28.09.2016
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Quartalszahlen bei Nokia : Kampf um Ansehen in der Branche

Das Nokia Lumina

Das Nokia Lumina

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REUTERS

Berlin -

Nokia hat eine bemerkenswerte jüngere Geschichte hinter sich. Der einst größte Handyhersteller der Welt, war tief gesunken in der Gunst der Kunden und Anleger. Doch in den vergangenen drei Monaten spielte der Konzern zumindest für viele Börsianer die Rolle eines Hoffnungsträgers. Die Erwartungen haben sich aber nicht erfüllt. Jetzt droht Nokia abgehängt zu werden – vor allem auf den wichtigen asiatischen Märkten.

Viele Analysten hatten darauf gesetzt, dass die Finnen bei allen wichtigen Kennziffern für das zweite Quartal zulegen. Das Gegenteil ist eingetreten. Der Umsatz brach um fast ein Viertel ein. 5,7 Milliarden Euro kamen noch zusammen. Im operativen Geschäft summierte sich der Verlust auf 115 Millionen Euro. An den europäischen Börsen versuchten Anleger, Nokia-Papiere so schnell wie möglich loszuwerden. Der Aktienkurs fiel zeitweise um mehr fünf Prozent.

Nokia wurde bei Börsianern als klassischer Kandidat für einen „Turnaround“ gehandelt – als Unternehmen, das durch Fehlentscheidungen im Management und ungünstige Umstände in eine Krise geraten ist, aber die Wende schaffen kann. Denn dem Konzern wird zugleich noch immer eine gesunde Basis zugerechnet, besonders in puncto Know-how. Dafür spricht, dass Nokia einen riesigen Bestand an Mobilfunk-Patenten hält.

Einstieg in neue Entwicklungen verpasst

Die Nokia-Aktionäre verlangten vor allem, dass endlich das Know-how für die Entwicklung neuer Smartphones eingesetzt wird. Die Finnen hatten den Einstieg in das Geschäft mit den klugen Telefonen verpasst. Im ersten Quartal war die Marke aus dem Norden nicht mehr unter den größten zehn Anbietern vertreten. Konzernchef Stephen Elop hat versprochen, den Rückstand insbesondere mit der Lumia-Serie aufzuholen. Im zweiten Quartal wurde der Absatz aber „nur“ um ein Drittel auf 7,4 Millionen Stück erhöht. Das reicht nicht, um den Abstand auf Apple und erst recht nicht auf den Marktführer Samsung entscheidend zu verringern. Gut möglich, dass nun eine Debatte über die richtige Strategie einsetzt. Der Hauptpunkt: Elop hat sich auf Gedeih und Verderb an Microsoft ausgeliefert.

Die Lumia-Geräte werden mit dem Betriebssystem Windows Phone ausgeliefert. Es hat aber nur einen weltweiten einen Marktanteil von rund zwei Prozent. Das ist ein entscheidender strategischer Nachteil für das sogenannte Ökosystem rund um die Hardware. Bei einem Betriebssystem mit geringen Marktanteilen ist es wenig interessant für Entwickler, Zusatzanwendungen (Apps) zu ersinnen. Mit weniger Apps wird das Gesamtpaket für die Nutzer weniger attraktiv. Nun versuchte Nokia, mit der Leistung seiner Hardware zu punkten. Elop stellte kürzlich das Lumia 1020 vor – das Insider sofort als „Monster-Phone“ kategorisierten. Das Lumia 1020 ist ein eher klobiges Gerät, weil Nokia unbedingt eine Kamera mit 41 Megapixel anbieten will – das ist ein Wert, der vor kurzem noch reinrassigen Profikameras alle Ehre gemacht hätte. Branchenkenner wagen die Prognose, dass eine derartige Kamera von Nutzern gar nicht gebraucht wird . Das Lumia 1020 drohe zum Ladenhüter zu werden. In der aktuellen Zwischenbilanz spielt das Gerät noch keine Rolle.

Chinesischer Markt immer wichtiger

Das Gesamtabsatz bei den Handys ging in den drei Monaten um 27 Prozent auf 61,1 Millionen Stück zurück und der durchschnittliche Verkaufspreis sank um drei auf 45 Euro. Bei den einfacheren Handys, den „Feature Phones“, hat es Elop inzwischen mit harter Konkurrenz zu tun. Es handelt sich um die chinesischen Konzerne Huawei und ZTE. Die Wettbewerber haben zwei entscheidende Vorteile.

Erstens werden sie mehr oder weniger verdeckt von der Regierung unterstützt. Und zweitens ist China der Heimatmarkt der beiden Anbieter. Nach Einschätzung der Analysten des führenden Technologie-Marktforschers Gartner haben es die Manager von ZTE und Huawei geschafft, den Geschmack und die Bedürfnisse der Nutzer in der Volksrepublik zu treffen. Zugleich bieten sie Geräte mit zu günstigen Preisen an.

Dies macht die Sache für Nokia umso problematischer, da der chinesische Markt immer wichtiger wird. Im ersten Quartal legte der Absatz dort um 7,5 Prozent zu. Derzeit wird jedes vierte der weltweit abgesetzten Handy in dem Riesenland verkauft. Tendenz steigend. Analysten mutmaßen, dass Nokia an Huawei und ZTE im Jahresverlauf weitere Marktanteile abgibt.

Kosten sollen gedrückt werden

Der Netzwerkausrüster NSN ist neben der Handysparte ein weiteres Sorgenkind. Die Finnen wollen das mit Siemens gemeinsam betriebene Unternehmen komplett übernehmen. Allerdings schreibt es derzeit ebenfalls rote Zahlen – wegen harter Konkurrenz durch Chinesen. Elops Reaktion: Er kündigte an, das rigide Sparprogramm noch einmal zu verschärfen. Die Kosten sollen jetzt bis Ende des Jahres um insgesamt 1,5 Milliarden Euro mehr gedrückt werden – das sind 50 Prozent mehr als bislang angepeilt.

Elops persönliche Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus. Seit neun Quartalen führt er Nokia. In dieser Zeit hat der Konzern Verluste von zusammengerechnet fünf Milliarden Euro gemeldet.

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