28.08.2016
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Fluxus in Bad Münstereifel: Eigenwillige Kunst voller Witz und Ironie

Highlights der Fluxus-Ausstellung: die Werke von Louis Goodman

Highlights der Fluxus-Ausstellung: die Werke von Louis Goodman

Bad Münstereifel -

Man sieht ein paar verbogene Drähte, an deren Enden jeweils Augen sitzen – das ganze Arrangement vor schwarzem Hintergrund. „Das ist auch eine Krippe“, sagt Inge Baecker beim Rundgang durch ihre neueste Ausstellung, die unter anderem die eigenwilligen Krippen-Objekte des renommierten Künstlers Laas Abendroth aus Mülheim an der Ruhr in ihrer Münstereifeler Galerie präsentiert. Und in der Tat: Wenn man genau hinguckt, kann man aus dem Augen-Panoptikum die typische Anordnung einer Krippe erkennen, speziell am Stern, der über allem schwebt.

„Witzig, oder?“, fragt die Galeristin den unbedarften Journalisten. Abendroths ganz unterschiedliche Darstellungen der heiligen Familie nebst Weisen aus dem Morgenland sind in der Tat sehr einfallsreich und ironisch. „Auf subtile Weise hinterfragt Abendroth die Funktion von Bildern, Symbolen und Zitaten“, heißt es in der Einladung zur Ausstellung. Das kann man nur bestätigen.

Der Mülheimer, Jahrgang 1967, gehört zwar allein vom Alter her nicht zur Generation der Fluxus-Künstler, die Anfang der 1960er Jahre ihre ganz eigene Ausdrucksweise fanden. Es gehe bei Fluxus darum, einen Kunstgegenstand zu erschaffen, der eine Idee trage, die den Betrachter wiederum zum Nachdenken bringt – so etwa formulierte Inge Baecker den Grundgedanken der Bewegung, die sich seinerzeit als Gegenentwurf zur elitären Hochkultur im Ruhrgebiet etablierte.

In der am vergangenen Sonntag eröffneten Ausstellung zeigt die in einem Teil der Münstereifeler Burg eingerichtete Galerie auch Arbeiten von Louis Goodman. Der Künstler starb 1973 in Kalifornieren, und Inge Baecker hatte das Glück, den Nachlass für vergleichsweise wenig Geld von den Erben erwerben zu können. Auf einem der in Bad Münstereifel ausgestellten Tableaus hat Goodman einen Pfeifenstopfer neben einem Kitschbild angeordnet; in der Komposition sind außerdem kleine und mittelgroße Metallteile verarbeitet, deren ursprüngliche Funktion man nur erahnen kann. Aber: Goodmans Werke strahlen sowohl ein großes Maß an handwerklichem Können als auch eine augenzwinkernde Ironie aus.

Bereits seit 1970 ist Inge Baecker im Kunstgeschäft. Kein Geringerer als Wolf Vostell war der erste, mit dem die junge Galeristin damals in Bochum eine Ausstellung auf die Beine stellte. In den vergangenen 43 Jahren hat sie mit fast jedem bedeutenden Künstler der Fluxus-Bewegung zusammengearbeitet, angefangen von Allan Kaprov über Mauricio Kagel und Nam June Paik bis Milan Knizak.

400 Ausstellungen organisiert

Ihre geschäftlichen Beziehungen reichen nicht nur in die USA, sondern unter anderem auch nach Brasilien, Griechenland und in die Türkei. Zu ihrem Bekanntenkreis zählte der berühmte Happeningkünstler John Cage, der die Fluxus-Kunst vor allem musikalisch prägte. „Damals, als bei einer Performance schon mal ein kompletter Flügel zersägt und zerschlagen wurde, ging es ausgesprochen spektakulär zur Sache“, erinnert sich Baecker, die ihre Galerie lange Zeit in Köln betrieb, ehe sie auf die Münstereifeler Burg umsiedelte.

Obwohl sie inzwischen schon mehr als 400 Ausstellungen organisiert hat, steckt die Kunsthändlerin nach wie vor voller Ideen für neue Projekte. Immerhin konnte sie für die aktuelle Präsentation Dr. Thomas Schriefers gewinnen. Der Kurator der zeitgleichen Ausstellung „Ruhestörung – die Welt der Collage“ im Kunstmuseum Ahlen brachte den Gästen der Vernissage die Künstler Louis Goodman und Laas Abendroth nahe.

Die Ausstellung in der Galerie Baecker dauert noch bis zum 24. November. Öffnungszeiten sind samstags und sonntags von 14–18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung (☎ 02253/5436007).

www.galerie-baecker.de