28.09.2016
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Prozess um Reifentest: Milde Strafe für Mercedes

Mercedes-Teamchef Ross Brawn beim Prozess in Paris.

Mercedes-Teamchef Ross Brawn beim Prozess in Paris.

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dpa

Paris -

Der Formel-1-Rennstall Mercedes ist nach seinen umstrittenen Testfahrten mit Reifen-Hersteller Pirelli überraschend mit einem blauen Auge davon gekommen.

Das Team von Nico Rosberg erhielt lediglich eine Verwarnung und wird von der Teilnahme am Young Driver Test im Juli ausgeschlossen. Von einer Geldstrafe oder gar einem Punktabzug bleiben die Silberpfeile jedoch verschont. Auch Pirelli wurde lediglich verwarnt.

Das entschied das Internationale Tribunal des Automobil-Weltverbandes FIA am Freitag, die Anhörung am Donnerstag in Paris hatte mehr als sieben Stunden gedauert. Das Urteil kann vor dem Internationalen Berufungsgericht binnen sieben Tagen angefochten werden. Mercedes und Pirelli hatten vom 15. bis 17. Mai mit den aktuellen Boliden in Barcelona Reifen für den Einheitshersteller getestet.

Die sportlichen Regularien verbieten den Teams Tests während der Saison. Mit dem Urteil wolle das Gericht nun „soweit möglich den anderen Teams eine ähnliche Position ermöglichen, die Mercedes sich durch den Regelbruch verschafft hat“, heißt es in der Urteilsbegründung. Als strafmildernd wurde bewertet, dass Mercedes eine Aussage von FIA-Renndirektor Charlie Whiting als „qualifizierte Erlaubnis missverstanden“ habe.

Das Werksteam hatte Whiting telefonisch kontaktiert. „Wir haben ihn zweimal angerufen. Er hat zugestimmt“, hatte Mercedes-Anwalt Paul Harris in seinem Schlussplädoyer gesagt. Der Young Driver Test findet vom 17. bis 19. Juli in Silverstone nun ohne Mercedes statt, damit wählte das Tribunal exakt die Strafe, die Anwalt Harris im Schlussplädoyer als akzeptabel genannt hatte.

In jeder Saison gilt für diese Tests mit Nachwuchsfahrern eine Ausnahme des allgemeinen Testverbots. Die Konkurrenten dürften mit der Entscheidung nicht zufrieden sein. Schon vor dem Urteil hatte Sebastian Vettels Red-Bull-Teamchef Christian Horner bei Sky Sports News HD gesagt: „Sie sind ihre Nachwuchsfahrer-Tests sowieso bereits eher mit Senioren gefahren. Dort verbannt zu werden, ist keine besondere Strafe.“

Red Bull und Ferrari hatten ursprünglich Protest gegen die Tests von Mercedes und Pirelli eingelegt. (sid)