23.07.2016
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Interview: Heino ist sauer auf Outlet-Investoren

Heino

Volksmusikstar Heino

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Carolin Bietzker

Bad Münstereifel -

Schlagersänger Heino (Heinz Georg Kramm) ist wütend. Seit 16 Jahren sieht er sich als Hauptattraktion in der Kurstadt. Am vergangenen Freitag äußerte Georg Cruse nun im Namen des Investorenteams des „EifelCityOutlet“, dass Heino keinen Anziehungspunkt für die Kundschaft der Modehersteller darstelle, sondern eher hinderlich sei. In einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ machte der Barde seinem Ärger darüber Luft.

Herr Kramm, was war Ihre erste Reaktion, als Sie die Äußerung von Georg Cruse in der Zeitung lasen?
HEINO: Ich war verärgert. Wenn die das so sehen, dann sollen die meinen Namen doch einfach da raushalten. Warum gehe ich denn als Investor nach Bad Münstereifel? Weil Heino die Stadt berühmt gemacht hat! Ich bin gespannt, ob sich Socken besser verkaufen als Heino-Haselnuss-Torten.

Herr Cruse betonte, er habe Ihnen ein Angebot gemacht, im Heino-Rathauscafé zu bleiben. Wie lautete es?
HEINO: Ich sollte in den rechten Teil des Gebäudes umziehen, in dem jetzt der Fan-Shop ist, weil der große Teil für das Outlet gebraucht würde. Der Preis war fair, neun Euro pro Quadratmeter. Dort gab es aber keinen behindertengerechten Eingang. Den hätten wir wegen des Denkmalschutzes auch nicht bauen können. Außerdem: Warum soll ich mich in eine Ecke drängen lassen, und andere kommen und wollen auf großen Max machen? Dennoch hat meine Mitarbeiterin bei Bürgermeister Büttner nachgefragt, ob wir städtische Fläche für unsere Außenbestuhlung nutzen dürften. Doch das musste er erst mit den Investoren besprechen. Das verstehe ich nicht, denn es ging schließlich um städtischen Grund.

Wie ging es dann weiter?
HEINO: Herr Cruse legte damals noch viel Wert darauf, dass wir im Haus bleiben. Er sagte zu mir: „Wir wissen ja, dass Sie hier ein Anziehungspunkt sind. Heino ist das Aushängeschild von Bad Münstereifel.“ Doch sechs Wochen lang bekamen wir vom Bürgermeister keine Antwort. Da reichte es uns.

Nun hat sich das Blatt offenbar gewendet.
HEINO: Herr Cruse soll mir sagen, welche Modehersteller nicht rechts und links neben Heino sein wollen. Das wären die Ersten, die nicht mit Heino als Lockmittel arbeiten.

Was glauben Sie, warum er die Mieter nicht nennt?
HEINO: Weil er keine hat, das ist doch klar! Sonst würde er doch schon damit werben!

Wie sehen Sie die Erfolgschancen des Eifel-City-Outlets?
HEINO: Ich wünsche der Stadt, dass es funktioniert. Ich glaube, es wird eine kurze Zeit laufen. Die Leute kommen ein Mal, finden es nett, aber kommen nicht wieder. Ich weiß nicht, warum Herr Büttner so unkritisch ist. Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich fragen: „Wen habt ihr?“ Ich würde nicht auf den blauen Dunst zusagen. Ich habe mich über das Investoren-Trio informiert. Da kommen Sie aus dem Staunen nicht mehr raus. Da lachen Sie sich kaputt! Ich verstehe nicht, warum die Stadt auf so etwas reinfällt. Zuerst war von einem Fashion Center die Rede, das ist etwas ganz anderes als ein Outlet. Aber Herr Cruse hat zu mir gesagt: „Ich musste das ja Fashion Center nennen, sonst hätte ich vielleicht die Genehmigung nicht bekommen.“

Haben Sie über alternative Standorte für Ihr Café nachgedacht?
HEINO: Nein. Ich bin fast 74, da denke ich über meine Gesundheit nach. Im Kurhaus wohne ich, hier ist Familie Corsten der Betreiber des Heino-Cafés. Das kommt mir sehr entgegen. Ich gebe ihnen meinen Namen, dafür wird eine Lizenz gezahlt.

Wie läuft das Heino-Café im Kurhaus?
HEINO: Sehr gut! Es kommen auch ganz viele junge Leute. Aber Sie müssen es erst einmal finden! Die Leute parken unten in der Stadt, suchen das Heino-Café, und bis sie wieder unten sind, haben sie auch schon ein Protokoll, weil ihr Parkschein abgelaufen ist. Das ist ja sowieso immer das Problem. Die Politessen vergraulen noch den letzten Gast aus der Stadt. Sogar wenn Feste sind, gehen sie herum. Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich sagen: „Mädchen, du hast heute mal frei.“ Mit den Geschäften in der Stadt ist es doch ähnlich. Wenn das Modehaus Thater gegenüber vom Café bei schönem Wetter mal einen Ständer mehr rausgestellt hat, gab es gleich eine Anzeige. Wir haben für unsere Außenbestuhlung viel Geld bezahlt, auch wenn es regnete und niemand auf den Stühlen saß. Schien die Sonne und wir stellten einen Stuhl mehr raus, bekamen wir gleich ein Protokoll. Wenn die Verwaltung so kleinlich ist, dann muss ja jedes Geschäft kaputtgehen. Und wenn man dann noch große Einkaufsflächen vor die Stadt baut, dann gehen die Leute gar nicht mehr in die Innenstadt. Die wissen gar nicht mehr, was hier los ist.

Welche Chance hätte Bad Münstereifel Ihrer Meinung nach ohne das Outlet-Center gehabt?
HEINO: Das weiß ich nicht, aber da sollte Herr Büttner vielleicht mal Frau Ritter fragen, die Bürgermeisterin in Monschau. Die haben kein Outlet-Center, und die Stadt ist trotzdem voll. Aber Herr Büttner ist wohl zu jung und zu spröde.

Ein Wort zum Schluss?
HEINO: Seit 16 Jahren gibt es das Heino-Café. Ich glaube nicht, dass die Investorengruppe so lange durchhält. Es macht mich traurig, wie sich das alles entwickelt. Unsere Stadt wird zugrunde gerichtet. Und wenn Herr Cruse meint, dass nur alte Leute zu Heino kommen, dann kann ich nur sagen: Herr Cruse ist ein Träumer.