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Abnehm-Methode: Schlank im Schlaf - geht das?

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Schlank im Schlaf
Bei der Methode „Schlank im Schlaf“ kommt es auch auf das Timing an. (Bild: Jupiter)

Der Buchtitel klingt wie eine Zauberformel. Schlank im Schlaf - diese drei Worte verheißen Abnehmen beim Nichtstun, schwindende Kilos bei gleichzeitigem Schlummern im Bett. Ganz so einfach ist es in der Realität dann leider doch nicht und trotzdem - das Prinzip „Schlank im Schlaf“ ist ein riesiger Erfolg, zumindest kommerziell. Die Bücher aus dem Gräfe und Unzer Verlag haben sich in den vergangenen drei Jahren rund 1,5 Millionen Mal verkauft. Ob „Schlank im Schlaf für Berufstätige“ oder „Schlank im Schlaf - Der Vier-Wochen-Power-Plan“ - die Abnehmratgeber halten sich Woche für Woche in den Bestsellerlisten. Dabei wollte der Verlag die Manuskripte anfangs erst gar nicht haben.

Die Theorie hinter dem Prinzip ist auch gar nicht so leicht zu verdauen. Denn wer tatsächlich schlank im Schlaf werden will, muss die goldenen Regeln der Insulin-Trennkost befolgen. Morgens dürfen nur Kohlenhydrate verzehrt werden, dafür aber kein Eiweiß. Bis zu vier Brötchen sind erlaubt, allerdings nur mit Marmelade, Honig oder Gemüseaufstrich, Wurst, Käse, Eier und Milch sind tabu. Mittags dürfen Kohlenhydrate und Eiweiße zusammen gegessen werden, erlaubt ist dann, was schmeckt. Abends muss dagegen Eiweiß pur auf dem Teller liegen, Brot, Nudeln und Kartoffeln müssen im Küchenschrank bleiben. Diese drei Hauptmahlzeiten sind jedoch Pflicht, und zwischen ihnen muss unbedingt eine Essenspause von je fünf Stunden eingehalten werden - ohne Naschereien und süße Getränke. Hintergrund ist, dass der Insulinspiegel tagsüber nach den Mahlzeiten wieder absinken und die Fettverbrennung in der Nacht auf Touren kommen kann. Ein zusätzliches Ausdauer- und Kraftsportprogramm soll die Ernährungsumstellung begleiten.

Keine neue Idee

Neu ist das alles nicht und dennoch ist die Geschichte der Bestseller-Bücher außergewöhnlich. Bereits seit Ende der 90er Jahre beschäftigt sich Dr. Rudolf Schwarz, Leitender Betriebsarzt bei den Stadtwerken Köln, mit den Zusammenhängen von Biorhythmus, Stoffwechsel und Ernährung. 1998 startete er gemeinem mit Kollege und Personalleiter Helmut Gillessen eine Gesundheits- und Fitnessoffensive bei den Stadtwerken. Gemüse- und Salatbuffets halten Einzug in der Kantine, Sport- und Ernährungskurse für die Mitarbeiter werden eingerichtet. In dieser Zeit lernen die beiden bei einem Seminar für Führungskräfte Dr. Detlef Pape kennen. Der Essener Mediziner gilt als Begründer der Insulin-Trennkost, der die Prinzipien der Hayschen Trennkost weiterentwickelt hat. Als er bei den Stadtwerken einen Vortrag über sein Fachgebiet hält, finden Schwarz und Gillessen den Ansatz des Referenten äußerst interessant. Und so kommt eines zum anderen. Die drei Männer treffen sich öfter, diskutieren viel und irgendwann kommt einer von ihnen auf die Idee „Mensch, warum schreiben wir denn nicht gemeinsam ein Buch?“

2001 veröffentlicht das Trio das 200-Seiten-Werk „Gesund, vital, schlank“ im Deutschen Ärzte-Verlag, kurz darauf folgt ihr zweites Buch „Satt, schlank, gesund“. Der Inhalt: Abnehmen mit der Insulin-Trennkost. Jeder Stadtwerke-Mitarbeiter erhält im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung ein kostenloses Exemplar. Doch nach einigen Monaten wird klar: so richtig gut verkaufen sich die Bücher über den Fachverlag nicht, zumindest nicht beim Laienpublikum. Der Kölner Sportwissenschaftler Elmar Trunz-Carlisi hat schließlich die zündende Idee. Wie Detlef Pape war auch er Vortrags-Referent bei den Stadtwerken und hat sein Buch „Bodystyling ab 40“ bereits bei GU veröffentlicht. Mit seinem Fachwissen steigt er in das Buchprojekt mit ein und rät den Autoren, es doch ebenfalls einmal bei dem Münchner Verlag zu versuchen. Der Kontakt ist schnell hergestellt.

Der Verlag war erst skeptisch

Als die Lektoren von der Insulin-Trennkost-Theorie hören, sind sie zunächst skeptisch. Morgens nur Kohlenhydrate, abends nur Eiweiß - ob sich das als Ratgeberbuch verkaufen lässt? „Wir mussten damals große Überzeugungsarbeit leisten“, erinnert sich Rudolf Schwarz schmunzelnd. Doch schließlich klappt es, der Verlag will es probieren mit dem neuen Trennkost-Ratgeber. Gemeinsam mit Detlef Pape steuert Schwarz den wissenschaftlichen ernährungstheoretischen Teil zum Manuskript bei, Helmut Gillessen und Elmar Trunz-Carlisi übernehmen die Kapitel über Sport und Bewegung. Zahlreiche Rezepte der Ernährungsmedizinerin und Autorengattin Dr. Andrea Schwarz, bunte Grafiken und schöne Fotos runden das Buch ab.

2006 erscheint „Schlank im Schlaf“ und stürmt sofort die Bestsellerlisten. Es folgen „Das Kochbuch“, „Der 4-Wochen-Power-Plan“, und dieses Jahr „Schlank im Schlaf für Berufstätige“ und „Schlank im Schlaf - Der Fitness-Turbo“. Jedes Buch, das den magischen Titel trägt, verkauft sich blendend. „Damit hätten wir nie gerechnet“, beteuert Rudolf Schwarz. Er weiß, dass vor allem die Art der Vermarktung wichtig war für den großen Erfolg. Der gute Titel, die gelungene grafische Aufbereitung - all das trägt zu den fulminanten Verkaufszahlen bei. Auch Gräfe und Unzer gibt das offen zu. Von Seiten des Ratgeberverlages heißt es: „Erfolgsentscheidend war das Titelmarketing und das gute Funktionieren der Methode.“

Das Befolgen der Essensregeln fällt vielen nicht leicht

Betriebsarzt und Internist Rudolf Schwarz ist überzeugt, dass sich mit den „Schlank im Schlaf“-Prinzipien pro Monat ein Kilogramm Körperfett auf gesunde Art verlieren lässt. Was für ein Abnehmvorhaben respektabel wäre. „Die Methode ist keine Diät, sondern eine dauerhafte Ernährungsumstellung“, betont der Autor. „Unsere Theorien über das Insulin als Dickmacherhormon sind wissenschaftlich fundiert und wer sich langfristig an sie hält, nimmt ab.“

Doch wer die Insulin-Trennkost ausprobiert hat weiß, dass es im Alltag oft hapert mit der Umsetzung der Regeln. Jeden Abend auf Brot, Kartoffeln und Nudeln zu verzichten, das macht nicht wirklich Spaß. Ausnahmetage dürfen sein, aber eben nur ab und zu. Und die zwei fünfstündigen Essenspausen können tagsüber sehr schnell sehr lang werden.

„Man muss sich umgewöhnen, das ist klar“, gibt Schwarz zu. „Doch nach der Eingewöhnungsphase berichten die meisten, dass ihnen nichts fehlt, dass sie satt sind, sich wohl und fitter fühlen und viel besser schlafen“, so der Mediziner.

Ob die Methode zum eigenen Lebensstil und zu den persönlichen Essgewohnheiten passt, muss wohl jeder für sich selbst herausfinden.

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