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Pulheimer Karnevalsprinz: „Pascha“-Besuch ist „strunzdoof“

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Das Bordell „Pascha“ in Köln Foto: Christoph Hennes
Nach Alice Schwarzer kritisieren Kölner Karnevalistinnen die Auftrittspläne des Pulheimer Ahl-Häre-Dreigestirns im „Pascha“. Prinz Harald I. Müller verwaltet die Immobilien der Bordell-Kette.  Von
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Pulheim/Köln

Alice Schwarzers scharfe Kritik am geplanten Auftritt der Pulheimer Karnevalsgesellschaft (KG) „Ahl Häre“ mit Prinz und gesamtem Regiment  im Kölner Tabledance-Club „Pascha“ hat Resonanz bei prominenten Kölner Karnevalisten gefunden. Die Präsidentin der „Stunk-Sitzung“, Biggi Wanninger, gab Schwarzer im Grundsatz Recht. „Ich frage mich nur: Warum ist man so verwundert?“, sagte Wanninger dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.  „Das scheint doch übliche Praxis in Männerbünden zu sein.“ Die Ahl Häre aus Pulheim eiferten damit „nur den Großen nach“, Versicherungsgesellschaften zum Beispiel, deren Vertreter zur Belohnung für gute Geschäftsabschlüsse „Vergnügungsreisen“ mit Bordellbesuchen geschenkt bekommen hätten.

Birgit Wanninger
Birgit Wanninger

Alice Schwarzer ärgert es in ihrem Kampf für Frauenrechte und gegen Prostitution besonders, dass sich der diesjährige Pulheimer Prinz Karneval, Harald I. Müller, der im Zivilberuf die Immobilien der Bordellkette „Pascha“ verwaltet, öffentlich mit der Einladung an die Mitglieder seiner KG gebrüstet hat. Das sei eine neue Stufe der Dreistigkeit im Bemühen, Prostitution gesellschaftsfähig zu machen, so die Herausgeberin der feministischen Zeitschrift „Emma“. Wanninger fügte dem eine sarkastische Note hinzu: „Vielleicht betrachtet Herr Müller den Besuch im Pascha ja auch als Belohnung – für das Ertragen schlechter Witze und der Langeweile in den Sitzungssälen.“

„Prinz Pascha aus Pulheim im Puff – das hört sich vielleicht witzig an, ist aber nicht zum Lachen“, sagte Wanningers Kollegin Katja Solange Wiesner, Präsidentin der „Imi-Sitzung“ im Bürgerhaus Stollwerck. „Müllers Zurschaustellung seiner dicken Hose zieht den Frohsinn in den Keller – wie wollen die Pulheimer jetzt eigentlich noch rufen, >d’r Prinz kütt!<?“

Katja Solange Wiesner
Katja Solange Wiesner
Foto: Worring

Ahl-Häre-Präsident Norbert Rohde nannte die vorangegangene Berichterstattung mit Schwarzers Kritik „Unsinn“. In Pulheim sei der Auftritt der KG im „Pascha“, der am 3. Januar stattfinden soll, überhaupt kein Thema. „Die Geschichte ist für uns erledigt, da gibt es nichts mehr zu kommentieren.“ Zuvor hatte sich Rohde bereits gegen Schwarzers Angriff auf Müller und die Unterstellung verwahrt, der Besuch im Tabledance-Club werde anschließend im Bordell nebenan fortgesetzt. Auch von den Mitgliedern der KG oder deren Partnerinnen wollte sich niemand öffentlich äußern. „Wir vertrauen unseren Männern“, sagte die Frau eines Ahl-Häre-Funktionärs knapp.

Festkomitee wartet ab

„Stunker“-Sprecher Winni Rau erinnerte daran, dass das Kölner Karnevalsmotto für die laufende Session (Fastelovend em Blot – he und am Zuckerhot) mit seiner Anspielung auf den brasilianischen Karneval gewiss Anlass bieten werde, allerhand spärlich bekleidete Tänzerinnen auftreten zu lassen. „Da gibt es genügend Frauen, die könnten kotzen“. Der geplante Ahl-Häre-Besuch im „Pascha“ füge sich in dieses Bild des organisierten Karnevals, der damit „sein wahres Gesicht“ zeige. „Das ist einfach eine strunzendoofe Aktion.“ Dem langjährigen Bemühen von Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach um ein seriöseres Image des Karnveals verpassten der Pulheimer Prinz und seine Mannen „einen Schlag ins Kontor“.

Ritterbach selbst wollte sich nicht äußern. Wie das Festkomitee reagieren würde, wenn eine Kölner KG ähnlich agieren würde wie die Pulheimer „Ahl Häre“, stünde erst dann zur Beantwortung an, wenn sich eine solche Frage stellte, so Festkomitee-Sprecherin Sigrid Krebs.

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