„Wir geben allen Bürgern aus Lohmar die Möglichkeit, Kunst auszustellen – und zwar nicht nur Bilder“, sagt Elisabeth Krüschet, Mitorganisatorin der Freilichtgalerie „Lohmar an der Leine“ vor der Villa Therese. „Es gibt ja nichts, was man da nicht hinhängen könnte“, ergänzt der seit 35 Jahren freischaffend arbeitende Künstler Herbert Döring-Spengler. Sein Arm fährt durch die Luft: An einer Wäscheleine, hoch über den Köpfen der Besucher, hängt zum Beispiel ein kleiner grüner Vogel, der nach vier goldenen Flöten greift – es ist ein Klangkörper, gebastelt von Musikschülern. An einem Baugitter hängen zudem Gummistiefelvon Kindern, in jedem blüht eine Primel. Und an einer weiteren Stelle ist ein Blatt Papier aufgespannt, auf dem eine Geschichte über griesgrämige Gesichter im Wartezimmer niedergeschrieben ist. Ob Musik, Kunstobjekte oder Straßenliteratur: „Jeder kann hier eigentlich das machen, was er selbst unter »Kunst« versteht“, betont Döring-Spengler.
Die meisten Exponate sind Gemälde, Drucke und Collagen: Eine Schulgruppe hat derweil das Thema „Meer“ in Lack verarbeitet: Die knallbunten Fische sind nicht gemalt, sondern von der obersten schwarz-düsteren Lackschicht herausgekratzt. Eine Seniorengruppe hat sich dagegen mit einem Abdruck von Gesichtern, Händen und Füßen und mit dem Gedanken befasst „Wer bin ich?“ – oder: „Was ist: Ich?“. Doch zwischen Kindergarten und Seniorenheim klafft (noch) eine große Lücke: Nur wenige Menschen mittleren Alters stellen „Lohmar an der Leine“ an der Hauptstraße 83 aus. Dabei hätte jeder noch genügend Platz, sich frei zu entfalten, denn an 20 Metern Leine und an den sieben Gittergestellen ist der größte Teil der Fläche frei. Der Lohmarer Künstler Döring-Spengler hat eineErklärung dafür: „Kinder und Senioren besitzen eigentlich keine falsche Scham. Menschen im Berufsleben liefern sich jedoch einer Kritik aus, sobald sie ihre für selbstbefundenen tollen Werke ausstellen“ findet er. „Wer nichts ausstellt, erntet auch keine Kritik.“ Und die Veranstalterin Krüschet ergänzt: „Wer nichts ausstellt, erntet aber auch kein Lob.“ Und sie fordert auf:„Die Lohmarer, die noch kein Kunstwerk ausgestellt haben, sind herzlich willkommen – Papier und Bleistift stehen bereit.“
Lohmars stellvertretender Bürgermeister, Reiner Albrecht, lässt nach seiner Eröffnungsrede indes wissen: „Besonders imponieren mir die gestiefelten Primeln. Ich arbeite gerne selbst im Garten und das hinterlässt einen Eindruck auf mich.“
Am Sonntag, 25. März, endet die freie Kunstaktion, die als Teil der „Lohmarer Kulturtage 2012“ stattfindet. Die Exponate sind von der Straße aus jederzeit frei zugänglich. www.ksta.de/rsa-bilder.de




