28.08.2016
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Caros Campus: Von Zweiflern und Wechslern

Uni

Caroline Asal-Radler trifft in ihrer Vorlesung auf Zweifler, aber auch überzeugte Wechsler.

Foto:

Max Grönert

Köln -

Der junge Dozent schwitzt. Er ist verbalen Attacken einer Kommilitonin ausgesetzt. Maria ist Mitte 40, hat sich entschlossen, sich beruflich neu zu orientieren und studiert jetzt Lehramt. Sie sprüht vor Selbstsicherheit und lässt das den armen Dozenten ganz klar spüren: Von dir lass’ ich mir gar nichts sagen, junger Mann!

So einfach gibt er allerdings nicht auf: Die Sitzung, in der es eigentlich um den kategorischen Imperativ von Kant gehen sollte, wird zum Schauplatz von Machtspielchen und dem bemühten Versuch des Dozenten, seine Stellung zu verteidigen. 

Viele meiner Kommilitonen kommen nicht direkt aus der Schule, sondern haben entweder schon eine Ausbildung, ein Studium oder eine berufliche Laufbahn hinter sich. Eine ehemalige Musicaldarstellerin sitzt mit mir zusammen in den Vorlesungen und erzählt, sie habe in ihrem Job zu wenig Geld verdient.

Ist der Studiengang der richtige?

Einige derjenigen, die direkt nach dem Abi angefangen haben zu studieren, beschleichen erste Zweifel: Ist der Studiengang wirklich der richtige für mich? Eine Freundin aus einem höheren Semester beschreibt diese Unsicherheiten folgendermaßen: „Das erste Semester ist wie ein erster Flirt, alles ist neu, es ist schwer, ein Urteil zu treffen. Im zweiten Semester lernt man den Studiengang besser kennen und Zweifel kommen auf. Im dritten Semester verfestigen sie sich und man beschließt, sich anderweitig zu orientieren.“

Trotzdem habe ich noch niemanden getroffen, der sein Studium leichtfertig hinschmeißt. Schließlich hat man schon viel reingesteckt. Außerdem muss man ja irgendwann anfangen, richtig Geld zu verdienen. Denn wer will sich mit 30 noch mit schlechtbezahlten Nebenjobs über Wasser halten?

Mit zwei Freundinnen schaue ich den Schwarzweißfilm „Oh Boy“ im Kino an. Der Film spiegelt in überspitzter Form die Situation unserer Generation wider: das Gefühl des Verlorenseins im unüberschaubaren Dschungel der Wahlmöglichkeiten.