28.09.2016
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Caros Campus: Überleben als Radfahrer

Caroline Asal-Radler

Caroline Asal-Radler musste sich an den Radverkehr in Köln erst einmal gewöhnen.

Foto:

Grönert

Köln -

Mit einem tiefen Atemzug ziehe ich die kalte Luft in meine Lungen. Es riecht nach Winter, meine Nase ist knallrot und meine Finger vor Kälte ganz steif. Ich trete in die Pedale, der Aachener Weiher fliegt an mir vorbei, die Autos geben ein monotones Rauschen ab. Mein Fahrrad bringt mich überall hin. Es ist ein altersschwaches Hollandrad vom Fahrradflohmarkt. In meiner Wohnung dient es als Kleiderständer, im Straßenverkehr als treuer Begleiter.

Der Stärkere hat Vorfahrt

Es hat eine Weile gedauert, bis wir uns an den Kölner Fahrradverkehr gewöhnt hatten. Auf dem ein Meter schmalen Streifen Asphalt, der sich auch Fahrradweg nennt, gilt das Recht des Stärkeren. Mit hoher Geschwindigkeit wird geschnitten, werden gefährliche Überholmanöver durchgeführt. Und wehe man bremst ab oder wagt es gar, stehenzubleiben.

Wer das einmal getan hat, wird es nie wieder tun: Mit einem aggressiven „Haaaalloooo!!!“ wird man verscheucht. Unterschwellig schwingt mit: „Wenn du nicht sofort aus dem Weg gehst, mach’ ich mir Platz!“ Einige Radfahrer greifen zu noch drastischeren Maßnahmen, wie etwa ein zurechtweisender Stoß gegen das Hinterrad.

Gefährlicher Alltag im Radverkehr

Mittlerweile gehören mein Rad und ich nicht mehr zu den Neulingen im Radverkehr in Köln und die richtige Betonung des „Hallo“, haben wir auch schon ganz gut gelernt.

Mit einem lauten Ächzen prallt mein Vorderrad auf ein anderes Rad. Vor mir hat jemand eine Vollbremsung hingelegt. Ein erschrockener Blick, eine gemurmelte Entschuldigung, weiter geht's. Man lebt eben gefährlich im Kölner Radverkehr.

Ich bin mir sicher, mein Fahrrad gibt sein Bestes. Trotzdem ist nicht zu leugnen, dass es in letzter Zeit ziemlich schwächelt. Es ist ja auch nicht leicht, wenn einem nachts die Klingel abgeschraubt wird. Und dann hat auch noch die Gangschaltung einfach aufgegeben. Das Abfallen des Rücklichts erkenne ich als verzweifelten Aufschrei. Und so beschließe ich: Heute werden wir den Fahrraddoktor besuchen, damit wir uns wieder behaupten können in Kölns wildem Radverkehr.


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