25.07.2016
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„Eifelgefühl“ für die Region: Musikverleger Horst Hültenschmidt bringt Eifel-Sampler auf den Markt

Das Cover der CD „Eifelgefühl“.

Das Cover der CD „Eifelgefühl“.

Eifel -

Viele gelbe Löwenzahnblüten zieren eine neue CD, die als „Musik- und Kultursampler“ auf Käufer wartet. Der Kölner Musikverleger Horst Hültenschmidt hat die abwechslungsreiche Musikmischung, die für 14,50 Euro erhältlich ist, zusammengestellt. Das Interessante an dem Projekt: Hültenschmidt ist nicht irgendwer, sondern ein Profi im Musikbusiness. Er hat schon Projekte für Herbert Grönemeyer, Wolfgang Petry, Jürgen von der Lippe, Stefan Raab, Die Prinzen, INXS, Scorpions, Metallica oder Bon Jovi auf die Schiene gesetzt.

Und nun also ein Eifel-Sampler. Was bewegt einen erfolgreichen 64-jährigen Independent-Musikverleger, nun auf die regionale Schiene zu setzen? Offensichtlich der persönliche, durchaus emotionale Bezug zur Eifel. „Ich komme aus Prüm und war dort bis zum Alter von 15 Jahren auf dem Regino-Gymnasium“, erläutert er. Schon lange wohnt er in Köln, fährt aber jedes Wochenende in die Eifel, wo er ein festes Domizil hat. „Diese Region bietet mehr, als man normalerweise erwartet“, sagt Hültenschmidt.

Die Idee, eine Eifel-CD zusammenzustellen, kam durch seinen guten Draht zu Wolfgang Niedecken, der selbst ein Haus in Kronenburg hat, zustande. „Die Eifel gibt musikalisch was her“, sagt Hültenschmidt, und hat dann auch einige Kracher auf die mit zehn Titeln eher sparsam aufspielende CD bekommen.

Zwar rühren Brings in ihrem bekannten Titel „Eifel“ fleißig Klischees an, doch Wolfgang Niedecken und Bap erinnern mit ihrem Song „Karl-Heinz“ auf respektable Weise an den viel zu früh verstorbenen, aus Stadtkyll stammenden Karl-Heinz Pütz, der Initiator der legendären Kölner „Arsch huh“-Konzerte war.

Am interessantesten sind aus der Region selbst kommende Titel: Achim Weinzens intelligentes Lied „Trier“ ist mittlerweile schon Hymne bei Eintracht Trier. „Die spielen das, wenn sie im Fußballstadion einlaufen“, sagt Hültenschmidt. Und für viele Leute sei Wibbelstetz' Titel „Eefel“ mittlerweile schon so etwas wie eine Nationalhymne. Aber auch die Eifeljungs sorgen mit „Das Eifellied“ ebenfalls für regionales Selbstbewusstsein. Partykompatibel ist „Et kütt bi et kütt“ von den in der Osteifel eher weniger bekannten „Heavens a Beer“.

Hierzulande wird allerdings „die Eifelikone“ Sylvia Nels mit ihrem Titel „Un da foahrn ma ma´m Bulldog un de Stausee“ für Irritationen sorgen. An das Bitburger Platt muss man sich nämlich gewöhnen. „Es gibt kein Schützenfest, keine Jugend-Dorf-Party, wo dieser Titel nicht ballermannmäßig gesungen wird. Das ist im Bitburger Raum einfach so“, sagt Hültenschmidt. „Die ist auch schon bei der ITB in Berlin aufgetreten und hat schon drei CDs rausgebracht. Man hat mir gesagt: »Die musst du einfach drauftun«.“

Der Titel wird allerdings die Geister scheiden: Der eine wird das plötzlich aufkommende Humba-Gefühl mit Familienidylle schön schräg finden, der andere entnervt weiterswitchen.

Aus St. Vith in Ostbelgien ist Andy Houscheid mit seinem Titel „Scheinen“ auf der Platte vertreten. Der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien, Oliver Paasch, habe sich deswegen in einem Schreiben persönlich für die CD-Idee bedankt, berichtet Hültenschmidt. Und warum kamen nur zehn Titel auf die Scheibe? Auf diese Frage bemüht der Musikverleger einen recht drastischen Vergleich. „Wenn man so einen Musik-Sampler machen will, dann hat man es halt mit verschiedenen Gruppen zu tun. In der Eifel gibt es so ein Denken: »Wenn ich mit meinem Hund in den Wald gehe und dieser gegen einen Baum pinkelt, ist das mein Revier. Da kommt kein anderer hin«.“ Ganz so schlimm scheint es aber nicht zu sein, denn der Mann denkt schon über die zweite Eifel-CD nach.

Von Haus aus ist Hültenschmidt Ökonom

Von Haus aus ist Hültenschmidt übrigens Ökonom: Als junger Mensch hat er in Aachen Betriebswirtschaft studiert. Das Thema seiner Diplomarbeit lautete: „Das Urheberrecht in der Musik“. Im Zuge seiner Recherchen lernte er dann Wilfried Jung, den Geschäftsführer von EMI-Europa, und Carsten Ilgner, den Geschäftsführer von Gerig Musikverlage, kennen. Acht Jahre lang arbeitete er danach für EMI, unter anderem auch für Herbert Grönemeyer, den er mit zur Electrola gebracht hat. Für ihn machte er dann die EMI-Pressearbeit für Holland, Österreich und die Schweiz.

Später habe Grönemeyer sich dann persönlich bei seinen Mitarbeitern für die gute Arbeit mit Goldenen Schallplatten bedankt. Solche Trophäen hat Hültenschmidt etliche im Laufe seiner Berufsjahre angehäuft, auf seiner Webseite sind sie zu sehen.

Die kleine Silberscheibe stellt die Eifel als gemeinsamen Kulturraum dar, auch im 24-seitigen Booklet wird an bekannte Eifelmaler und Autoren erinnert.

Das Produkt des Betriebswirtschaftlers Horst Hültenschmidt ist offenbar auch gut für die Wirtschaftsförderung: Wie die Faust aufs Auge passt die CD zur Zukunftsinitiative Eifel, die die Region vernetzen und für sie werben will. Eigentlich kein Wunder, dass es bereits Kontakte zur Euskirchener Wirtschaftsförderin Iris Poth gab, die den Wert der Scheibe natürlich schnell erkannt hat.

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