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Historie: Im Abteiort wütete die Viehseuche

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Ein Grabungsteam hat das Skelett eines Rindes freigelegt, das eine Hornviehseuche im Jahr 1796 dahingerafft hat. Foto: Privat
Das neue Jahrbuch des Vereins für Geschichte in Pulheim ist erschienen. Das Gros der Beiträge kreist um Themen, die für Brauweiler und die Abtei relevant sind. Die Autoren schauen aber auch über die Stadtgrenzen hinaus.  Von
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Das neue Jahrbuch des Vereins für Geschichte Pulheim ist erschienen. Mit 18 Beiträgen von 17 Autoren auf 360 Seiten und reichlich Abbildungen und Karten ist Band 37 thematisch vielfältig.

Einige der ehrenamtlichen Autoren haben Themen zu Papier gebracht, die für die Geschichte der Stadt Pulheim wichtig waren, andere haben einen Blick über die Stadtgrenzen hinaus geworfen. Johannes Ralf Beines schreibt über das ehemalige Empfangsgebäude der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft Bahnhof Belvedere in Müngersdorf, Egon Heeg und Paul Stelkens über den Brauhof in Frechen-Hücheln, eine der letzten historischen Hausbrauerein im Rheinland, und über die amerikanischen und deutschen Opfer eines Bomberabsturzes in Königsdorf im Oktober 1944.

Ausgrabung auf dem Guidelplatz

Das Gros der Beiträge kreist um Themen, die für Brauweiler und die Abtei relevant sind. Peter Schreiner geht den historischen Beziehungen zwischen den Abteien Brauweiler und Stablo-Malmedy auf den Grund, Sigrun Heinen und Ulrich Stevens dem Kapitelsaal der Abtei und seiner Ausmalung. Ein Bindeglied zwischen diesen Aufsätzen ist Marcel El-Kassems Rückblick auf die Ausgrabungen auf dem Guidelplatz 2010 und 2011. Die Archäologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege haben damals Befunde zutage gefördert, die ein Licht auf das Leben der Menschen im Schatten der Abtei in verschiedenen Epochen werfen.

Neben den vielen hochmittelalterlichen Befunden hat das Grabungsteam Relikte zutage gefördert, die sich zeitlich nicht immer eindeutig zuordnen lassen, die aber Hinweise auf die Entwicklung des Ortes in der Neuzeit geben. Dazu zählen Überreste eines Gebäudes, die vermutlich zu einem Kerkerbau an der Ehrenfriedstraße gehörten. Ein Großbrand hatte es 1766 zerstört. An eine Hornviehseuche 30 Jahre später erinnern sechs Kadaverentsorgungsgruben, in denen sich Skelette von Rindern fanden.

Die Grabungen haben Erkenntnisse darüber geliefert, dass die relativ weit voneinanderliegenden Wohn- und Funktionsbauten in Holz- und Lehmbauweise nicht umgrenzt waren und anstelle eines Ortskerns den Bezug zum Kloster hatten. Im letzten Drittel des elften Jahrhunderts expandierte die Siedlung, ihre größte Ausdehnung erreichte sie im letzten Drittel des zwölften Jahrhunderts. Das abrupte Ende der Siedlung durch einen Großbrand im Jahr 1205 dokumentieren sechs Befunde.
Band 37 der „Pulheimer Beiträge zur Geschichte“, herausgegeben vom Verein für Geschichte Pulheim, ISBN 978-3-927765-54-2, ist für 15 Euro im Buchhandel erhältlich.

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