25.08.2016
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Angebote im Vergleich: Mitfahren oder Autos teilen spart Geld

Anrufen, einsteigen und los: Viele Mitfahrer schätzen die unverbindliche Kontaktaufnahme mit einem Fahrer.

Anrufen, einsteigen und los: Viele Mitfahrer schätzen die unverbindliche Kontaktaufnahme mit einem Fahrer.

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dpa/flinc

Mitfahrzentralen vermitteln bereits seit den 50er Jahren freie Plätze in Autos. Früher waren die Börsen Vermittlungsbüros in Großstädten, heute halten die Mitfahrer ihren Daumen im Internet aus dem Fenster. Spezielle Plattformen vermitteln im Netz kostenlos zwischen Anbietern und Suchenden.

Jüngst sorgte der Platzhirsch Mitfahrgelegenheit.de für Schlagzeilen. Das Portal hat für mehr als 100 Kilometer lange Fahrstrecken eine Gebühr von elf Prozent des Fahrpreises pro Mitfahrer eingeführt, die der Fahrer an die Betreiber entrichten muss. Der technische und personelle Aufwand mache die Gebühr notwendig, erläutert Sprecher Thomas Rosenthal. Außerdem müssen sich Nutzer registrieren und können Fahrten nur noch verbindlich über das Internet buchen. Bislang ist es bei den meisten Anbietern so, dass Fahrer und Mitfahrer sich lose über das Handy verabreden. Das Risiko: Man wird einfach stehengelassen.

Mitfahrer nach Redebedarf aussuchen

Mitfahrgelegenheit.de erregte durch seinen Vorstoß offenbar so viel Unmut, dass sich prompt zwei Wettbewerber gründeten. Stephan Grätz von Bessermitfahren.de sieht seine kostenlose Plattform als unmittelbare Reaktion auf die neue Gebühr der Konkurrenz. Im April startete außerdem der deutsche Ableger von Blablacar. Der kostenlose Dienst bietet ein Bewertungssystem für Fahrer und Mitfahrer nach deren Redebedarf in den Kategorien „Bla“, „Blabla“ und „Blablabla“ – also Dauerplauderer.

Neues Portal für Kurzstrecken

Auf ein Zusammenspiel aus Nachbarschaftshilfe und Fahrgemeinschaft für regionale oder innerstädtische Kurzstrecken setzt die neue Mitfahrbörse Moveplus.de. Auf dem kostenlosen Portal der ADAC-Initiative GenerationPlus können sich Menschen – zunächst in den Großräumen München und Köln-Bonn – für lokale Fahrten verabreden. Weitere Regionen sollen folgen, das Angebot mittel- bis langfristig auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.

Interessierte können nach Belieben Fahrten und Benzinkosten-Beteiligungen vereinbaren. Anwender registrieren sich einmalig über ein Online-Formular. Fahrer, die über kein eigenes Fahrzeug verfügen, und ältere Menschen, die nicht mehr selbst hinter dem Steuer sitzen, können so ihre Alltagsfahrten zum Arzt oder Supermarkt, aber auch gemeinsame Ausflüge zu organisieren. Der ADAC Mitfahrclub ist das Gegenstück zu Moveplus.de für Langstrecken.

Kostenlose Angebote überwiegen

Der Mitfahr-Markt entwickelt sich in zwei Richtungen. Auf der einen Seite steht der kostenpflichtige Platzhirsch mit standarisiertem Buchungssystem. Auf der anderen Seite stehen die kostenlosen Dienste, darunter auch Drive2day oder Mitfahrzentrale.de, die eine Vermittlung dem Fahrer und seinen Mitfahrern überlassen. Auch wenn viele dieser Anbieter ihre Dienste ausbauen – Geld von den Nutzern will keiner von ihnen nehmen.

Carsharing mit Mitfahrern

Auch die Grenzen zwischen Carsharing und Mitfahrzentralen beginnen, sich aufzulösen. Diesen Weg verfolgt der Anbieter Flinc in Kooperation mit dem Carsharing-Dienst DriveNow. Wer mit DriveNow fährt, kann im Auto Mitfahranfragen bekommen. Das Navi zeigt an, wie weit der Umweg wäre. Entscheidet sich der Fahrer fürs Mitnehmen, leitet ihn das Navi direkt zum Mitfahrer. Das Modell soll vor allem Berufspendler ansprechen – einen Markt, den etwa das Portal Mifaz.de bedient, das Städten, Landkreisen und Firmen die Bildung von Fahrgemeinschaften ermöglicht.

Carsharing-Modelle in Deutschland

Beim Carsharing sitzen die Autohersteller mit im Boot. So bieten Daimler mit „Car2go“, BMW unter „DriveNow“ sowie Volkswagen mit „Quicar“ ihre Autos zur zeitweisen Nutzung in Großstädten oder Ballungsräumen an. Es sind „Free-Floating“-Angebote, das heißt: Der Nutzer hat die freie Wahl eines unbenutzten Fahrzeugs und kann es an einem beliebigen Ort innerhalb des Nutzungsgebietes wieder abstellen.Damit haben die Autohersteller großen Erfolg: Etwa 180.000 Nutzer sind registriert, sie bezahlen ihre Mietgebühr per Speicherkarte oder über das Handy.

Auf der zweiten, derzeit noch größeren Schiene im Carsharing tummeln sich eher traditionelle Anbieter mit dem sogenannten „stationsbasierten“ Carsharing. Der Zugriff auf die Autos und auch die Rückgabe durch die registrierten Nutzer erfolgen an festen Standorten. Knapp 150 Anbieter mit stationsbasiertem Carsharing sind derzeit in etwa 340 Städten tätig. Diese herkömmliche Methode nutzen etwa 270.000 Kunden. (dmn, dpa, mid, ADAC)

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