26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Alvin Roth: Beim Nobelpreisträger studiert
18. December 2012
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Alvin Roth: Beim Nobelpreisträger studiert

Axel Ockenfels

Der Kölner VWL-Professor Axel Ockenfels gilt in Fachkreisen als Anwärter auf den Wirtschaftsnobelpreis.

Foto:

Christoph Hennes

Köln -

Es ist der 15. Oktober, als ein kleines Smiley im E-Mail-Fenster von Axel Ockenfels aufpoppt. Der Absender der wortlosen Mail ist Alvin Roth, seit wenigen Stunden Wirtschaftsnobelpreisträger. Der US-Ökonom der Elite-Universität Harvard bedankt sich für die Glückwünsche seines ehemaligen Studenten.

Keiner in Deutschland kennt Roth so gut wie der Kölner VWL-Professor Axel Ockenfels. Für ihn kommt die Auszeichnung von Roth keineswegs überraschend: „Ich habe schon im Vorfeld gedacht, dass er ein Kandidat ist. Aber es freut mich natürlich besonders, dass ein Vertreter des sogenannten Economic Engineering geehrt wurde“, sagt Ockenfels, der in Deutschland als Vorreiter auf diesem Gebiet gilt und an der Uni Köln eines der führenden Zentren aufgebaut hat. „Der Preis hilft sehr, die Arbeit auf diesem noch jungen Feld weiter voranzubringen.“

Regeln, damit Märkte funktionieren

Ähnlich Ingenieuren, die Flugzeuge oder Staudämme bauen, suchen die Ökonomen dieser Fachrichtung nach Regeln, damit Märkte funktionieren. Eine zentrale Frage lautet dabei: Unter welchen Bedingungen finden zwei Parteien bestmöglich zusammen, beispielsweise Käufer und Verkäufer, Studierende und Universitäten oder, wie Roth untersucht hat, Organspender und Organempfänger. Bei ihrer Forschung stützen sich die Ökonomen – in der Vergangenheit absolut unüblich – auch auf Feld- und Laborexperimente und arbeiten fachübergreifend mit Psychologen und vielen anderen Disziplinen zusammen.

„Mit unserer Arbeit rücken wir näher an die Menschen und ihre Probleme heran“, sagt Ockenfels. Die Wirtschaftswissenschaft habe sich zu lange in den Elfenbeinturm zurückgezogen. „Die Beschäftigung mit realen Herausforderungen zeigt uns, wo die Lücken unseres Wissens sind.“ Die konsequente Orientierung an der Realität hat dem heute 43-Jährigen vor allem zu Beginn seiner Karriere erbitterten Widerstand der etablierten Kollegen eingebracht. „Mittlerweile sind wir aber fast im Mainstream angekommen“, sagt Ockenfels. Das ist vermutlich auch der enormen Energie zu verdanken, mit der Ockenfels seine Forschungsrichtung vorantreibt – aber auch den zahlreichen Preisen, wie den mit 1,55 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis, mit denen der gebürtige Rheydter die Aufbauarbeit in Köln finanziert.

Erster deutscher Wirtschaftsnobelpreisträger

Seine Diplomarbeit in Bonn betreute Reinhard Selten, der damals als Spieltheoretiker noch als Außenseiter gilt. Während Ockenfels an seiner Arbeit schreibt, wird sein Professor mit dem Nobelpreis ausgezeichnet – als erster Deutscher überhaupt. Kurze Zeit später veröffentlichen die beiden ihr erstes Papier – für Ockenfels ein gelungener Start in eine außergewöhnliche Wissenschaftskarriere. Er promoviert und habilitiert sich in Magdeburg, obwohl auch andere Universitäten um den vielversprechenden Nachwuchswissenschaftler werben. Alvin Roth holt ihn später nach Harvard, woraus sich eine bis heute andauernde Zusammenarbeit ergibt. An Roth wie auch an Selten begeistern Ockenfels vor allem „die große innere Unabhängigkeit“.

Zurück in Magdeburg wird der damals 31-Jährige schlagartig bekannt, als er im Jahr 2000 in einem bahnbrechenden Modell in Frage stellt, dass Menschen ausschließlich eigennützig handeln. Der Aufschrei in der Ökonomenzunft ist groß, basiert doch ein Großteil der Wirtschaftswissenschaft auf dieser Annahme. Seitdem gilt Ockenfels als Rebell der Szene.
Unter den vielen Angeboten entscheidet sich Ockenfels 2003 für den Ruf der Uni Köln, wo er Nachfolger von Carl Christian von Weizsäcker wird, Neffe des früheren Bundespräsidenten. „Die Fußstapfen waren groß“, räumt Ockenfels ein. Trotzdem habe er die Entscheidung nie bereut. Außer den vielen Möglichkeiten, die ihm die Uni biete, liebe er den Rhein, den Dom und die Kultur, sagt der Vater von drei Kindern, der mit einer Richterin verheiratet ist.

Auf die Frage, ob er glaube, dass er jemals den Nobelpreis bekommt, lächelt der 1,94 Meter große Wissenschaftler bescheiden. „Ich bin schon glücklich, mit Nobelpreisträgern forschen zu dürfen. “ Hört man sich aber in der Fachwelt um, gibt es zahlreiche Stimmen, die glauben, dass einer der künftigen Nobelpreisträger aus Köln kommen könnte.