25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Deutschland-Stipendium: Geld gibt's nur für gute Leistung
16. January 2013
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Deutschland-Stipendium: Geld gibt's nur für gute Leistung

Sozialstipendium

Förderer Helmut Graf und Studentin Urszula Szamatulska in der Aula der Kölner Uni

Foto:

Peter Rakoczy

Köln -

Zwei Briefe lagen eines Tages im Briefkasten von Urszula Szamatulska. Eine Absage vom Deutschland-Stipendium und eine Zusage von der Universität Köln für ein Sozialstipendium. Den Brief mit der Zusage hätte die BWL-Studentin fast nicht geöffnet, „weil ich mich zuvor über die Absage so geärgert habe.“ Das wäre ein fataler Fehler gewesen: Denn durch das Sozialstipendium wird die Studentin nun mit 300 Euro im Monat gefördert. „Das reicht, damit ich weniger arbeiten muss und mich auf mein Studium konzentrieren kann.“

Die Hilfe verdankt Szamatulska ihrem Förderer Helmut Graf. Der Vorstand im Verlag für die Deutsche Wirtschaft und Alumnus der Kölner Universität hat selbst Ende der 60 Jahre BWL studiert, Diplom-Kaufmann gelernt und erhielt von der Universität Köln ein Reisestipendium in die USA für seine Abschlussarbeit. „Das hätte ich mir sonst nie leisten können“, sagt Graf, der aus einer Handwerkerfamilie stammt. Die Reise war Gold wert: Graf konnte seine Abschlussarbeit über Graswurzelfinanzierungen von Firmen in Washington, San Francisco, Seattle und Harvard theoretisch entwickeln und praktisch erproben.

Mit Menschen wie Graf kommt die Stipendienkultur an der Uni Köln in Schwung: 295 Stipendien konnte sie 2012 vergeben – 70 Stipendien mehr noch als ein Jahr zuvor. Allerdings gab es nur ein Sozialstipendium sowie ein Stipendium für sehbehinderte Studenten – die restlichen Förderungen wurden im Rahmen des NRW-Stipendiums beziehungsweise des Deutschland-Stipendiums vergeben. Die Studierenden erhalten 300 Euro von Bund oder Land, die andere Hälfte zahlen Privatpersonen oder Firmen. Ausschlaggebend für die Vergabe sind gute Leistungen in den Abiturprüfungen oder im Studium.

Kritik an Stipendien

Während Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan die Stipendien-Kultur noch ausbauen möchte, gibt es auch Kritik: „Mit Stipendien wird nur ein Bruchteil der Studierenden erreicht“, sagt Katharina Mahrt, Vorstand des Freien Zusammenschluss’ der StudentInnenschaft. „Ich denke, das Deutschland-Stipendium ist keine Stiftungs-Kultur, sondern eine Un-Kultur“, moniert auch Thomas Erdle vom Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds. Der Bund fördere eher wohlhabende Menschen, „die die Unterstützung nicht brauchen.“ Sozial schwache Studenten gingen leer aus, weil sie unter schwierigen Umständen kaum ähnlich gute Leistungen wie Studenten aus gut situierten Elternhäusern bringen könnten.

Bianca Weides von der Projektstelle Universitätsförderung der Kölner Universität weist die Kritik zurück: Die 295 Stipendiaten bildeten den sozialen Status der Studierendenschaft der Kölner Hochschule gut ab. Dass es bislang nur ein einziges Sozialstipendium gebe, empfindet Weides allerdings als Manko: „Da müssen wir noch die Werbetrommel rühren.“ Sozialsponsoren seien allerdings schwierig zu finden, weil sie den gesamten Förderbetrag von 300 Euro stemmen müssten.

Daten über die soziale Herkunft der Stipendiaten an der Kölner Uni beziehungsweise von Studenten, die im Rahmen des Deutschland-Stipendiums gefördert werden, liegen nicht vor. Das Hochschulinformationssystem (HIS) hat allerdings 2009 ermittelt, dass nur neun Prozent der Stipendiaten aller Begabtenförderungswerke aus bildungsfernen Elternhäusern stammen.

Studenten aus bildungsfernen Familien fördern

Es geht aber auch anders: Laut einer Untersuchung der Universität Bonn hat die Stiftung des deutschen Volkes 2012 immerhin 31 Prozent der Stipendien an Studenten aus nicht-akademischen Familien vergeben. Die Hans-Böckler-Stiftung fördert 2450 Studenten, 62 Prozent davon kommen aus bildungsfernen Familien. Außer der Leistung stünden bei der Stiftung soziale Aspekte im Vordergrund. „Eine Abi-Note von 1,0 ist nicht entscheidend“, sagt Stiftungssprecher Rainer Jung.

Anstatt die Stipendien-Kultur auszubauen fordert Studentenvertreterin Mahrt nun, mehr Geld in das Bafög-System zu stecken. Förderer Helmut Graf plädiert dagegen für den Ausbau des Stipendien-Systems: „Die soziale Komponente sollte stärker berücksichtigt werden.“