29.07.2016
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Himmelsstürmer im Herbst: Alles was Sie über Drachen wissen müssen

Mit Zug zum Flug: „Traction-Kites“

Mit Zug zum Flug: „Traction-Kites“

Foto:

Kite and friends, Christoph Schäfer

Köln -

Waren es böse Teufel, oder aber Schutzengel, die eine gut gemeinte Warnung aussendeten? Jedenfalls ergriffen die feindlichen Soldaten die Flucht, als sie die Fratzen der Drachen erblickten, die ein chinesischer General über ihrem Lager hatte steigen lassen. Vor etwa 1800 Jahren soll das passiert sein, und man weiß bis heute nicht, ob diese Geschichte nur eine Legende ist. Aber dass zu dieser Zeit bereits lenkbare Fluggeräte aus Papier oder Seide in der Luft standen, gilt unter Wissenschaftlern mittlerweile als gesichert. Der Drachenbau ist eine Kunst mit langer Tradition – und sie währt bis heute.

Lange Tradition

Zu militärischen Zwecken wird der Drachen freilich nicht mehr eingesetzt, und auch zum Einsatz in der Wetterkunde – Benjamin Franklin schickte ihn während eines Gewitters hoch, weil er beweisen wollte, dass Blitze und Elektrizität das Gleiche sind – kommt er kaum noch zum Einsatz. Er wird jetzt vor allem in der Freizeit in luftige Höhen geschickt, und die Motive sind mehr denn je friedlicher Natur.

„Man kann beim Bauen der Drachen sehr viel Kreativität und handwerkliches Geschick entfalten“, erklärt Andre Schoebe, Leiter des Osnabrücker Drachenvereins „Bleib bloß oben“. Beim Steigenlassen spiele aber sicherlich als Motiv auch die Entspannung eine wichtige Rolle. „Nicht umsonst ließen schon früher buddhistische Mönche ihre Drachen steigen“, so Schoebe. Denn den langsamen Bewegungen in der Luft und dem diffizilen Spiel mit den Lenkschnüren könne man durchaus einen meditativen Aspekt abgewinnen. Noch heute gehören Drachenfeste zu den Ritualen diverser Zen-Klöster.

Bau wie vor 2000 Jahren

Der Aufbau der Drachen ist prinzipiell heute noch so wie vor 2000 Jahren, er besteht aus einem mit Tuch bespannten Gestänge, an deren Waage die Leinen angebracht sind, mit denen der Pilot das Fluggerät lenkt. Die Materialien haben sich allerdings geändert. Das Gestänge besteht nur noch selten aus Holz. „Heute dominieren dort eher Stäbe aus Kohlefasern oder glasfaserverstärktem Kunststoff“, erklärt Schoebe. Sie sind nicht nur leichter, sondern auch stärker belastbar als Holz. Und fortgeschrittene Drachenbauer kommen sogar ganz ohne Gestänge aus. Ihre Geräte sind mit diversen Öffnungen ausgestattet, durch die der Wind eindringt und das Tuch aufbläht. Diese „Windsäcke“ haben freilich nur wenig mit dem flachen Wimpeldrachen zu tun, den die meisten von uns kennen.

Das Drachentuch besteht heute nur noch selten aus Papier, sondern meistens aus Spinnaker-Nylon, das in einer speziellen Technik gewebt und besonders reißfest ist. „Es werden aber auch wieder mehr Drachen mit Baumwollstoff gebaut“, so Schoebe. Hier gehe es aber dann in der Regel um den Nachbau alter, historischer Drachenmodelle.

Ideales Wetter

Doch egal, ob mit Gestänge oder ohne, ob mit Baumwoll- oder Nylontuch – das Ziel eines Drachens bleibt natürlich, dass er in die Luft steigen und dort am besten möglichst lange bleiben soll. Das ideale Wetter dafür ist trocken und hat Windstärken von 3 bis 4. „Wir können aber auch bei viel weniger und viel mehr Wind steigen lassen“ , betont Schoebe. Mit speziellen Modellen lassen sich auch Windstärken bis zu 8 bewältigen, genauso wie es umgekehrt mittlerweile sogar möglich ist, einen Drachen “indoor“ in einer windstillen Turnhalle steigen zu lassen.

Beschauliches Hobby

Nichtsdestoweniger wissen die Drachenbauer natürlich, dass ihr Hobby in einer von spektakulären, athletischen Hobbys wie Rafting und Indoor-Climbing geprägten Zeit eher beschaulich anmutet. Aber darin liegt auch sein eigentümlicher Reiz. Der allerdings muss von einem wichtigen Teil der Bevölkerung wohl erst entdeckt werden. Denn Schoebe schätzt den Frauenanteil in der Drachenbauergemeinde allenfalls auf 20 Prozent – da ist wie beim Drachenfliegen noch viel Luft nach oben.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten, welche Drachen was können!

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