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Abo-Fallen: Geben Sie Internet-Abzockern keine Chance

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Millionen von Menschen fallen jedes Jahr auf Abo-Fallen herein. Foto: Roland Rechtsschutz/dandaman-fotolia.com
Ob „Gratis“-SMS, Musik-Downloads oder Warenproben aus dem Netz: Mit vermeintlichen Sonderangeboten lockten Betrüger bereits Millionen Verbraucher in die Falle. Worauf Sie bei der Online-Schnäppchenjagd achten müssen.  Von
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Millionen Internetnutzer sind schon einmal in eine Abo-Falle getappt. Als Köder werden häufig „Gratis“-Leistungen wie SMS-Versand, IQ-Tests oder Software eingesetzt. Auch Warenproben oder ein angeblicher Fabrikeinkauf verlocken zum Anklicken. Die Interessenten werden meist aufgefordert, ihre persönlichen Daten wie Name, Anschrift, Geburtsdatum und E-Mail anzugeben. In diesen Fällen heißt es, sehr aufmerksam zu sein. „Verbraucher sollten die Seite immer bis zum Ende lesen und auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) achten“, empfiehlt Rechtsanwalt Dr. Holger Grünewald von Roland Rechtsschutz. Denn sonst landen sie schnell in einem ungewollten Vertrag - und werden mit Zahlungsaufforderungen bombardiert.

Button-Lösung reicht nicht aus

Zwar hat der Gesetzgeber durch die „Button-Lösung“ das Risiko solcher Abo-Fallen gemindert: Seit dem 1. August 2012 müssen Verbraucher vor einem Kauf durch einen Button darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine Leistung kostenpflichtig ist. Allerdings umgehen Betrüger das Gesetz mit Business-Portalen. Der Vertrag wird dabei vordergründig zwischen Geschäftsleuten geschlossen. „Durch das Anklicken eines Angebots erklärt der Verbraucher dann, dass er Unternehmer sei. Für Geschäfte zwischen zwei Unternehmern gilt die Button-Lösung nämlich nicht“, erklärt Grünewald.

Besonders heikel: In diesem Fall gilt auch kein 14-tägiges Widerrufsrecht, das die User schützt. Wer als Business- oder Privatkunde auf einem geschäftlichen Portal in die Falle getappt ist, sollte schnell einen Rechtsanwalt oder eine Verbraucherzentrale informieren und sich dort Rat holen. Kann der Kunde nachweisen, dass er kein Unternehmer ist, muss er vermutlich nicht zahlen. So hat etwa das Landgericht Bochum im Falle eines geneppten Klägers entschieden. Auch Gewerbetreibende, die sich für rein private Käufe angemeldet haben, können ohne Zahlung davon kommen.

Auf keinen Fall zahlen

Verbraucher, die auf ein Abo hereingefallen sind, haben schnell unerwünschte Rechnungen im Briefkasten. Verbraucherschützer empfehlen, dem Vertrag und der Forderung zu widersprechen und nicht zu zahlen. „Wer den Betrag begleicht, erkennt die Zahlungsaufforderung als begründet an“, sagt auch Rechtsexperte Grünewald. Das gilt auch bei Rechnungen von Inkasso-Unternehmen und Anschreiben von Rechtsanwälten. „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen“, rät die Verbraucherzentrale Hamburg. Selbst dann nicht, wenn die unliebsame Post über einen langen Zeitraum eintrudelt. Mit einem Musterbrief kann man auf die Drohgebärden reagieren - den Widerruf schickt man am besten per Einschreiben.

Die „Button-Lösung“ hat das Risiko zwar etwas gemindert, doch Betrüger arbeiten mit neuen Tricks.
Die „Button-Lösung“ hat das Risiko zwar etwas gemindert, doch Betrüger arbeiten mit neuen Tricks.
Foto: dpa

In der Regel sind Betroffene auf der sicheren Seite, wenn der Vertrag ohne ihr Wissen abgeschlossen wurde. Ein entgeltlicher Vertrag kommt nämlich nicht zustande, solange einem der Preis nicht klar und deutlich angezeigt worden ist. Versteckte Preisklauseln in den AGB sind unwirksam und müssen daher vom Verbraucher nicht gezahlt werden.

Mahnbescheid widersprechen

Handeln sollten Betroffene, wenn ein echter Mahnbescheid im gelben Umschlag vom Amtsgericht gekommen ist. Ein Mahnbescheid bedeutet aber auch nur, dass der Anbieter zum Gericht gegangen ist und ein juristisches Musterformular ausgefüllt hat. „Das Gericht hat nicht geprüft, ob die Forderung zu Recht besteht“, entwarnen die Experten von Computerbetrug.de. Auch dem Mahnbescheid kann man binnen 14 Tagen einfach widersprechen, wenn die Forderung nicht zu Recht besteht. Erst wenn der Schuldner Einspruch einlegt - was Abzocker-Firmen so gut wie nie tun - wird die Sache gerichtlich verfolgt.

Oft drohen die Gauner auch mit einer Meldung bei der Schufa, wenn nicht gezahlt wird. Verbraucherschützer raten auch hier zu Gelassenheit: Strittige und falsche Forderungen dürfen bei der Schufa nämlich nicht eingetragen werden. Dennoch sollten sich Betroffene gegen die Zahlungsaufforderungen von Abo-Abzockern und Inkassounternehmen wehren. „Die lästige Post ungelesen wegzuwerfen, ist nicht zu empfehlen. Besser, man bewahrt sie auf und holt rechtlichen Rat ein“, erläutert Rechtsanwalt Grünewald.

Abo-Fallen-Betreiber können bei den Verbraucherzentralen der jeweiligen Bundesländer gemeldet werden. Die Verbraucherzentrale Hamburg stellt zudem Internetseiten vor, die negativ aufgefallen sind.

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