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Bay-Arena: „Ich habe Angst, wenn es klingelt“

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Und dann kommen Gisela Kronenberg die Tränen am Telefon. „Ich habe Angst, ich bin fertig mit den Nerven.“ Die letzten Tage waren zu viel für die 62-jährige Stadionanwohnerin: Nachdem über die Presse bekannt geworden war, dass die Bewohner des „gallischen Dorfs“ neben dem Stadion gegen die Lautstärke bei Abendspielen Beschwerde bei Bayer 04 eingelegt hatten und der Verein bei der Deutschen Fußball-Liga darum gebeten hatte, in der nächsten Saison keine Abendspiele in der Bundesliga mehr durchführen zu müssen, waren die Wellen im Internet hochgeschlagen. Fußball-Fans beschimpften und bedrohten die Anwohner, auf der Facebook-Seite des Fußballvereins, aber auch auf der Internetseite www.gallier-dorf.de, die die Anwohner der 14 Häuser umfassenden Siedlung neben der Arena angelegt haben, um ihre Anliegen darzustellen.

Kronenberg, Lehrerin an einer Leverkusener Schule, hat sich krankschreiben lassen. „Ich habe Angst, wenn es bei mir an der Tür klingelt“, sagt sie. Sie hat Angst, dass einige der jungen Fußball-Fans ihre virtuellen Bedrohungen wahr machen und dem „gallischen Dorf“ einen Besuch abstatten, um Müll in den Vorgarten zu werfen, in den Vorgarten zu „kotzen“. Ein Fan schlug sogar vor, die Anwohner zu „schächten“ – gegen ihn, aber auch gegen andere stellen die Bewohner jetzt Strafanzeige bei der Polizei. „Man darf uns beschimpfen, aber das geht zu weit“, so Kronenberg. Bayer 04 ist unterdessen um Deeskalation bemüht. „Bei der Diskussion um die Lärm-Auseinandersetzung zwischen der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH und den Nachbarn in unmittelbarer Nähe der BayArena entsteht der Eindruck der totalen Konfrontation“, erklärte Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer der Fußball GmbH. Dies spiegele aber nicht das bisher gepflegte Kommunikations-Verhältnis wider – „zumindest das, was unser bisheriges Verhalten angeht.“

Kontaktpflege

Zugleich wies Holzhäuser daraufhin, dass Bayer 04 alle Vorschriften, die in der Betriebsgenehmigung des Stadions enthalten sind, eingehalten und gegen keine Auflage verstoßen habe. „Trotzdem sind wir von Beginn an bemüht gewesen, mit den betroffenen Anwohnern ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu haben“. Deshalb – so Holzhäuser – habe man den Kontakt auch ständig gepflegt, habe die Nachbarn zu Spielen und Informationsveranstaltungen eingeladen und „versorge“ sie auch immer wieder mit Klub-Informationen. So sei im Vorfeld der Dacherneuerung ein Treffen vereinbart worden, bei dem auch weitere Maßnahmen zum Schallschutz vorgestellt werden sollten. „Der Termin konnte noch nicht festgemacht werden, weil einige Anwohner wohl in Urlaub sind“, erklärt Kommunikationsdirektor Meinolf Sprink. Es sei aber ein zeitnahes Treffen geplant. Dabei soll den Siedlungsbewohnern unter anderem ein spezielles Jalousienverfahren vorgestellt werden. „Man muss sich das Verfahren so ähnlich vorstellen, wie bei der Plane eines Lkw“, so Sprink weiter. Für diese Jalousien , die zwischen den obersten Rängen der Osttribüne und dem Stadiondach angebracht werden sollen, werde ein besonderes lärmminderndes Material verwendet.

Von einem geplanten oder anberaumten Treffen wisse sie nichts, betont Anwohnerin Kronenberg auf Anfrage. Seit Jahren würde der Verein lediglich in Form von Zetteln im Briefkasten korrespondieren, ein Telefonat oder ein persönliches Treffen habe noch nie stattgefunden – obwohl der Streit schon seit Jahren schwelt. „Wir sind keine Streithanseln. Wir haben auch noch nie eine Anzeige erstattet gegen Bayer 04 und haben auch nie verlangt, dass die Abendspiele nicht mehr stattfinden dürfen.“ Man habe um eine konstruktive Zusammenarbeit gebeten und Maßnahmen zum Lärmschutz gefordert. Für Kronenberg steht fest: „Hätte man uns von Anfang weniger arrogant und ignorant behandelt, dann wären die Fronten jetzt nicht mehr so verhärtet.“ Die Wut einiger Fußball-Fans kann sie nachvollziehen – weil sie selbst gerne Fußball guckt, lange eine Dauerkarte im Stadion hatte: „Ich weiß auch die Atmosphäre in einem Stadion zu schätzen“ – nur Dezibel-Lautstärken in Rock-Konzertlautstärke eben nicht. Aber: „Es kann doch nicht sein, dass Fußball Krieg bedeutet.“

Sprink betont im Gespräch nochmals ausdrücklich, dass sich Bayer 04 von wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen vermeintlicher Fußballanhänger gegenüber den Anwohnern distanziert: „Wir appellieren stets an Fairplay und sind gegen jede Form von Gewalt. Sollten wir jemanderwischen, der gegen diese Prinzipien verstoßen hat oder verstößt, werden wir von unserem Stadion-Hausrecht Gebrauch machen.“ Im übrigen ist Sprink überzeugt, dass die Deutsche Fußball-Liga dem Wunsch von Bayer 04 entspricht und keine Bundesligaspiele in der Bay-Arena abends ansetzt. Erleichterung bei Gisela Kronenberg? Mitnichten. Für die Mannschaft wäre es schließlich anstrengender, zu Auswärts-Abendspielen fahren zu müssen. Sie betont: „Das haben wir nie gewollt.“

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