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Mieterinitiative: Zusammen erfolgreich

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Beim Stadtteilfest in den Straßen von Gremberghoven. Foto: Roland Schriefer
Fehlende Briefkästen, Wasserschäden und andere Mängel an den Häusern in Finkenberg führten dazu, dass sich die Mieter mit Hilfe eines Sozialraumkoordinators zum Protest „Demo wehrt sich" zusammenschlossen. Gemeinsam konnten sie ihre Mietbedingungen verändern.  Von
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Finkenberg

Der Befund seiner ärztlichen Untersuchung in der Universitätsklinik sollte Victor Abraham per Post zugeschickt werden. Normalerweise ist das kein Problem. Wenn man aber wie Abraham in Finkenberg in der Konrad-Adenauer-Straße wohnt, kann es schon eines sein. Denn im Haus des russischstämmigen Juden gibt es keine Briefkästen mehr. „Als das Treppenhaus renoviert wurde, sind die Briefkästen alle abmontiert und einfach in den Keller geworfen worden“, klagt der Senior.

Weil das in Finkenberg kein Einzelfall ist, hat sich Abraham an Ratsfrau Monika Möller gewandt. Sie hat Kontakt zum Sozialraumkoordinator aufgenommen und mit ihm die Mieterinitiative „Gemeinsam sind wir stark – das Demo wehrt sich“ gegründet. Demo wird Kölns jüngster Stadtteil Finkenberg genannt, weil er in den 60er Jahren als Demonstrationsbauvorhaben mit einer Bebauung aus Hoch-, Reihen, und Einfamilienhäusern geplant wurde. „Nur gemeinsam können wir Druck auf den Vermieter ausüben, endlich die fälligen Reparaturen vorzunehmen“, sagt Möller.

Zunächst Zurückhaltung und Misstrauen

„Aussicht auf Erfolg gibt es nur, wenn sich möglichst viele Mieter wehren“, weiß auch Sozialraumkoordinator Jürgen Auth. Er hat deshalb ein Treffen der Mieter im Bürgerzentrum mit einem Rechtsanwalt und Dolmetschern organisiert, denn die meisten der Betroffenen sind Russlanddeutsche und jüdische Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Dolmetscher kamen vor allem aus dem Begegnungszentrum der Synagogengemeinde.

Kein schöner Anblick: Der Wasserschaden in der Wohnung von Frau Ahmad in Finkenberg in der Konrad-Adenauer-Straße. Foto: Schriefer

Auth habe sie um Hilfe gebeten, sagt Stella Shcherbatova, die Leiterin der Synagogengemeinde, weil sie schon seit längerem russischsprachige Mieter berate. Allerdings sei die Zurückhaltung anfangs sehr groß gewesen. „Die Menschen aus Russland kennen sich mit den demokratischen und behördlichen Wegen hier nicht aus“, sagt Shcherbatova. „Sie haben Angst und waren deshalb sehr misstrauisch.“ Ebenfalls geholfen haben Mitglieder des Theater „Der Spaß“, einer Initiative mit Kindern und Jugendlichen, die von Raissa Myachkova geleitet wird. Sie halfen den Mietern auch beim Ausfüllen der notwendigen Formulare.

Mietminderungen durchgesetzt

In vielen Gesprächen sei es schließlich gelungen, die Mieter davon zu überzeugen, dass sie sich wehren müssen. „Der Mietertreff im Bürgerzentrum ist eine echte Erfolgsgeschichte geworden“, freut sich Auth. Bisher hätten sich mehr als 350 Betroffene beraten lassen und schließlich die Miete gemindert. „Wenn das so viele Bewohner machen, tut es dem Vermieter schon weh“, hofft der Sozialraumkoordinator.

Für die Mieter sei die Initiative „Demo wehrt sich“ ein Geschenk, sagt Shcherbatova. Denn sie hätten für die Beratung und den Anwalt nichts bezahlen müssen. „Die Kosten hat ja das Sozialamt übernommen.“ Es ist auch eine Erfolgsgeschichte für das Konzept der Sozialraumkoordination. „Wir haben wirklich viele einbinden können, die Synagogengemeinde, das Bürgerzentrum, Kommunalpolitiker und freiwillige Helfer. So sollte Sozialraumkoordination aussehen“, freut sich Auth.

Der Sozialraum, den er betreut, reicht aber weit über den Stadtteil Finkenberg hinaus. Sein Büro liegt im angrenzenden Gremberghoven, in dem zwar weniger Arbeitslose leben als in Finkenberg, in dem die Probleme aber keineswegs geringer sind. Hier konnte mit seiner Hilfe ein Jugendtreff eingerichtet werden, der von der gemeinnützigen Gesellschaft Rheinflanke betreut wird. „Wir haben ein mittlerweile gut funktionierendes Netzwerk geschaffen. Es wäre fatal, wenn diese Strukturen zerschlagen würden.“

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