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Pulheimer Bach: Bald droht ein Bauverbot

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Bei Hochwasser würde der Pulheimer Bach an der Widdersdorfer Straße in Pulheim-Mitte über die Ufer treten, sagen Fachleute. Foto: Privat
Weil der Pulheimer Bach als hochwassergefährdet gilt, droht den Anwohnern bald ein Bauverbot. Ab dem 26. März brauche die Eigentümer eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Wasserbehörde, wenn sie eine Garage oder ähnliches bauen wollen.  Von
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Es ist nur eine statistische Annahme. Aber sie hat weit reichende Folgen: Wenn bei sehr starkem Hochwasser der Pulheimer Bach über die Ufer tritt, werden Straßen, Wege, Plätze und Grundstücke in Geyen, Sinthern sowie in Pulheim-Mitte überschwemmt. Nach statistischen Schätzungen ist das alle 100 Jahre der Fall. Zuletzt trat der Bach vor circa 50 Jahren über die Ufer, es gab erhebliche Schäden in Geyen, Sinthern und Pulheim.

In den Stadtteilen Geyen und Sinthern wären kleinere Bereiche betroffen, die in der Nähe des Bachbettes und der Rohre liegen, durch die das Gewässer unterirdisch fließt. Im Zentralort wäre ein deutlich größeres Gebiet betroffen. Es würde sich vom Bach im Bereich der Widdersdorfer Straße bis zur Magdeburger Straße und bis zum Goldammerweg erstrecken. Davon jedenfalls geht ein Ingenieurbüro aus, das im Auftrag der Bezirksregierung die von einem sogenannten hundertjährlichen Hochwasserereignis gefährdeten Gebiete ermittelt hat und in Hochwassergefährdungskarten sichtbar gemacht hat. Die Karten hängen im Rathaus aus.

Wasserhaushaltsgesetz

Nach Paragraf 78 des Wasserhaushaltsgesetzes ist es in Überschwemmungsgebieten verboten, neue Baugebiete auszuweisen. Mauern, Wälle oder ähnliche Anlagen dürfen nicht errichtet werden. Es ist ebenfalls verboten, Gegenstände auf Grundstücken zu lagern, die fortgeschwemmt werden oder aber das Abfließen des Wassers behindern könnten. Bäume und Sträucher dürfen nicht gepflanzt werden.

Mit der Novellierung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) vom 1. März 2010 wurde die europäische Hochwassermanagementrichtlinie in nationales Recht umgesetzt. Die Pflicht, die Gewässer auf mögliche Hochwasserrisiken hin zu überprüfen, ging an die Bundesländer über.

In Nordrhein-Westfalen haben das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz sowie die Bezirksregierungen die notwendigen Prüfungen vorgenommen.
Der Pulheimer Bach ist eines von 445 Gewässern, die als potenziell signifikant hochwassergefährdet eingestuft wurden. Für alle anderen Gewässer auf Pulheimer Stadtgebiet, wie etwa den Stommelner Bach, konnte nach Angaben der Stadtverwaltung kein entsprechendes Risiko festgestellt werden. (mma)

Anlass für den Auftrag der Kölner Behörde ist eine auf Vorgaben der Europäischen Union basierende Überschwemmungsgebietsverordnung nach dem Wasserhaushaltsgesetz. Sie tritt Ende des Jahres in Kraft. Da die Bezirksregierung eine weitere Bebauung verhindern möchte, lässt sie die Flächen vorsorglich sichern. Stichtag ist der 26. März. Von diesem Tag an gilt für Grundstückseigentümer in den ermittelten Gebieten ein Bauverbot. Grundlage ist Paragraf 78 des Wasserhaushaltsgesetzes. Wer danach eine Garage, eine Mauer oder einen Wall errichten möchte, der muss sich um eine Ausnahmegenehmigung bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises bemühen.

Die Stadt Pulheim nutzt die verbleibende Zeit, sie lässt die Sache fachlich und rechtlich prüfen. Zusätzlich soll ein von ihr beauftragtes Büro aufzeigen, wie die Stadt kurzfristig den Hochwasserschutz verbessern kann. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die beiden Hochwasserrückhaltebecken in Sinthern und Am Bendacker in Pulheim-Mitte ausgebaut werden können und wie viel die Stadt investieren müsste. Bürger haben die Möglichkeit, die Hochwassergefährdungskarten im Planungsamt des Rathauses, gegenüber Raum 2.11, Alte Kölner Straße 26, bis Montag, 25. März, anzusehen.

Das Rathaus ist geöffnet: montags bis freitags, 8.30 bis 12 Uhr, montags bis mittwochs, 14 bis 16 Uhr, und donnerstags, 14 bis 18 Uhr. Nach Anmeldung unter ☎ 0221/1473463 ist dies auch bei der Bezirksregierung, Zeughausstraße 2 bis 10, möglich. Der Entwurf der Überschwemmungsgebietsverordnung wird vom 26. März bis 25. April, ebenfalls gegenüber Raum 2.11, aushängen. Die Bürger können bis zum 10. Mai Einwende gegen die Verordnung vorbringen.

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