30.05.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Nachts WM gucken: Muss der Chef mir Fußball-frei geben?

Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Sommer in Brasilien um den WM-Titel kämpft, fiebern hierzulande wieder tausende Fans vor den Großleinwänden mit - auch spät in der Nacht.

Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Sommer in Brasilien um den WM-Titel kämpft, fiebern hierzulande wieder tausende Fans vor den Großleinwänden mit - auch spät in der Nacht.

Foto:

dpa

Schlechte Nachricht für Fußballfans: Viele WM-Spiele in Brasilien beginnen nach deutscher Zeit erst spätabends bzw. in der Nacht. Dürfen Berufstätige am nächsten Tag später zur Arbeit kommen? Und ist spätes Public-Viewing erlaubt?

Arbeitnehmer haben während der Fußballweltmeisterschaft keinen Anspruch darauf, ihre Arbeitszeiten zu verschieben. Darauf weist Nathalie Oberthür hin, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Bei der WM in Brasilien werden viele Spiele erst nach 22 Uhr Mitteleuropäischer Zeit angepfiffen - einige werden erst um Mitternacht beginnen. Das kann vor allem für Beschäftigte mit Frühschicht am nächsten Morgen hart werden.

Einen späteren Schichtbeginn können sie allerdings nicht vom Chef einfordern. Nur er entscheidet über einen anderen Schichtablauf oder gar einen Produktionsstopp.

Mit etwas Glück können Arbeitnehmer ihrem Chef vielleicht dennoch großzügigere Arbeitszeiten abringen: Am besten schließen sie sich dazu mit Kollegen zusammen und bieten an, die Aufgaben auf andere Weise zu erledigen. Die Zeit, die fürs Fußballschauen abgeht, können sie beispielsweise schon vorarbeiten oder an einem anderen Tag nachholen. Auf solche Angebote muss der Arbeitgeber allerdings nicht eingehen.

Außerdem ist es für Arbeitnehmer natürlich möglich, Schichten zu tauschen oder Urlaub zu nehmen. Bei Fehlzeiten oder WM-bedingten falschen Krankmeldungen droht allerdings eine Abmahnung.

Ausnahmen beim nächtlichen „Rudelgucken“

Wie das Bundesumweltministerium informierte, werde es zwischen dem 12. Juni bis 13. Juli Ausnahmen für die geltenden Lärmschutzregeln geben. „Das gemeinschaftliche Fußballgucken unter freiem Himmel gehört zu einer Fußball-Weltmeisterschaft einfach dazu. Bei einem solchen Anlass halte ich Ausnahmen vom Lärmschutz für gerechtfertigt“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

„Darum haben wir jetzt eine Verordnung vorgelegt, die das sogenannte Public Viewing ermöglicht und gleichzeitig einen akzeptablen Mindestschutz für Anwohner vorsieht. Über die Genehmigung in jedem konkreten Fall müssen die Kommunen entscheiden.“

Die Ausnahmeregelung ist nötig, weil die in der Regel geltenden Lärmschutzstandards aufgrund der späten Anstoßzeiten an vielen Orten nicht eingehalten werden könnten. Die Verordnung erweitert nun den Spielraum für die zuständigen Behörden in den Kommunen, die Veranstaltungen zuzulassen. Dabei sollen sie im Einzelfall abwägen, zwischen dem herausragenden öffentlichen Interesse an den Fußballspielen und dem Schutz der Nachtruhe.

Die Bundesregierung folgt damit einer Bitte der Länder und des Deutschen Städtetags. Bereits bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 und bei der Europameisterschaft 2008 hatte es vergleichbare Verordnungen gegeben. (gs)

Die Stars und Sternchen machen es vor - wie Sie erfolgreich in den Arbeitstag starten, verrät die Bildergalerie: