Großes Stühlerücken beim Bürgerverein Lülsdorf-Ranzel - und das ist ausnahmsweise mal nur im wörtlichen Sinne gemeint: 30 Stühle und passende Tische haben Werner Benner, Hans-Joachim Müller und Andreas Michalik aus den Beständen der Hauptschule Kopernikusstraße ausgesucht. Sie kutschierten die gut erhaltenen Exemplare in drei Fuhren ins neue Vereinsheim, das „Benefizium“: Bisher war die Bestuhlung dort bunt zusammengewürfelt, in der Mitte stand ein langer Bierzelt-Tisch. „Das war auf Dauer untragbar“, findet der stellvertretende Vorsitzende Werner Benner. Auf einem der traditionellen „überparteilichen Dialoge“ des Vereins mit Lülsdorfer und Ranzeler Ratsmitgliedern sprach er das Problem an - und siehe da: „Plötzlich fiel der Stadt ein, dass sie da noch etwas Passendes hat.“
Auf den Stühlen sollen jetzt nicht nur die Damen und Herren des Vereinsvorstands Platz nehmen. Sondern dreimal wöchentlich Ausländer, die Deutsch lernen. „Die Volkshochschule macht dann hier ihre Kurse »Deutsch als Fremdsprache«“, erklärt der Vorsitzende Andreas Michalik. Zwar bietet nicht weit entfernt auch die Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde Deutschkurse an. „Aber nicht jeder, der unsere Sprache lernen will, ist bereit, dafür in die Moschee zu gehen“, weiß Michalik. Dies Lern-Hindernis soll ab September ausgeräumt sein.
Das Benefizium mausert sich. Der Bürgerverein hat es der Kirche abgekauft, langwierig renoviert und im letzten Winter eingeweiht. „2500 Arbeitsstunden“, schätzt Michalik, hat das Haus bisher verschlungen. Unten der große Versammlungsraum mit Küche, der vom Verein genutzt wird. An der Längswand hängt ein dramatisches Alpenpanorama in Öl. „Nur der röhrende Hirsch fehlt“, witzelt Michalik. Das große Bild schmückte schon das alte Vereinsheim auf dem jetzt abgerissenen Schäferhoff-Hof und ist nicht mehr aus dem Vereinsleben wegzudenken - die Schenkung eines Künstlers.
Im ersten Stock gibt es Proberäume für Bands, unterm Dach hat sich die Harley-Gruppe „Twin's Doc“ gediegen eingerichtet.
Seit Herbst 2007 wird renoviert. Im April hat der Verein seine letzte Rate an die Kirche überwiesen. „Jetzt gehört das Benefizium ganz uns“, stellt Geschäftsführer Hans-Joachim Müller zufrieden fest. „Damit sind aber auch unsere letzten Finanz-Reserven verbraucht.“ Die Arbeit ist aber noch lange nicht erledigt: Noch harrt das Treppenhaus seiner Sanierung, im ersten Stock muss eine Toilette eingebaut werden und letztens gab der Wasserabfluss im Erdgeschoss den Geist auf. „6. Juni.: Rohr freigemacht, 15 bis 20 Uhr“, notiert Michalik ins „Arbeitsbuch“, das den Aufwand des Vereins erfasst.
Währenddessen läuft das „Standardprogramm“ der Ortsverschönerer weiter: Pflege der über 70 Blumenkübel, Vorbereitungen auf das Rheinuferfest im September, die Teilnahme an den zwei Karnevalszügen und das internationale Stadtfest im kommenden Jahr. „Wir müssen jetzt schon die Künstler buchen“, erklärt Michalik. Nebenbei werden alle anderthalb Wochen die Rheinufer-Anlage gemäht.
Schon jetzt entschuldigt sich der Verein für eine Preiserhöhung, die im kommenden Jahr kommen wird: Die Schiffskarten für „Rhein in Flammen“ werden teurer. „Wir haben Miese gemacht, weil die GEMA bei der letzten Fahrt mit zwei Schiffen 950 Euro in Rechnung gestellt hat“, erzählt Michalik. Doch schon jetzt gibt es 150 Vorbestellungen. „Eines der zwei von uns gebuchten Schiffe, die »Willy Ostermann«, ist das lauteste von allen“, erzählt Michalik mit Glänzen in den Augen. „Ein richtiges Partyschiff.“



