27.07.2016
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CHE-Ranking: Bewertungen der Unis sind umstritten

Rankings wie das des CHE sollen Orientierung bei der Wahl des Studienfachs bieten.

Rankings wie das des CHE sollen Orientierung bei der Wahl des Studienfachs bieten.

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dpa

Der doppelte Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen strömt an die Universitäten. Und immer noch gibt es keine bundesweite Internet-Plattform, um die Einschreibung zum Studium zu koordinieren. Die Abiturienten haben also Orientierung dringend nötig. Zumal sie jünger sind als je zuvor. Und die Studiengänge immer vielfältiger und immer exotischer werden.

Bietet das Ranking des „Centrums für Hochschulentwicklung“ (CHE) diese Orientierung? Auf den ersten Blick sieht das so aus. In Kategorien wie „Absolventen in Regelstudienzeit“ oder „Studiensituation insgesamt“ verteilt das CHE Punkte in verschiedenen Farben, die die „Spitzengruppe“, das „Mittelfeld“ oder die „Schlussgruppe“ ausweisen.

Köln ist ausgestiegen

Jedes Jahr bewertet das CHE ein Drittel der Fächer neu – in diesem Jahr sind das die Ingenieurwissenschaften, die Sprach- und Erziehungswissenschaften sowie die Psychologie. Als „sehr gut“ beurteilten die Studierenden beispielsweise die Betreuung der Bauingenieure an der TU Braunschweig, der TU Dresden, der Bundeswehr-Uni in München oder der ETH Zürich. Die Forschung im Fach Maschinenbau ist dem Ranking zufolge besonders gut an der RWTH Aachen, der TU Darmstadt, der TU Dresden und der TU München. Und in der Psychologie punkteten die Jacobs University Bremen, die TU Dresden und die Uni Mannheim gleichermaßen bei Studierendenzufriedenheit, Forschungsleistung und kurzer Studiendauer.

Was diese Bewertungen tatsächlich über die Universitäten aussagen, ist jedoch umstritten. Mehrere Wissenschaftsverbände empfehlen den Fakultäten inzwischen, nicht mehr an dem Ranking teilzunehmen. Die Universitäten Köln, Hamburg und Leipzig sind vollständig ausgestiegen. „Die Bewertung ist teilweise willkürlich“, begründete Rektor Axel Freimuth diesen Schritt. Denn die Farbe der Punkte sage nicht unbedingt etwas über die Qualität aus, sondern höchstens etwas darüber, wie das Fach im Vergleich mit anderen Universitäten dastehe.

Ampelsystem kritisiert

Stephan Lessenich von der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“ spricht sogar von einer „Gelegenheitsstruktur für Fehlurteile“. Andere Wissenschaftler monieren die fehlende Rücklaufquote, stellen die Repräsentativität der Umfragen infrage und kritisieren die Schwerpunktsetzung. Vor allem aber stießen sich viele Universitäten in der Vergangenheit an dem allzu simplen dreifarbigen Ampelsystem, das die rot markierte Schlussgruppe plakativ an den Pranger stellt. Die Tatsache, dass die Universität Köln oft mit solchen roten Punkten bewertet wurde, dürfte auch zu ihrem Rückzug aus dem Ranking beigetragen haben.

Auf die zunehmende Kritik reagierte das CHE mit blauer Farbe für die Schlusspunkte und einigen methodischen Änderungen. Das veranlasste die Universität Bonn – eine der ersten Hochschulen, die ausgestiegen war – wieder teilzunehmen. Auch an der Kölner Universität prüft man nun einen Wiedereinstieg.

www.zeit.de/hochschulranking