31.07.2016
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Individual-Urlaub: Urlaub auf dem Containerschiff - das geht!

Blick über das voll beladene Containerschiff Santa Rosa

Blick über das voll beladene Containerschiff Santa Rosa

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Peer Schmidt-Walther

Auf einem Frachter als Passagier mitfahren – geht das überhaupt? Ja! Wenn man in den Prospekten von entsprechenden Reedereien und Veranstaltern blättert, stellt man erstaunt fest, wie groß die Auswahl an Zielen und Schiffen ist: Seereisen für Individualisten, die die Seefahrt pur und ohne Schnickschnack erleben wollen. Alle Fragen und Antworten dazu kennt Frachtschiffreisen-Experte Peer Schmidt-Walther, ein ehemaliger Seemann.

Wie sieht ein typischer Tag auf einem Frachter aus?

Schmidt-Walther: Aufstehen, zum Munterwerden ein paar Runden im Swimmingpool drehen. Von 7.30 bis 8.30 Uhr Frühstück, das man natürlich auch verschlafen kann. Kaffee gibt es durchgehend. Aus dem Pantry-Kühlschrank kann man sich außerhalb der Essenszeiten bedienen. Anschließend Gespräch auf der Brücke mit dem Wachhabenden und Deckswanderung mit Kontakt zu den Matrosen bei der Arbeit. Danach Erfrischung im Pool und etwas Sonnen an Deck.

Von 11.30 bis 12.30 Uhr Mittagessen und ein kleines Schläfchen. Am Nachmittag Kaffeetrinken mit neuesten Informationen von der Brücke, Decksspaziergang, Lesen, Musik hören, Schreiben, Pool – je nach Wetter, Lust und Laune.

Abendessen von 17.30 bis 18.30 Uhr, Zusammensitzen mit den Besatzungsmitgliedern zum Plausch bei einem Bier, gemeinsam einen Film ansehen, spielen, lesen oder noch einmal die Brücke besuchen. Nach einem Abendspaziergang an Deck unterm Sternenhimmel geht es ab in die Koje.

Eine Reise auf einem Frachter ist keine Kreuzfahrt. Worauf müssen Urlauber an Bord verzichten?

Auf mehrgängige Sterne-Menüs – stattdessen gibt es meistens gutbürgerliche Küche. Statt ständigem Service wird die Kabine einmal pro Woche vom Steward gesäubert und es werden Bettwäsche und Handtücher gewechselt.

Auf Schwimmbad, Fitnessraum, Sauna, Liegestühle, Bibliothek, Bar, Aufenthaltsraum oder Fernseher muss man an Bord vieler größerer Frachter genauso wenig verzichten wie auf das Captains Dinner. Letzteres, wie auch alle anderen Mahlzeiten, bekommt man täglich in der Offiziersmesse - ohne Schlips und Kragen. (Die Offiziersmesse ist der Raum, in dem die Schiffsoffiziere ihre Mahlzeiten einnehmen. Für die übrige Besatzung gibt es die Mannschaftsmesse.)

Was können Urlauber auf dem Schiff anschauen?

Alles. Brücke und Maschinenraum (nach Anmeldung) stehen jederzeit offen. Wenn es für die Crew stressig wird, also bei der Ansteuerung von Häfen, sollte man weder an Deck noch auf der Brücke im Wege stehen.

Wie mache ich mich unbeliebt?

Auf einem Frachter haben Ladung und Arbeitsabläufe Priorität. Mit ausgefallenen Sonderwünschen sollte man sich zurückhalten und die allgemeine Hilfsbereitschaft nicht unnötig strapazieren. Das bedeutet auch, dass man sich selbst beschäftigen kann. Offene Türen signalisieren übrigens, dass man willkommen ist. Ist sie geschlossen, gilt das Gegenteil. Essenszeiten - sollten im Interesse von Koch und Steward – schon eingehalten werden.

Welche Ziele kann man als Urlauber mit dem Containerschiff bereisen?

Vom einwöchigem Kurztrip durch Ostsee, Nordsee oder Mittelmeer bis zur fast viermonatigen Weltumrundung ist alles im Angebot.

Fahren Frachter nach festem Fahrplan?

Im Prinzip ja. Aber man sollte mehr Flexibilität mitbringen als für genau terminierte Kreuzfahrten. Trotz nahezu fahrplanmäßiger Containerschifffahrt richtet sich alles nach der Ladung.

Und im Hafen heißt es Herumstehen?

Selten hat man ein paar Tage Zeit. Doch selbst, wenn es nur Stunden sind, lässt sich über den Reederei-Agenten ein Landausflug organisieren, oder man geht auf eigene Faust los.

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