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Selbstversuch: Mit dem Fahrrad in den Gegenverkehr

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In der Mühlenstraße kann es für den Fahrradfahrer bei Gegenverkehr ganz schön eng werden. Foto: Roland Schriefer
Radfahrer sollen bald immer mehr Einbahnstraßen im Stadtgebiet in beide Richtungen befahren dürfen. Kölner Stadt-Anzeiger-Mitarbeiterin Jennifer Stötzel hat den Selbstversuch gewagt und ist mit dem Rad gegen die Einbahnstraße gefahren.  Von
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Genervt wirft die Autofahrerin einen kurzen Blick auf das Rad und den geringen Abstand zwischen ihrem Kotflügel und dem dünnen Reifen. Gleichzeitig wirkt sie leicht irritiert, dass ihr überhaupt ein Radfahrer entgegenkommt; schließlich befindet sie sich auf der Mühlenstraße, die eine Einbahnstraße ist. Doch an diese Gegebenheiten müssen sich die Autofahrer gewöhnen, denn die Stadt will so viele Einbahnstraßen wie möglich für den Radverkehr öffnen. Das bedeutet, dass Autos und Lkw weiterhin nur in eine, die Radfahrer allerdings in beide Richtungen fahren dürfen. In der nächsten Zeit werden im gesamten Porzer Bezirk neben den bereits für Radler offenen Straßen weitere 29 Einbahnstraßen für den Radverkehr in beide Richtungen zugänglich gemacht. Für die Autofahrer wird das durch entsprechende „Rad frei“-Schilder gekennzeichnet.

Einbahnstraßen in Porz

Die Autofahrerin hat es jedoch offensichtlich eilig und entsprechend keine Lust, auf einen Radfahrer Rücksicht zu nehmen. „Das muss sich ändern“, sagt Peter Lemke vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik. Er gehört zudem zum Fahrradbeauftragten-Team der Stadtverwaltung. „Zur Zeit werden in ganz Köln die Einbahnstraßen überprüft, ob sie geöffnet werden können“, so Lemke. „Langfristig soll es für alle Verkehrsteilnehmer selbstverständlich werden, dass Radfahrer gegen die Einbahnstraße fahren.“

Nur in Tempo-30-Zonen

Bei den Überprüfungen stehen verschiedene Kriterien zur Verfügung, an denen gemessen wird, ob dieser ambitionierte Plan umgesetzt werden kann. Zunächst dürfen in der jeweiligen Straße nur 30 Stundenkilometer gefahren werden. Zudem muss die Straße übersichtlich sein und der Radfahrer muss gut in die Straße hinein und wieder hinaus fahren können – ohne Sichtbehinderungen oder ähnliche Einschränkungen. Ein weiteres Kriterium ist, dass die Straße zwischen den parkenden Autos überwiegend eine Breite von rund drei Metern aufweisen muss. „Das muss nicht zentimetergenau sein, aber wenn die Fahrbahn einmal ein Stück enger ist, dann müssen wir dafür sorgen, dass gleichzeitig Ausweichmöglichkeiten für die Verkehrsteilnehmer bestehen“, so Lemke. Zur Not müssten auch Parkplätze weichen.

Einbahnstraßen wie hier an der Ecke Gilgaustraße, Hohe Straße sollen für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet werden.
Einbahnstraßen wie hier an der Ecke Gilgaustraße, Hohe Straße sollen für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet werden.
Foto: Michael Heeg

Für viele Radfahrer erscheint das vorteilhaft: endlich legal „gegen“ die Einbahnstraße fahren. So werden Umwege gespart. Doch diese neue Regelung birgt auch einige Gefahren – vor allem für die Nutzer der Zweiräder.

Beispiel Mühlenstraße: Dort dürfen die Autofahrer zwar nur 30 Studentenkilometer fahren, allerdings wird oft noch der Schwung von der Hauptstraße mit hinein genommen. Sobald ein Radfahrer gegen die „normale“ Fahrtrichtung unterwegs ist und sich auf der Höhe von zwei geparkten Autos befindet, müssen er und der ihm entgegenkommende Autofahrer langsamer fahren, um sich nicht zu berühren. Für geübte Radler ist die Situation kaum problematisch, doch für Kinder oder Senioren, deren Räder womöglich noch mit Einkaufstaschen bepackt sind, kann diese Begegnung auch eine Gefahr darstellen.

Rücksichtnahme ist wichtig

Dieser Möglichkeit ist sich Peter Lemke bewusst. Die Öffnung der Einbahnstraße und die damit verbundene Machbarkeitsprüfung sei das eine. „Doch das ersetzt nicht die gegenseitige Rücksichtnahme“, so Lemke. Auf einer „normalen“ Straße, wo Autos in beide Richtungen fahren dürfen, müssen Autofahrer auch oftmals anhalten und einen Entgegenkommenden vorbei lassen. „Das ist nun auch hier zwischen Auto- und Radfahrer der Fall“, sagt Lemke.

Nächstes Beispiel Oberstraße: Richtung Rheinufer dürfen auch hier Radfahrer gegen die Einbahnstraße fahren. Allerdings ist die Oberstraße an den meisten Stellen überaus breit. Nur wenn ein größerer Pkw oder Transporter an der Seite parkt, ist erhöhte Vorsicht geboten. Zusätzlich fahren hier viel weniger Autos als im Porzer Zentrum.

Noch eindeutiger ist es in kleinen Seitenstraßen wie „Im Lochgarten“ in Wahn. Die Straße ist kaum befahren, weshalb hier viele problemlos das Privileg genießen, gegen die Einbahnstraße zu fahren. „Ich finde das sehr praktisch“, sagt ein Radfahrer, der mit Obstkörben beladen durch das Wohngebiet fährt. „Schlechte Erfahrungen habe ich bisher noch keine gemacht.“

Fazit: Nützlich für die Radler ist die Öffnung der Einbahnstraßen in jedem Fall. Doch die offizielle Erlaubnis, gegen die Einbahnstraße zu fahren, verpflichtet auch zu besonderer Vorsicht. Immerhin: Einige Autofahrer achten kaum auf die Zweiräder und sind genervt von ihnen. Somit ist für Vier- und Zweiräder ist Zukunft Obacht geboten, wenn sie sich in einer Einbahnstraße begegnen, ob viel oder kaum befahren. Toleranz und Rücksichtnahme sind auch hier wichtig.

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