27.09.2016
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Porno-Streaming: Redtube leitet rechtliche Schritte ein

Mehrere Anwälte sind gegen die Abmahn-Welle in Zusammenhang mit dem Pornostream Redtube rechtlich vorgegangen.

Mehrere Anwälte sind gegen die Abmahn-Welle in Zusammenhang mit dem Pornostream Redtube rechtlich vorgegangen.

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dpa

Köln -

Im Zusammenhang mit der Abmahn-Welle gegen Nutzer des Pornostreams Redtube hat sich nun der Anbieter selbst erstmals zu Wort gemeldet. "Die Briefsendungen verletzen die Rechte der betroffenen User erheblich", zitiert rp-online eine Stellungnahme von Redtube. Der Betreiber der Erotik-Seite erklärt, Kundendaten und IP-Adressen keinesfalls an Dritte verraten zu haben. "Wir haben zu keinem Zeitpunkt Kundendaten an eine Kanzlei oder eine entsprechende Behörde weitergegeben. Es scheint so, dass dies auf unlautere Weise geschehen ist." Das Unternehmen bekräftigt, dass es die Verwaltung aller Kundendaten sehr ernst nehme. Redtube habe darüber hinaus juristische Schritte eingeleitet, um die Verantwortlichen für die Weitergabe der Daten zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch mehrere Anwälte haben gegen die Tausenden Abmahnungen, die bislang ausschließlich Kunden der Telekom erhalten haben, juristische Schritte eingeleitet. Der auf Filesharing spezialisierte Rechtsanwalt Johannes von Rüden hat bereits am Dienstag bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Kollegen Daniel Sebastian erstattet. Sebastian hatte den Antrag beim Kölner Landgericht auf Herausgabe der Adressen von den Nutzern des Streams gestellt. "Es geht unserer Ansicht um eine Strafbarkeit wegen Betrugs und des Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz", sagte von Rüden zu ksta.de. Sebastian habe in seinen Anträgen die Worte Download und Herunterladen benutzt, nicht aber den Begriff Streaming. "Für mich ist das eine Täuschung. Die Anträge wurden darauf angelegt, die Richter zu linken."

Von Rüden sieht allerdings auch die Kölner Richter in der Verantwortung. "Auch wenn Sebastian es geschickt gemacht hat, die Art der Antragsstellung hätte den ein oder anderen stutzig machen müssen", sagte der Berliner Anwalt. Die Piratenpartei hat am Freitag eine Mandatsvereinbarung veröffentlicht, die die Kanzlei U+C vor einigen Jahren mit ihren Mandanten abgeschlossen hat. Ab 22 Uhr soll es auf der Webseite der Piraten dazu eine Diskussionsrunde geben, an der auch der Informant teilnimmt.

Der Berliner Anwalt Sebastian hatte die Anträge auf Herausgabe der IP-Adressen der Redtube-Nutzer gestellt, die Regensburger Kanzlei Urmann + Collegen schließlich im Auftrag der auf Urheberrecht spezialisierten Schweizer Firma The Archive AG zehntausende Abmahnungen verschickt. Nebulös bleibt derzeit, wie Sebastian genau an die IP-Adressen der Streaming-User gekommen ist. Gerichtsakten zufolge hat die Firma itGuards mit der Software "GladII 1.1.3" die IP-Adressen ermittelt. Die Feststellung der IP-Adressen erklärt Sebastian wie folgt: "Dateien bzw. Dateibündel werden eindeutig durch eine eigene URL, mithin eine einzigartige Ressourcenverweisung (Link) identifiziert. Für jeden dieser Links existiert ein einzigartiger, sogenannter Hash-Wert, der mit dem digitalen Fingerabdruck einer Datei oder eines Links vergleichbar ist und diesen unverwechselbar macht.”

Unklar ist noch immer auch, welche Rolle The Archive genau spielt, die immerhin als Urheber der gesamten Cause Redtube firmiert. Die Seite gehört einem Deutschen, die Domain wurde registriert am 28. März 2013. Gehostet wird sie von einem Anbieter mit dem Namen "wix.com", der Baukastensysteme für Webseiten feilbietet. Bei wix.com wiederum hat auch die Seite itGuards ihr Zuhause. Die Domain wiederum wurde zwei Wochen zuvor, also am 14. März 2013 registriert. Auf der Webseite selbst wird allerdings kein Name aufgeführt. Ob die beiden Domains in einem Zusammenhang stehen, kann also nur spekuliert werden.

Rechtsanwalt von Rüden geht jedenfalls davon aus, dass das Konstrukt aus Sebastian, U + C und The Archive kurz vor Weihnachten gezielt Kasse machen wollten. "Hier ging es darum, die Scham von Familienväter auszunutzen und das zu einer Zeit, wo das Geld eben etwas lockerer sitzt."

Allerdings dürfte die Welle auch im neuen Jahr weitergehen. "Seit August werden Daten gesammelt. Es ist davon auszugehen, dass weitere Zehntausende Abmahnungen verschickt werden", ist von Rüden überzeugt. Auch Urmann selbst macht daraus keinen Hehl. "Diese Abmahnungen waren natürlich erst der Anfang. Wir haben momentan eine Rechtsprechung des Landgerichts Köln, das geprüft hat, ob in diesem Fall eine Urheberrechtsverletzung vorliegt oder nicht. Und einige Kammern haben entschieden: Ja, das ist so", sagte Thomas Urmann im Gespräch mit stern.de.