28.09.2016
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Anna Maria Kaufmann bei Monschau Klassik: Mühelos über alle Grenzen

Begeisterte das Publikum: Opern- und Musicalsängerin Anna Maria Kaufmann.

Begeisterte das Publikum: Opern- und Musicalsängerin Anna Maria Kaufmann.

Foto:

Claudia Hoffmann

Monschau -

Schön, kultiviert und charmant: Das sind die Eigenschaften, die Anna Maria Kaufmann im Jahre 1990 in den internationalen Musikhimmel katapultierten und die auch den mehr als 800 Besuchern der „Monschau Klassik“ am Sonntag ein Musical-Erlebnis der Extraklasse bescherten.

Und es war nicht nur die bewegende Hommage an ihren verstorbenen Gesangspartner Peter Hofmann mit der Titelmelodie aus „Phantom der Oper“, die am Sonntagabend so richtig unter die Haut ging.

In mehr als 500 Vorstellungen hatte sie an Hofmanns Seite einst die weibliche Hauptrolle der „Christine“ verkörpert und war 1993 als erfolgreichste Darstellerin mit der „Goldenen Europa“ geehrt worden.

Bereits mit den ersten Takten von José María Canos „Hijo de la luna“, spätestens aber mit der atemberaubenden Interpretation von „Ich gehöre nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ zeigte die deutsch-kanadische Ausnahmesängerin mit dem liebenswerten deutschen Akzent, die erst wenige Stunden zuvor von ihrem Auftritt als „Csárdásfürstin“ in der Berliner Waldbühne eingeflogen war, welche Vielfalt von Stimmungen eine einzige Stimme auszudrücken vermag.

Wunderbare Akustik

War ihr Gesang eben noch zart und leise, entwickelte er dann ein Volumen, das die wunderbare Akustik des Burg-Ambientes voll auskostete und den gesamten Innenhof in einen einzigen Klangraum verwandelte.

Mit strömender Kraft und klarer Diktion kletterte ihr vorzüglich ausgebildeter Sopran mühelos in sämtliche Höhen und zeichnete zierliche Konturen graziös nach.

Auch die Musiker der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg – die zweifelsfrei zu den bedeutendsten musikalischen Botschafter ihres Landes gehören – meisterten die gewiss hohen Anforderungen des Monschauer Publikums mit Bravour.

Facettenreiches Crossover

„In Trutina“ aus Carl Orffs Oratorium „Carmina Burana“ war dabei eines der Stücke, mit denen das „Orchester in Residence“ unter der künstlerischen Leitung seines charismatischen Dirigenten Juri Gilbo brillieren konnte.

Mit „Summertime“ stellte Anna Maria Kaufmann in ihrem facettenreichen Crossover zwischen Oper, Musical und Pop einmal mehr unter Beweis, dass sie in allen musikalischen Genres zu Hause ist. Der stilvolle Wechsel der Garderobe – die Bandbreite reichte hier vom raffiniert-geschlitzten goldenen Abendkleid über das hinreißende Pendant in Rot bis hin zum eleganten Weiß – setzte das optische Tüpfelchen auf dem I.

Die zweite Hälfte des Konzerts gehörte in weiten Teilen den großen Melodien der Filmmusik – von Ennio Morricones „Se tu fossi nei miei occh i“ aus dem Kinoklassiker „Cinema Paradiso“ über „Chi mai“ aus dem Film „Der Profi“ bis hin zum unvergessenen „Spiel mir das Lied vom Tod“, bei dem das fulminante Mundharmonika-Solo von René Giessen auf den Besucherrängen mit begeistertem Füßetrampeln belohnt wurde.

Das anschließende Andrew-Lloyd-Webber-Medley geriet vielleicht etwas zu pathetisch, da allzu ausladend gestenreich, offenbarte in jedem Fall aber noch einmal die ganze Klasse Kaufmanns. Das Publikum hielt es beim minutenlangen Beifall nicht auf den Sitzen.