24.08.2016
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„Weltweiter Gesundheitsnotfall“: Was Sie jetzt über das Zika-Virus wissen müssen

Für Touristen gilt: lange Kleidung, mit Moskito-Spray einsprühen und in Hotels die Fenster geschlossen halten. Aber: Die Moskitoart ist tagaktiv, was den Zika-Kampf so schwierig macht.

Für Touristen gilt: lange Kleidung, mit Moskito-Spray einsprühen und in Hotels die Fenster geschlossen halten. Aber: Die Moskitoart ist tagaktiv, was den Zika-Kampf so schwierig macht.

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dpa

Männer in gelben Schutzanzügen versprühen im Sambódromo Chemikalien, damit hier in wenigen Tagen Hunderttausende moskitofrei Karneval feiern können. Und Brasiliens Militär hat der heimtückischen Mücke namens Aedes aegypti sogar den Krieg erklärt, 220.000 Soldaten sollen ihr im ganzen Land den Garaus machen. Das Zika-Virus hat sich dramatisch verbreitet – und könnte auch die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro überschatten.

Wie viele Fälle gibt es bisher?
Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, spricht von einer explosionsartigen Ausbreitung. Möglicherweise gibt es nach Angaben der WHO allein in Brasilien schon 1,5 Millionen Zika-Fälle. Die Dunkelziffer ist sehr hoch, weil nur rund 20 Prozent eine Infektion überhaupt merken und die Diagnosemöglichkeiten in dem Land gerade in ländlichen Regionen unterentwickelt sind. Zudem ähnelt das Virus dem Dengue-Erreger, der von der gleichen Moskitoart übertragen wird. In ganz Amerika kann es laut WHO ohne rasche Gegenmaßnahmen zu 3 bis 4 Millionen Ansteckungen kommen. Mehr als 20 Länder des Doppelkontinents sind bisher betroffen.

Droht eine Zika-Ausbreitung auch in Deutschland?
Nein. Denn hier gibt es die betreffende Moskitoart nicht. Bisher gibt es nur vereinzelte Fälle durch rückkehrende Touristen. Allerdings halten Experten es für möglich, dass Zika auch durch ungeschützten Sex übertragen werden kann. „Es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass es zukünftig zu einer Übertragung von Zika-Viren über angesiedelte Moskitos in Deutschland kommen wird“, betont der Leiter des Instituts für Virologie an der Uni Bonn, Christian Drosten.

Ist das Zika-Virus wirklich für Schädelfehlbildungen verantwortlich?
„Der Verdacht auf eine Fruchtschädigung bei Infektionen mit dem Virus während der Schwangerschaft liegt nahe“, sagt der Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), Jonas Schmidt-Chanasit. Der Kopfumfang der Babys liege deutlich unter 32 Zentimetern. „Die Kinder sind häufig geistig behindert, weil das Gehirn unterentwickelt ist, oder sie versterben bereits vor der Geburt.“ In Brasilien gibt es etwa 4180 Verdachtsfälle dieser sogenannten Mikrozephalie – aber: erst 268 sicher bestätigte Fälle. Bei sechs Frauen konnte nachgewiesen werden, dass sie sich zuvor mit Zika infiziert hatten. Dabei fällt die Mikrozephalie scheinbar so stark aus, dass die Babys kaum Überlebenschancen haben. 68 Babys starben seit Beginn der systematischen Erfassung am 22. Oktober 2015.

Was ist der beste Schutz?
Relativ sicher ist man ab einer Höhe von 2200 Metern, darüber kommt die Moskitoart Aedes aegypti in der Regel nicht vor. Schwangere sollten bei den an sich harmlosen Symptomen wie leichtes Fieber, Hautrötungen und Kopfschmerzen einen Arzt aufsuchen. Für Touristen gilt: lange Kleidung, mit Moskito-Spray einsprühen und in Hotels die Fenster geschlossen halten. Aber: Die Moskitoart ist tagaktiv, was den Zika-Kampf so schwierig macht. Wie hilflos einzelne Regierungen sind, zeigt der Rat, Frauen sollten Schwangerschaften lieber erstmal verschieben – in El Salvador wird sogar geraten, bis 2018 zu warten.

Warum gibt es diese rasante Ausbreitung in Lateinamerika?
Weil es hier den idealen Nährboden gibt. Ein großer Kontinent, viel Reiseverkehr, eine stark verbreitete, das Zika-Virus übertragende Moskitoart, die sich im südamerikanischen Sommer rasch vermehrt – und ungeschützte Menschen. Es gibt bisher keinen Impfstoff gegen Zika. „Das Virus frisst sich praktisch durch“, sagt Dennis Tappe, ebenfalls Virologe am BNITM. „Die Moskitos nutzen jede Wasserfläche, um ihre Eier abzulegen“, analysiert Tappe. „Wenn die menschliche Mobilität nicht so hoch wäre, wäre auch die Verbreitung geringer.“ In einem Inselstaat wie Singapur, wo es vor einigen Jahren viele Malaria- und Denguefälle gab, sei eine Epidemie-Eindämmung weitaus leichter.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was passiert, sollte die WHO den globalen Notstand ausrufen.

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