24.08.2016
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Pferdefleisch-Skandal: Wie man gutes Fleisch erkennt

Wo kommt das Fleisch her? Bei frischem Rindfleisch muss die Herkunft angegeben werden. Bei Fertigprodukten nicht.

Wo kommt das Fleisch her? Bei frischem Rindfleisch muss die Herkunft angegeben werden. Bei Fertigprodukten nicht.

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dpa

Nur bei frischem Rindfleisch haben Verbraucher derzeit die Möglichkeit, die Herkunft der Ware nachzuvollziehen. Geburt, Aufzucht und Schlachtung des Tieres lassen sich an der Kennzeichnung in der Theke oder auf der Verpackung ablesen, erklärte Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. Diese Regeln für Rindfleisch seien in Folge der BSE-Krise erlassen worden. „Bei allen anderen Tierarten fehlt eine klare Herkunftskennzeichnung noch.“ Einzige Ausnahme: Eier können anhand des aufgedruckten Codes zurückverfolgt werden.

Sobald ein Stück Rindfleisch aber zum Beispiel küchenfertig gesalzen oder als mariniertes Steak verkauft wird, greifen laut Schauff die Kennzeichnungsregeln nicht mehr. „Das Fleisch gilt dann als verarbeitet, und dann ist keine Angabe mehr nötig.“ Aus diesem Grund können Verbraucher bei Fertiggerichten mit Fleisch nicht erkennen, wo das darin verarbeitete Fleisch herkommt.

Undurchsichtige Warenströme

Das erschwert im aktuellen Skandal um Pferdefleisch in Lasagne offenbar auch den Herstellern und Behörden die Aufklärung. „Es ist unklar, woher das Fleisch nun wirklich stammt“, sagte die Ernährungsexpertin. Die Warenströme quer durch Europa seien undurchsichtig. Auf den Transportwegen könne viel passieren und Pferde- gesetzeswidrig als Rindfleisch ausgewiesen werden.

Im Rahmen der neuen EU-Lebensmittelinformationsverordnung diskutieren EU-Kommission und Mitgliedsstaaten noch, ob eine Herkunftskennzeichnung künftig auch bei verarbeiteten Lebensmitteln machbar ist, die mehr als 50 Prozent Fleisch enthalten. „Man muss abwarten, ob Gesetzgeber und Behörden sich dazu durchringen können“, sagte Schauff.

Tierart muss in Zutatenliste vermerkt sein

Grundsätzlich muss bei allen frisch verkauften Fleischprodukten schon jetzt die Tierart ausgewiesen sein. Eine Ausnahme gilt für lose verkaufte Wurst, wenn sie nicht explizit aus einer Tierart wie Pute hergestellt ist. Bei verpackter Ware muss die Tierart des darin enthaltenen Fleisches in der Zutatenliste vermerkt sein.

Das war beim aktuellen Skandal nicht der Fall: Auf der Packung war nicht ausgewiesen, dass die Ware außer Rind- auch Pferdefleisch enthält. Laut Schauff ist das ein klarer Gesetzesverstoß, wenn eine andere Tierart im Produkt verarbeitet wurde, als auf der Packung steht.

Frischfleisch selbst verarbeiten

Auch mit Bio-Fertigware können sich Verbraucher nicht vor falschen Deklarationen schützen. „Die Herkunftskennzeichnung gilt auch da nicht“, erklärte Schauff. „Das einzige, was Verbraucher tun können, um falsch Kennzeichnungen zu vermeiden, ist Frischfleisch zu kaufen und selbst zu verarbeiten.“ Außerdem sollten sie dort kaufen, wo ihnen der Metzger klar Auskunft zur Herkunft geben kann oder wo das Fleisch direkt vom Erzeuger vermarktet wird.

Und jedem sollte klar sein, dass qualitativ hochwertiges Fleisch nicht zu Dumpingpreisen zu haben ist, betonte die Verbraucherschützerin. Lieber teurere Ware kaufen und dafür seltener essen, lautet ihr Appell.

Pferdefleisch hat viele Nährstoffe

Viele Verbraucher können sich nicht vorstellen, Pferdefleisch zu verzehren. Grundsätzlich ist der Verzehr gesundheitlich jedoch nicht bedenklich. „Pferdefleisch ist von der Zusammensetzung her ein gutes Fleisch, es hat viele Nährstoffe“, sagt Jessica Fischer von der Verbraucherzentrale Berlin. Wichtig für Verarbeitung des Fleisches in Lebensmitteln sei aber, dass die Tiere nicht mit bestimmten Medikamenten behandelt worden sind. Pferde seien nicht stärker zum Beispiel mit Antibiotika belastet als etwa Rinder oder Schweine. „Generell besteht keine Gesundheitsgefahr.“

Tests der Lebensmittelaufsicht in Großbritannien ergaben allerdings, dass Fleisch von Tieren, die mit dem Medikament Phenylbutazon behandelt wurden, in den Handel gelangt ist. Das Mittel wird bei Pferden auch als Dopingmittel verwendet, bei Menschen kurzzeitig gegen Rheuma. Das Gesundheitsrisiko für Menschen ist nach Einschätzung der britischen Behörden aber gering. (dpa/ef)