region herangerückt“, schildert Klaus Harnacke. Er und sein Kollege Jürgen Piepenbrock sind die Initiatoren des Mali-Projekts am Lessing-Gymnasium und stehen in regelmäßigem Kontakt zu ihren Freunden aus Mali, um sich nach den aktuellen Entwicklungen zu erkundigen. Einer dieser Freunde ist Hablo Bâ, der eine Grundschule in Bandiagara leitete und sich bis zum Ausbruch der Krise politisch für die Demokratie engagierte. „Laut Hablo Bâ geht das öffentliche Leben nur unter Mühen weiter und ist von der Angst um die eigene Existenz geprägt“, erläutert Harnacke. Die Einwohner fürchten sich nicht nur vor der äußeren Bedrohung, sondern auch vor einem Mangel an Nahrungsmitteln. „Die Menschen finden sich nicht mehr in Gruppen auf dem Markt ein, weil sie Angst vor Bombenanschlägen der Islamisten haben“, sagt Harnacke.

Preise für Hirse verdoppelt

2010 reisten die beiden Lehrer Klaus Harnacke (unten links) und Jürgen Piepenbrock (Mitte) nach Mali.
2010 reisten die beiden Lehrer Klaus Harnacke (unten links) und Jürgen Piepenbrock (Mitte) nach Mali.
Foto: KStA/Privat

Außerdem sei der Preis für Getreide in die Höhe geschossen, so dass ein Sack Hirse derzeit 30 Euro kostet. Somit haben sich die Preise laut Harnacke mehr als verdoppelt. Erschwert werde die Lage durch die Flüchtlingsströme. „Im Moment sind 700 000 Flüchtlinge aus dem Norden unterwegs, von denen die Mehrheit Familien innerhalb von Mali aufsucht“, so der Französischlehrer. „Zu Familien, die sonst aus zehn bis 15 Personen bestehen, gehören plötzlich 30 bis 40 Menschen, die alle versorgt werden müssen.“ Eine positive Nachricht können Harnacke und der Erdkunde- und Lateinlehrer Piepenbrock jedoch vermelden: „Der Unterricht in der Partnerschule läuft nach wie vor weiter.“ Das Lessing-Gymnasium finanziert unter anderem die Gehälter von zwei Lehrern in Lougourougoumbou mit 100 Euro im Monat. „Allerdings hat uns Hablo Bâ erzählt, dass die Einwohner derzeit keinen Zugang zu den Banken haben – wir können zwar das Geld schicken, es ist aber nicht abrufbar, weil auch dort Angst vor Überfällen herrscht“, erklärt Harnacke.

Keine Unterstützung für Islamisten

In solchen Hütten wird Hirse gespeichert, deren Preis seit dem Ausbruch der Krise stark gestiegen ist.
In solchen Hütten wird Hirse gespeichert, deren Preis seit dem Ausbruch der Krise stark gestiegen ist.
Foto: KStA/Privat

Piepenbrock und Harnacke überlegen, im Lessing-Gymnasium eine zusätzliche Hilfsaktion ins Leben zu rufen. „Zum einen wollen wir den Menschen konkret helfen, indem jeder Schüler zum Beispiel einen Euro für einen Sack Hirse zahlt“, sagt Harnacke. „Zum anderen wollen wir bei den Schülern ein Bewusstsein für die Situation der Menschen dort schaffen.“ Was die Zukunft betrifft, äußern die beiden Lehrer vorsichtige Zuversicht. „Bisher sieht es so aus, als könnten die islamistischen Rebellen nach Norden zurückgedrängt werden“, meint Piepenbrock. „Das wäre eine große Erleichterung für die Menschen aus dem Dogonland.“ Laut Bâ seien auch dessen Einwohner positiv gestimmt und seien froh über die Unterstützung der französischen Soldaten. „Rund 95 Prozent der Menschen in Mali sind Moslems, aber Hablo Bâ hat uns erzählt, dass die islamistischen Rebellen dort überhaupt keine Unterstützung erhalten – niemand will, dass sich die extremen Glaubensrichtungen ausbreiten“, schildert Harnacke.

Die Landschaft in Mali ist faszinierend schön.
Die Landschaft in Mali ist faszinierend schön.
Foto: KStA/Privat

2010 reisten er und Piepenbrock anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Partnerschule zum zweiten Mal nach Mali und besuchten nicht nur Lougourougoumbou, sondern auch umliegende Dörfer und Städte. „Wir sind froh, dass wir nochmal da waren, denn es ist überhaupt nicht absehbar, wann man als Weißer wieder in die Region einreisen darf“, so Harnacke.

Finanzielle Unterstützung für Mali

Die Idee des Projekts „Schüler des Lessing-Gymnasiums helfen Schülern in Mali“ entstand 1994 über einen ehemaligen Gymnasiasten, der die Bildungssituation in Mali kennenlernte. Schüler, Lehrer und Eltern sammelten damals in verschiedenen Aktionen rund 50 000 Mark für den Bau einer Schule mit drei Klassen.

Mittlerweile besteht die Partnerschule aus sechs Klassen mit jeweils rund 40 Schülern. Um das Projekt Mali langfristig zu unterstützen, wurde 2009 eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Lessing-Gymnasiums installiert. Der Erlös aus der Stromeinspeisung fließt über den Verein „Sonne für Mali“ der Schule zu. (nc)

Auch interessant
KVB Fahrplan
Start
Ziel
Datum
Zeit
 
Videos
FACEBOOK
Blog
Digitale Themen
Das Logo von Rheinklick

Mini-Coding-Schulungen, Analysen oder Veranstaltungen, hier geht es um Themen rund um die digitale (Kölner) Szene.

Weitere Serien
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!